Die Atlantikküste bis Casablanca

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Die 400 Kilometer Atlantikküste zwischen Essaouira und Casablanca sind wunderschön. Kitesurfer und Individualisten lieben die Strände zwischen Essaouira und Safi. Die Stadt ist sehenswert mit ihrer Medina und dem „Meeresschloss“ hinter den portugiesischen Mauern. Auch Oualidia, eigentlich nur ein kleines Küstendorf an Marokkos Atlantikküste, gelegen zwischen El Jadida und Safi, etwa 180 km südlich von Casablanca und rund 3 Autostunden nördlich von Essaouira ist ein lohnenswerter Stopp. Es ist bekannt für seine Austern und für eine Sommerresidenz von König Mohammed V. El Jadida wiederum, das ehemalige portugiesische Mazagan, hat Zisternen, die sind so schön, dass Orson Welles hier einige Szenen für seinen Othello filmte. Und Casablanca? Das ist eine faszinierende Stadt, groß, lebendig, schön gelegen.

Safi und sein Meeresschloss

Das 330.000 Einwohner große Safi, das in der Berbersprache Tamazight „Asfi“ (Flut) heißt, liegt direkt am Atlantik. Von Essaouira sind es 150 Kilometer, bis Casablanca 250 Kilometer. Früher hat man hier das Saffianleder aus Ziegenhaut hergestellt, heute ist Safi – nach Casablanca und Tanger – ein wichtiger Hafen und Industriestandort. Das Hinterland von Safi – vor allem die Region rund um Youssoufia und Khouribga – ist sehr phosphatreich. Dünger ist heute wichtiger als Leder. Als Fischereihafen ist Safi noch immer von Bedeutung; die Fänge (hauptsächlich Sardinen) werden zu einem erheblichen Teil in den Konservenfabriken des Hafengeländes weiterverarbeitet. Die Konservierung von Obst und Gemüse spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt.

Safi ist bekannt für seine Keramik. Neben Dekor- und Gebrauchskeramik stellt man hier auch – aus längsgeteilten, leicht konischen Röhren, die auf der Töpferscheibe gedreht werden – die grün glasierten Dachziegel her, mit denen in Marokko Moscheen, Mausoleen, Medersen und Königspaläste gedeckt sind.

Die grünen glasierten Dachziegel in dem Fall in Rabat

Safi ist auch eine alte Stadt, schon der Geograph Idrisi (12. Jahrhundert) und der Gelehrte Ibn Chaldūn (14. Jahrhundert) berichteten von Asfi/Safi als einer wichtigen Hafenstadt. Es waren vermutlich die Almohaden, die aus dem kleinen Fischerdorf eine Stadt machten und eine erste große Moschee errichteten. Auch die Europäre waren hier, im Jahre 1253 gründeten die Genuesen einen Stützpunkt und 1488 errichteten die Portugiesen eine Handelsniederlassung. Sie handelten hier Sklaven, Gold und Elfenbein. Von 1508 bis 1541 war die Stadt fest in portugiesischer Hand und wurde von einer ca. 3 km langen geböschten Mauer umgeben.

Aufgrund wiederholter Angriffe der Berber in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mussten die Portugiesen den Ort wieder aufgeben. Als Handelsstadt war Safi jedoch weiterhin von Bedeutung; im 17. und 18. Jahrhundert bestanden rege Kontakte nach Europa. Im Jahr 1751 versuchte König Friedrich V. von Dänemark – letztlich jedoch erfolglos –, durch den Abschluss eines Freundschafts- und Handelsvertrags mit Mulai Muhammad, dem Statthalter von Marrakesch, dänische Stützpunkte in Safi und Santa Cruz do Cabo de Gué oder Cabo de Aguer (heute Agadir) zu errichten.

