Geologisch gesehen beginnt mit dem Antiatlas die Afrikanische Platte. Diese ist etwa 500 Millionen Jahre alt, denn sie ist im Präkambrium entstanden. Damit ist sie älter als die europäische Kontinentalplatte, zu der der Hohe-und Mittlere Atlas gehören. Denn diese sind gerade einmal 100 bis 20 Millionen Jahre alt. Die beiden sind also jung, sie fallen in die Zeit der alpidischen Orogenese, daher sind sie geologisch gesehen Teenager. Der Jbel Sarhro tanzt etwas aus der Reihe, denn er ist vulkanischen Ursprungs. Manche Geologen ordnen den 150 Kilometer langen und 50 Kilometer breiten Gebirgszug dem Antiatlas zu, andere sehen ihn als eigenständigen Bergstock. Schön sind die Berge Marokkos alle, jeder auf seine Art.

Der Hohe Atlas
Er zieht sich im Westen mit einer Höhe von 4.000 Meter von der Atlantikküste in östlicher Richtung bis an die marokkanisch-algerische Grenze. Der östliche Teil des Hohen Atlas ist nicht mehr so hoch, um die 2.000 Meter nur. Zum Atlantik und zur Souss-Ebene (Agadir) hin fällt er steil ab. Richtung Norden (Marrakech) fällt er sanft ab. Er ist eine wichtige Wetterscheide und schützt die fruchtbare Küstenebene vor dem Klima der Sahra. Der Hohe Atlas ist auch die Grundlage für viele Flusssysteme. Ohne ihn wären die Souss-und die Tadla Ebene nicht so fruchtbar.
Sein höchster Gipfel ist der Jbel Toubkal mit 4.167 Metern. Einige seiner Gipfel liegen um die 4.000 Meter, in diesen Höhenlagen gibt es Schnee der bis ins Frühjahr liegen bleibt. Der Hohe Atlas hat einige spektakuläre Passstraßen. Der Tichka Pass (2.260 Meter) und der Test-Pass (2.093 Meter) sind die bekanntesten, vielleicht auch die schönsten. An der Nordflanke findet man viele fruchtbare Täler, wie das Ourika Tal zum Beispiel. In diesen Tälern hat sich die traditionelle Lebensweise der Berber bis heute gut erhalten. An der Südseite des Hohen Atlas liegen die touristischen Highlights: Die Dades Schlucht, die Todra Schlucht, die Kasbahs und Tighremts sowie die großen Palmerias.

Die Geologie des Hohen Atlas
Wie die Alpen entstand der Atlas durch die Kollision zwischen Afrika und Europa, ist also Teil des alpidischen Orogengürtels. Er besteht aus einer Reihe versetzter Gebirgszüge, die durch Hochebenen voneinander getrennt sind. Die Gesteine des Hohen Atlas sind das Ergebnis langer Ablagerungssphasen an den Grenzen der Tethys-Ozeane (im Jura) und des Atlantiks (in der Kreidezeit). Diese Ablagerungen liefen in mehreren Phasen ab.
Die einzelnen Phasen der Ablagerungen
Im Trias (vor 220 Millionen Jahren) kommt es aufgrund tektonischer Aktivitäten zu Senkungsbewegungen. Es lagern sich daher über einem älteren Grundgebirge kontinentale Sandsteine und Salze (Evaporite) ab. Durch weitere tektonische Aktivitäten im Jura (vor 200 bis 165 Millionen Jahren) entwickelt sich ein Grabensystem. Das warme Wasser der Tethys überflutet das Gebiet. Dadurch bilden sich mächtige maritime Kalkablagerungen.
Zur Zeit der Dinosaurier, also im Mitteljura bis zur Unterkreide (vor 125 Millionen Jahren) zieht sich die Tethys nach Osten zurück und macht der kontinentalen Sedimentation in einem heißen und feuchten Klima Platz. In der Zeit entstehen die Schichten der „Rotserien“. Diese überlagern nun den Kalkstein und füllen die Becken auf. In der Kreidezeit bricht der Atlantische Ozean von Süden her auf und es kommt wieder zur Überflutung des Atlas-Golf. Diesmal allerdings von Westen. Wieder werden mächtige Kalkschichten abgelagert, die nun die älteren Schichten der Rotserien bedecken und die Becken endgültig auffüllen.

Der Hohe Atlas wird ein Berg
Ab der Oberen Kreide (vor 100 bis 66 Millionen Jahren) und im Tertiär passiert die Alpidische Orogenese (Gebirgsbildung). Verantwortlich dafür war die Annäherung der Platten Afrikas und Europas. Sie ist allerdings nicht die ultimative Erklärung. Anders als bei den Alpen zB. reichte die Kollision mit Europa nicht aus um die starke Hebung zu erzeugen. Unter dem Hohen Atlas liegt ein Manteldiapir, das ist ein aufsteigender Körper heißen Mantelgesteins, der aus tieferen Mantelschichten in den oberen Erdmantel aufsteigt. Er hat wesentlich zur Hebung des Hohen Atlas beigetragen.

