Casablanca

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Casablanca ist durch den gleichnamigen Film aus 1942 bekannt, es gibt auch Rick’s Cafe in der Stadt. Dieses hat allerdings wenig mit dem Film zu tun, denn es wurde erst 2004 von Kathy Krieger eröffnet. Sie entwickelte die Idee, den fiktiven Ort Rick’s Café in Casablanca Realität werden zu lassen. Der Film spielt im Jahr 1941. Frankreich ist zu diesem Zeitpunkt bereits von der deutschen Wehrmacht besetzt aber das französische Protektorat Marokko wird vom Vichy Regime verwaltet und ist noch frei. Viele fliehen damals nach Casablanca, in der Hoffnung einen Flug in das neutrale Lissabon zu ergattern und von dort weiter nach Amerika zu gelangen. Heute ist Casablanca ganz anders. Es ist mit 3,2 Millionen Einwohnern die größte Stadt Marokkos und fungiert als das wirtschaftliche und industrielle Zentrum des Landes.

Casablanca

Gelegen an der Atlantikküste, beherbergt Casablanca einen der bedeutendsten Häfen Nordafrikas, der eine zentrale Rolle für den internationalen Handel spielt. Das Stadtbild ist ein Mix aus moderner Infrastruktur und kolonialzeitlichen Einflüssen, insbesondere im Art-déco-Stil. Ein bekanntes Wahrzeichen ist die Hassan-II.-Moschee, deren Minarett zu den höchsten der Welt zählt. Als Hauptsitz zahlreicher nationaler sowie internationaler Unternehmen und Banken bildet Casablanca das finanzielle Herzstück Marokkos.

Strukturell ist die Stadt durch das moderne Schienennetz des Al Boraq geprägt, welches Casablanca als nördlichen Endpunkt der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke Afrikas mit Tanger verbindet. Die Metropole ist auch ein akademisches Zentrum, aufgrund der Universität Hassan II., die maßgeblich zur Forschung und Ausbildung im Land beiträgt. Städtebaulich zeichnet sich die Millionenstadt durch eine dynamische Expansion aus, die sich in ambitionierten Projekten wie dem neuen Finanzdistrikt Casablanca Finance City manifestiert. Der internationale Flughafen Mohammed V, ist das wichtigste Luftfahrt-Drehkreuz Marokkos.

Casablanca ist mit fast 10.000 pro Km² dicht besiedelt aber die Dichte variiert je nach Wohlstand. Das Armenviertel Ouled Slimene ist eng, die Medina, die Altstadt, wirkt wie von den Stadtplanern vergessen. Etwas heruntergekommen, glanzlos neben all den glas- und stahlbewehrten Hochhäusern. Auf dem Boulevard al Massira el Khadra dagegen, erlebt man eine andere Welt. Der Stadtteil Maarif bietet viel Platz, denn er ist wohlhabend. In der eigentlichen Stadt leben 3.218.036 Menschen, rechnet man aber die Großregion Casablanca-Settat, also den Speckgürtel, dazu, dann sind es 7. 688.967 Menschen. Gegliedert ist die Stadt in 16 Arrondissements, einzelne Gerichtsbezirke mit jeweils eigenem Bürgermeister.

Die Geschichte vom Casablanca

Das heutige Casablanca ist nicht sehr alt aber als Siedlungsort hat der Platz doch eine 1.200jährige Geschichte. Die Siedlung Anfa ist ab dem 8.Jahrhundert nachgewiesen. Anfa war lange Zeit ein wichtiger Ort für die den Berberstamm der Berghouta. Sie wurden im 12.Jahrhundert von den Almohaden vertrieben. Unter ihrer Herrschaft entwickelte sich Anfa zu einem wichtigen Umschlagplatz für Getreide und zu einem Stützpunkt für Piraten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts versuchten die Portugiesen daher wiederholt, Anfa einzunehmen. 1496 zerstörten sie die Stadt und 1575 besetzten sie den Ort, den sie dann Casa Branca („Weißes Haus“) nannten.

1755 verwüstete ein schweres Erdbeben Casa Branca und die Stadt wurde unter dem Namen „al-Dar-al-Bayda (Weißes Haus) vom Alaouiten Sultan Mohammed bin Abdallah wieder aufgebaut. Er errichtete öffentliche Bäder, eine Koranschule und eine Moschee. Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich schließlich spanische Händler in der Stadt nieder und nannten sie Casablanca. Damals war die Stadt klein, unter der Herrschaft von Moulay Hassan (1873 bis 1894) hatte sie nur 20.000 Einwohner.