Blick auf Safi Foto Rivages

Die Neustadt, die über 90 % der Gesamtfläche von Safi einnimmt, wirkt weitläufig und modern, aber auch etwas fade. Die Medina innerhalb der portugiesischen Stadtmauern mit ihrem Gewirr von Gassen ist dagegen lebendig und urtümlich; hier verbinden sich Wohnen, Handwerk und Kleinhandel zu einem mittelalterlich wirkenden Gesamteindruck. Außerhalb der Altstadtmauern, westlich der Place de l’Indépendance, entstand im 16. Jahrhundert die portugiesische Festung Qsar el-Bhar, das Meeresschloss. Sehenswert sind die Große Moschee mit ihrem Minarett aus almohadischer Zeit; sie erhebt sich an der Stelle einer portugiesischen Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert. Im Süden der Moschee blieb der im manuelinischen Stil errichtete Chor des christlichen Sakralbaus (Chapelle Portugaise) erhalten.

Am östlichen Rand der Altstadt liegt die ebenfalls aus portugiesischer Zeit stammende, imposante Festung Borj ed-Dar („Festung der Residenz“), die auch Qechla (abgeleitet von castelejo) genannt wird. Innerhalb der starken Mauern befinden sich eine kleine Moschee und der Palast (Dar el-Makhzen), in dem ein Keramikmuseum untergebracht ist.

Safi – das Meeresschloss Foto: Jerzy Strzelecki

Oualidia

Es ist ein perfekter Ort für eine Pause. Das „kleine Küstendorf“ mit 20.000 Einwohnern liegt am Atlantik zwischen El Jadida und Safi, etwa drei Autostunden nördlich von Essaouira. Der überwiegende Teil der Einwohner ist berberischer Abstammung und nach der Unabhängigkeit Marokkos aus den umliegenden Bergregionen zugewandert. Der Ort ist um eine natürliche Lagune herum gewachsen, die durch eine Sandbank vom offenen Meer getrennt ist und dadurch, im Gegensatz zum rauen Atlantik, ruhiges, flaches und warmes Wasser bietet. Oualidia gilt als wichtigste Austernregion Marokkos. Der Ort hat auch mit dem Königshaus etwas zu tun, denn König Mohammed V. ließ sich hier eine Sommerresidenz errichten.

Von der Geschichte des Ortes ist nicht viel bekannt aber im 17. Jahrhundert erbaute der Saadier-Sultan Al-Walid der von 1631–1636 regierte, eine Festung (Kasbah), von der jedoch nur noch Reste erhalten sind. Nach ihm ist der Ort auch benannt. Oualidia war jahrhundertelang nicht mehr als ein Fischerdorf mit maximal 1000 Einwohnern. Eine erste Veränderung begann als in den 1940er Jahren Sultan Mohammed Ben Youssef, der künftige Mohammed V. einen Strandpalast erbauen ließ. Wirklich gewachsen ist Oualidia erst durch Zuwanderung nach der Unabhängigkeit Marokkos (1956).

Fischrestaurant in Oualidia

El Jadida und die Zisterne

Die Zisterne des alten Mazagan, so nannten die Portugiesen El Jadida, ist UNESCO Weltkulturerbe. Die befestigte Stadt wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen erbaut. 1769 wurde es wieder aufgegeben und in Marokko eingegliedert. Mazagan wurde 2004 als Weltkulturerbe der UNESCO registriert. In der Begründung steht zu lesen: „aufgrund ihres Status als „herausragendes Beispiel für den Austausch von Einflüssen zwischen europäischen und marokkanischen Kulturen“ und als „frühes Beispiel für die Verwirklichung der Renaissance-Ideale in Verbindung mit portugiesischer Bautechnik„. Orson Welles war von den Zisternen so fasziniert, dass er sie als Drehort für seinen Othello verwendete.

Der Entwurf der Sternfestung Mazagan ist eine Antwort auf die Entwicklung der modernen Artillerie in der Renaissance. Die Sternform der Festung misst ca. 250 m mal 300 m. Die leicht geneigten, massiven Mauern sind im Durchschnitt 8 Meter hoch und haben eine Dicke von 10 Meter und umschließen einen etwa 2 Meter breiten Wehrgang. Derzeit verfügt die Befestigung über vier Bastionen: die Angelbastion im Osten, St. Sebastian im Norden, St. Antoine im Westen und die Heilig-Geist-Bastion im Süden. Die fünfte, die Bastion des Gouverneurs am Haupteingang, liegt in Trümmern und wurde 1769 von den Portugiesen selbst zerstört.

