Ein Sonnenaufgang in der Wüste lässt den Tag früh beginnen. Von Merzouga bis Boumalne du Dades sind es etwa 250 Kilometer aber es gibt am Weg viel zu sehen. Da ist Rissani mit dem Mausoleum für Moulay Ali Cherif, des im Jahr 1659 hier verstorbenen Begründers der Alawiden-Dynastieund, dann die alte Stadt Sijilmasa, von der nur noch Ruinen geblieben sind. Sehenswert sind auch die Khettaras bei Jorf und ein „Muss“ ist die Todhra-Schlucht. Tinghir nahe der Schlucht ist die erste schöne Kasbah-Siedlung mit Stampflehmbauten an der „Straße der Kasbahs“. Es wird nicht langweilig bis Boumalne du Dades.

Rissani
Rissani ist mit etwa 5.000 Einwohner nicht groß. Für die Marokkaner hat die Stadt aufgrund der Tatsache, dass hier die Wiege der Alaouiten-Dynastie (Alawiden) liegt Bedeutung. In Rissani befindet sich auch das Mausoleum von Moulay Ali Cherif, dem Begründer dieser Dynastie. 1999 hat man daher renoviert. Das Mausoleum und einige Ksour wurden wieder instand gesetzt. Nach dem Niedergang von Sijilmassa (Anfang des 19.Jahrhunderts) bis zur Gründung von Erfoud durch die Franzosen 1917 war Rissani der Hauptort des Tafilalet.
Die Region Rissani besteht aus 114 Ksour und etwa 300.000 Dattelpalmen. Der Landkreis hat etwa 58.000 Einwohner. Handwerk gibt es hier viel. Aus Tamariskenholz werden Pflüge, die Griffe für Werkzeuge und Schüsseln hergestellt. Aber auch Keramik, Schmuck und Teppiche werden produziert. Das große Stadttor ließ Hassan II. kurz nach seiner Thronbesteigung in der Heimat seiner Vorfahren errichten. Dahinter liegt ein großer Platz und das Haupttor zum Ksar Abouam. Eine Altstadt (Medina) hat Rissani nicht aber einen lebendigen Markt.

Das Mausoleum von Moulay Ali Cherif
In der näheren und weiteren Umgebung von Rissani gibt es viele Ksur. Diese wurden erst vor ca. 100 bis 200 Jahren erbaut und dienten teilweise als Rückzugs- oder Verbannungsort für Witwen oder andere unliebsame Mitglieder der Königsfamilie. Die meisten sind baufällig. Das Mausoleum von Moulay Ali Cherif dagegen ist gut renoviert. In der Nähe des Ksar Abbar liegt das Mausoleum für Moulay Ali Cherif, des im Jahr 1659 in Rissani verstorbenen Begründers der Alawiden-Dynastie. Große Teile der Anlage wurden erst in den 1960er Jahren erbaut und werden von der marokkanischen Königsfamilie bestens ausgestattet und gepflegt.
Die Bezeichnung, „Cherif“ deutet darauf hin, dass man den Gründer der Dynastie und somit auch alle seine männlichen Nachkommen – also auch den jetzigen marokkanischen König – als direkte Nachfahren des Propheten Mohammed ansieht und entsprechend respektiert. Für Touristen ist das Innere tabu. Nur die gepflegte Gartenanlage des Mausoleums, der „Paradiesgarten“, ist zugänglich, der eigentliche Grabbau kann dagegen nur von außen betrachtet werden.

Khettaras
In Marokko nennt man das Qanat System anders, man sagt „Khettara“ dazu, manchmal auch, Foggara oder Rhetara. Im Prinzip bezeichnet der Begriff eine unterirdische Wasserleitung. Das Problem war in semiariden-und ariden Gebieten immer Wasser über größere Distanz von der Quelle zum Dorf oder in die Oase zu bringen. Das gelingt unterirdisch am besten. Es ist ein aufwendiges System: Von einem erhöhten Punkt (Berg) wo es eine Quelle gibt wird ein unterirdischer Kanal gegraben. Dieser muss von Versandung frei gehalten werden, dafür gibt es Zugänge, die wie überdimensionale Maulwurfshügel aussehen.
Khettaras sind Handarbeit
Es ist harte Arbeit eine Khettara anzulegen und instand zu halten. Die Arbeiter die das tun nennt man Moqannis, Die harten Grabarbeiten machten früher Sklaven. Sie gruben in Handarbeit die Stollen. Als Werkzeug hatten sie nur Hacken, kurze Spaten, Seil und Ledereimer. Zuerst wurde ein Stollen zum sogenannten Mutterbrunnen – meist am Fuße eines Gebirgszuges- gegraben, um eine wasserführende Schicht zu erreichen. Von dort aus hob man in regelmäßigen Abständen vertikale Schächte aus um die Khettara sauber halten zu können.