Zwischen 1912 und 1956 war Casablanca und die größten Teile Marokkos ein französisches Protektorat. Dazu gibt es eine Vorgeschichte: 1907 baute man, mit Erlaubnis des Sultans, den Hafen Casablancas aus. Dabei kam es zur Beschädigung eines muslimischen Friedhofs. Das führte zu einem Aufstand der Stämme der Shawia. Sie griffen am 30.Juli 1907 die europäischen Arbeiter an und töteten neun von ihnen. Dann drangen sie in die Stadt ein und überfielen das jüdische Viertel. Viele flüchteten über Tanger und so verbreitete sich die Nachricht von dem Massaker schnell in Europa. Die französische Regierung entschied sich, Casablanca zu besetzen und eine starke Marine- und Heeresstreitmacht dorthin zu entsenden. Das führte zu einem weiteren Massaker in Casablanca. Die Kämpfe gegen die Shawia dauerten bis Juni 1908, dann war die Stadt „befriedet“.

Casablanca wurde in der Zeit der französischen Protektorats zum Wirtschaftszentrum ausgebaut. Neben Franzosen kamen auch rund 10.000 Spanier in die Stadt, die meist von ihnen wohnten im Stadtteil Maarif. Ab 1913 begann unter Aufsicht des Stadtplaner Henri Prost der französische Ausbau von Casablanca. Anders als in Algier, wo bis 1900 alles abgerissen wurde, was den Franzosen nicht gefiel, wurde mit der historischen Medina schonender umgegangen. Am 7. November 1929 war der erste Handelstag an der neu errichteten Börse.

Königlicher Palast Casablanca Eingangstor

Im Zweiten Weltkrieg war Casablanca ein strategisch wichtiger Hafen, Nach der Niederlage Frankreichs 1940 gegen Deutschland blieb die Stadt vorerst unter der Kontrolle des Vichy Regimes. 1942 landeten 35.000 Amerikaner und Briten in Nordafrika (Casablanca, Oran, Algier) nach nur zwei Tagen Kampfhandlungen gab das Vichy Regime auf. 1943 fand unter größter Geheimhaltung die Casablanca Konferenz statt. Hier trafen sich US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill vor 83 Jahren. Joseph Goebbels tobte, denn die NS-Führung erfuhr fast nichts. Beim Verhandlungsmarathon der Alliierten wurden die Weichen für den weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs gestellt. Stalin war damals, zur Freude von Churchill, nicht mit dabei.

Nach dem Kieg (1951) betrug die Bevölkerungszahl Casablancas 682.000 Menschen. Am 7. und 8. Dezember 1952 beging die französische Protektoratspolizei ein Massaker an hunderten Arbeitern aus den Bidonvilles. Danach befand sich die Stadt bis im November 1956 in einem Belagerungszustand. Trotzdem baute der Stadtplaner Michel Ecochard zwischen 1946 und 1953, nach dem Vorbild von Los Angeles, die ersten Stadtautobahnen in Casablanca. 1952 schmiss man ihn raus, er hatte zu viele Sozialwohnungen für Arme in den Bidonvilles gebaut.

Die Stadt per se

Die Hauptsehenswürdigkeit ist seit 1993 die Große Mosche, die Hassan II. Moschee ist eine der größten weltweit. Sie bietet Platz für 25.000 Menschen. Das Minarett ist mit 210 Metern Hohe das zweithöchste Minarett nach der Großen Moschee von Algier (265 Meter / 2019). Ab den 1920er Jahren wurden in Casablanca viele repräsentative Gebäude im marokkanisch beeinflussten Art Deco Stil errichtet. In der Nähe von der Place Mohammed V. findet man das Wilaya de Casablanca-Settat (Sitz der Lokalregierung), die Bank Al Maghreb (Zentralbank), das Café de France, den Marché Central (Zentralmarkthalle), das Musée Abderrahman Slaoui, La Fondation ONA – Villa des Arts de Casablanca (Kunstmuseum) und das Cinéma Rialto.

Vier Kilometer südwestlich des Hafens erstreckt sich entlang des Boulevard de la Corniche an der Küste im Vorort Ain Diab das luxuriöse Bade- und Vergnügungsviertel. Etwas entfernt vom Meer zwischen dem Stadtzentrum und Ain Diab ist das heutige Anfa ein zentrales Villengebiet. Im dortigen Hotel Anfa fand die Casablanca-Konferenz statt. Im Umkreis der Innenstadt zeugt ein breiter Slumgürtel (Bidonville) von der wirtschaftlichen Notlage und den sozialen Problemen der stetig wachsenden städtischen Unterschicht.

Casablanca der Leuchtturm El Hank
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