Der Mittlere Atlas
Der Mittlere Atlas erreicht mit dem Jbel Bou Naceur eine Höhe von 3.356 Meter. Nördlich von ihm liegt das Rifgebirge, südlich grenzt der Hohe Atlas an. Im Westen liegen fruchtbare Landschaften, daher ist hier das hauptsächliche Siedlungsgebiet Marokkos das sich bis zur Küste des Atlantik zieht. Der Mittlere Atlas ist vorwiegend von Berbern bewohnt. Bekannte Orte sind Ifrane, Azrou und natürlich Fes. In den Bergen per se gibt es keine großen Städte. Die Stadt Midelt liegt am Schnittpunkt der beiden großen Atlasketten.
Einer der Hauptverbindungswege zwischen Nord-und Südmarokko, also zwischen Fes und Errachidia führt über den Col du Zad, einem 2.178 Meter Hohen Pass im Mittleren Atlas. Hier dominiert Viehzucht, denn mehr ist auf den kahlen Hochflächen nicht möglich. Bei Midelt gibt es Blei-und Silberminen sowie Mineralvorkommen. Daher war der Hohe Atlas bis ins ausgehende Mittelalter nur Durchgangsweg für Kamel-und Eselkarawanen aus dem Süden Marokkos (Sijilmassa) und Sommerweide für Viehnomaden aus den angrenzenden Regionen.

Die Zeder ist der charakteristische Baum an den Nordwesthängen des Mittleren Atlas. Es gibt nicht mehr so viele davon. Die Atlas-Zeder wird seit den 1980er Jahren wieder aufgeforstet. Neben der Zeder wachsen hier auch diverse Nadelbäume, Pappeln, Birken und Obstbäume, die die Franzosen mitgebracht haben. In den Wäldern leben Berberaffen.

Jebel Sarhro
Der Jbel Sarhro ist eine Gebirgskette vulkanischen Ursprungs. Manche Geologen sehen ihn als Verlängerung des Antiatlas, andere meinen, es sei ein eigener Gebirgsstock. Jedenfalls liegt der Jbel Sarhro zwischen Sahara und Hohen Atlas und stößt im Westen auf den Antiatlas. Sein höchster Gipfel ist der Jbel Amalou n’Mansuour mit 2.712 Metern Höhe. Der höchste Pass ist der Tizi n’Tazazert mit 2.283 Metern Höhe. Große Städte gibt es in dieser Bergregion nicht und sogar kleine Bergdörfer sind rar. Die einzigen die in dieser Bergwelt leben sind die Ait Atta, früher ein ziemlich kriegerischer Bergstamm. Bergsteiger kommen gerne hierher, Boulmane du Dades ist ein beliebter Ausgangspunkt für Touren in die Bergwelt des Jbel Sarhro.

Der Antiatlas
Der bekannteste Berg im Antiatlas ist vermutlich die Mütze des Napoleon im Tal der Ammeln. Dieser Gebirgszug ist der südlichste der drei Gebirgsketten des Atlas. Der Antiatlas reicht vom Atlantik bis nach Quarzazate und weiter östlich bis an das Tafilalet, das sind rund 500 Kilometer. Im Süden wird er von den Ausläufern der Sahara begrenzt. Er ist vulkanischen Ursprungs und damit geologisch eigenständig.
Das gilt auch für den Jbel Sarhro und den Jbel Sirwa, die sich an den Hohen Atlas annähern aber durch das Dades Tal und das Todra Tal von ihm getrennt sind. Der Jbel Bani wird ebenfalls dem Antiatlas zugerechnet. Er zieht sich von Tan-Tan bis nach Zagora, entlang des Oued Draa.

Der höchste Berg im Antiatlas ist der Jbel Aklim mit 2.500 Meter Höhe. Im Durchschnitt ist der Antiatlas nur um die 1.000 Meter hoch. Der Jbel Sirwa, ein erloschener Vulkan, ist eine Ausnahme, er ist 3.304 Meter hoch. Geologisch gesehen beginnt mit dem Antiatlas die Afrikanische Platte. Diese entstand im Präkambrium und ist damit sehr alt. Im Antiatlas sitzen auf dem Grundgebirge Afrikas präkambrische und kambrische Gesteine. Er ist im Jungpaläozoikum (vor 500 Millionen Jahren) entstanden. Damals krachten die beiden Urkontinente Laurussia und Gondwana aneinander und falteten den Antiatlas auf.

Nach der Entstehung des Hohen Atlas im Eozän (vor etwa 55 Millionen Jahren) kam es zu vulkanischen Eruptionen an den Schwächezonen der beiden Gebirge. Der Jbel Sirwa und das Gebiet des Jbel Sarhro sind vulkanischen Ursprungs. Ganz zur Ruhe gekommen ist das Gebiet noch nicht, Erdbeben sind nicht selten und Thermalquellen gibt es einige. Die größeren Orte im Antiatlas sind Bergoasen wie Ait Baha, Tafraoute und Igherm (Igrem). Klimatisch gehört der Ostteil des Antiatlas schon zur Steinwüste (Hammada) der Vorsahara.
Im Westen und Norden überleben nur angepasste Pflanzen. Man findet hier Thymian, Rosmarin, Affodill, Arganienbäume, Mandelbäume, Sukkulenten und Opuntien. Im Süden und Osten schaffen es auch diese Pflanzen nicht mehr. Hier gibt es höchstens noch Dornbüsche. Im Antiatlas sind die Schlöh-Berber zuhause. Ihr Zentrum ist Tafraoute nahe dem Tal der Ammeln. Sie sprechen Taschelhit, eine anerkannte Berbersprache, die auch in Schulen unterrichtet wird. Im östlichen Antiatlas wird dagegen Tamzghit gesprochen.

Landflucht ist hier ein großes Thema. Die meisten Männer arbeiten in Casablanca, Rabat und Tanger oder in Europa. Leben kann man hier nur entlang der Flüsse, die allerdings nie rund ums Jahr Wasser führen. Auf den Hochflächen baut man etwas Gerste an und ansonsten lebt man von der Viehzucht. Der weitgehend aride Antiatlas unterscheidet sich also stark von den beiden anderen Ketten des Atlas, dem Mittler und dem Hohen Atlas.