Die Festung hatte drei Tore: das Seetor, das einen kleinen Hafen mit dem nordöstlichen Wall bildete, das Stiertor im nordwestlichen Wall und den Haupteingang mit einem Doppelbogen in der Mitte des südlichen Walls, der ursprünglich über eine Zugbrücke mit dem Land verbunden war. Ein Graben, der etwa 20 Meter breit, 3 Meter tief und früher mit Meerwasser gefüllt war, umgab das Fort. Zur Zeit des französischen Protektorats wurde der Graben mit Erde zugeschüttet und ein neues Eingangstor wurde eröffnet, das zur Hauptstraße, der Rua da Carreira, und zum Seetor führte.

Die Festung von El Jedida

Die Zitadelle, die sich im Herzen der ummauerten Stadt befindet, war 1514 der erste dauerhafte portugiesische Bau an dieser Stelle. Es handelt sich um ein Gebäude mit einem rechteckigen Grundriss von etwa 47 mal 56 Metern, mit drei Haupträumen um einen zentralen Raum und vier Türmen (je einer an jeder Ecke). Der südliche El-Briya-Turm (al-Burayja) stammt allerdings aus vorportugiesischer Zeit, denn hier suchten die Portugiesen erstmals Zuflucht, als sie 1502 ankamen. Einer der nördlichen Türme wurde später als Sockel für ein Minarett aus dem 19. Jahrhundert für die nahegelegene Moschee umfunktioniert. Die Zisterne befindet sich unter der Zitadelle.

Die Portugiesische Zisterne

Die Zisterne ist halbunterirdisch, besteht aus einer Kammer und hat einen annähernd quadratischen Grundriss von etwa 33 bis 34 Metern pro Seite. Das Gewölbe wird von fünf Reihen von je fünf Steinsäulen getragen. Der Raum ist im manuelinischen Stil errichtet mit einer gewölbten Decke aus Ziegelmauerwerk und Steinrippen. Die ursprüngliche Funktion ist unklar. Es könnte damals eine Waffenkammer oder ein Kornspeicher gewesen sein. 1541 wird der Bau jedenfalls in eine Zisterne umgewandelt. Entworfen hat es der Architekt Miguel de Arruda und João de Castilho hat den Entwurf Arrudas ausgeführt. Die runde Öffnung in der Mitte diente zum Sammeln von Regenwasser. Da noch immer etwas Wasser in der Zisterne ist, reflektiert sich darin der Raum. Vermutlich hat sich Orson Welles deshalb die Zisterne als Drehort für Othello ausgesucht.

Die Festungsmauern von El Jedida

Das Mausoleum von Sidi Abderrahmane

Das Mausoleum des Schutzheiligen von Algier, Sidi Abderrahmane, besteht aus einer Koubba, die das Grab des Heiligen beherbergt, und einer Moschee, die 1697 an einem älteren Ort errichtet wurde. Sie wurde zwischen 2018 und 2022 hervorragend restauriert und ist eines der meistbesuchten Denkmäler der Stadt Casablanca. Der 1437 geborene Sidi Abderrahman vom Stamm der Thaâliba war ein verehrter Gelehrter und Theologe und Gründer der Zaouïa Thaâlibiya. Die Koubba, in der ein mit Seidentüchern bedeckter Schrein die sterblichen Überreste des 1471 verstorbenen heiligen Mannes beherbergt, ist mit Kacheln, Koranversen und Votivgaben bedeckt: Bilder, Platten, Kronleuchter, von denen einer von Königin Victoria gestiftet wurde, die nach seinem Besuch angeblich schwanger wurde.

Dieser heilige Ort ist ein beliebter Ort für Frauen, viele kommen um den Segen des heiligen Mannes zu erbitten oder Eheprobleme zu lösen, vielleicht die Liebe zu finden oder sogar erfolgreich ein Kind zu bekommen. Es ist auch ein Ort, an dem ältere Frauen nach Mädchen suchen, die sie für ihre Söhne oder Enkel verheiraten können, da viele von ihnen hierher kommen. Man trifft hier also viele Frauen an, die um das Mausoleum herum sitzen und über ihre Liebesgeschichten oder eine zukünftige Heirat diskutieren. Die Moschee wird von einem hübschen viereckigen Minarett flankiert und der Brunnen im Innenhof wirkt angeblich wahre Wunder.

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