Das Qanat-System findet man in fast allen Ländern am Persischen Golf aber auch in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Libyen, in der Taklamakan sowie im gesamten Maghreb. Deswegen gibt es viele Namen dafür. In Persien nennt man sie Karez, im Oman sagt man Faladsch dazu und im Maghreb werden sie Khettara oder Foggara gennant. Letzteres bedeutet soviel wie „unterirdischer Stollen“.
Die erste Qanat wurde vermutlich bereits vor 5.000 Jahren im Iran gebaut. Von hier verbreitete sich diese Technik übert die Seidenstraße zuerst nach Ägypten (525 vor Christus) und dann über das Reich der Garamanten in Nordafrika ins Römische Reich. Die Römer hatten ihre Aquädukte und daher wenig Bedarf. Aber sie haben einige Qanats gebaut, zum Beispiel in Brey am Rhein und im Kreis Düren. Es gibt auch in Trier und Umgebung mehrere Qanate.



Tinejdad
Tinejdad ist eine 10.000 Einwohnerstadt auf 1.020 Meter Seehöhe, eine langgezogene Oase entlang des Oued Todra in der Provinz Errachidia. Es gilt als die östlichste Oase an der „Straße der Kasbahs“. Landwirtschaft ist hier die Lebensgrundlage. Wie gut die Ernte ausfällt, das hängt von der Menge des Schmelzwassers ab, das aus dem Hohen Atlas kommt. Die ehemals vorhandenen Lehmbauten sind aus dem Stadtbild weitestgehend verschwunden und durch moderne, wenig schöne, Häuser ersetzt worden.
Einzige Attraktion von Tinejdad ist der – erst im 19. Jahrhundert erbaute und etwa 5 km westlich des heutigen Ortes gelegene –Ksar El Khorbat mit seinem rechtwinklig verlaufenden teilweise gedeckten Gassen. Die Architektur des Ksar orientiert sich nicht an den weiter westlich gelegenen Kasbahs von Tinghir sondern mehr an den Ksur von Rissani. Der aus Lehmziegeln und Stampflehm erbaute Ksar ist nur noch zum Teil bewohnt. Andere Teile sind heute zu einem Museum und zu einem Hotel umgewandelt worden.

Tinghir und die Todhra-Schlucht
Tinghir (auch Tinerhir) ist eine Oasenstadt auf 1.340 Metern mit 45.000 Einwohnern in der gleichnamigen Provinz. Die Bevölkerung der Stadt ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Zuwanderung von Berberfamilien aus den umliegenden Berg- und Wüstenregionen deutlich gewachsen. Früher lebte man hier von der Oasenwirtschaft aber heute spielt auch der Tourismus eine Rolle. Außerdem ist Tinghir ein regional wichtiger Verwaltungs-und Marktort mit vielen kleinen Handwerksbetrieben geworden. Eine weitere Einkommensquelle ist das Geld, das Migranten in ihre Heimat schicken.
Das Stadtzentrum wird von dem gut erhaltenen Ksar geprägt. Die Stadtviertel rundherum sind allerdings modern. An den Rändern der Dattelpalmenoasen findet man noch traditionelle Häuser aus Stampflehm aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. Es gibt auch Kasbahs. El Glaoui wollte seine Präsenz zeigen und baute 1919 und 1930 je eine Kasbah. Heute sind diese allerdings stark verfallen. 1944 ließ Scheich Bassou, ein Rivale von El Glaoui einen Tighremt (Wohnburg) errichten, das heutige Hotel Tomboctou.

Tinghir hat zwei schöne Oasen entlang des Oued Todra (Todgha). Die alte Stampflehmarchitektur ist leider verloren gegangen. Die heutigen Lehmbauten stammen aus der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts und viele sind verfallen. Sie sind nicht sehr komfortabel, daher wohnen dort nur landflüchtige Kleinbauern, die zu den Ärmsten in Marokko gehören und sich in Tinerhir als Tagelöhner durchs Leben schlagen. Sie haben keine andere Wahl und sind mit dem billigsten Wohnraum zufrieden.
In den Oasen werden Getreide (Gerste), Gemüse (Bohnen, Kichererbsen, Möhren etc.) und Baumfrüchte (Datteln, Feigen, Granatäpfel, Oliven etc.) im Schatten der Bäume und Palmen angebaut. Die Wasserversorgung erfolgt heute über das aus den Bergen ablaufende Schmelzwasser des Todgha-Flusses, welches mit Hilfe von Dieselpumpen in kleine, höhergelegene Kanäle befördert wird und von dort auf die Felder gelangt. Etwa 12 km nördlich von Tinghir liegt die Todra Schlucht mit ihren 300 Meter hohen, fast senkrechten Felswänden.

Die Todra Schlucht
Die Schlucht ist ein Ergebnis der Erosionsarbeit des Todra, der vom Hohen Atlas kommt, südlich zum Oued Rheris fließt und die südlichen Kalkketten des Hohen Atlas durch einen tiefen Einschnitt verlässt. An der engsten Stelle ist die Schlucht nicht breiter als 10 Meter. Die Straße, die durch diese Enge führt wird regelmäßig überspült. Diese Enge macht die Todra Schlucht spektakulärer als die Dades Schlucht. Etwa einen Kilometer hinter Tinghir zweigt von der N10 eine Teerstraße ab. Dieser Weg ist so etwas wie eine Panoramastraße mit Ausblick auf die Oasen und das Todra Tal.
Man passiert den Ksar Ait Ouritane und die Quelle Imarighen, den Teich der Heiligen Fische, die die Oase mit Wasser versorgt. An der Quelle soll es Quellgeister geben die unfruchtbaren Frauen Kinder schenken. Deswegen findet man Wollschnüre und Opfergaben, damit die Quellgeister nicht den jeweiligen Wunsch vergessen. An der Zawiya Sidi Abd el Ali vorbei erreicht man ein Cafe mit Parkplatz und dann die Engstelle der Todra Schlucht. Die Schlucht bleibt eng bis man zwei Hotel-Restaurants erreicht.

Ab den Restaurants geht es nur noch zu Fuß oder per Geländewagen weiter. Theoretisch könnte man durch die Todra Schlucht und den Pass Tizi-Tirherhouzine (2.706 Meter) bis Marrakech fahren. Man könnte aber auch über Msemrir in die Dades Schlucht einfädeln. Es ist ein abenteuerlicher Weg (Piste) für Geländefahrzeuge, in deren Verlauf man über einen 2.800 Meter hohen Pass fährt.



Boumalne du Dades
Boumalne du Dades ist eine Oasenstadt mit 12.000 Einwohner. Sie liegt inmitten einer kleinen Oase am Ausgang der Dades Schlucht. Boumalne du Dades liegt am Südrand des Hohen Atlas am Dades Fluss an der Straße der Kasbahs, etwa 50 Kilometer von Tinghir entfernt. Die kleine Kreisstadt liegt auf 1.600 Höhenmetern, in der Nacht kann es ziemlich kalt werden. Südlich von Boumalne befindet sich der Jbel Sarho. Früher lebte man hier als Selbstversorger von Landwirtschaft und Viehzucht. Seit die Franzosen die heutige N10 gebaut haben entwickelte sich der Ort zu einem regionalen Handels-Handwerks- und Dienstleistungszentrum.
Über die Geschichte weiß man wenig aber man weiß, dass der Ort zu Beginn des 20.Jahrhunderts unter der Kontrolle der Ait Atta war. Sie kämpften jahrelang gegen die französische Kolonialmacht, erst 1933 gelang es den Franzosen den Stamm zu befrieden. Von der früheren Lehmarchitektur ist nicht viel geblieben. Es gibt noch eine Kasbah von Thami El Glaoui aus 1925. Etwa 10 Kilometer nördlich am Ausgang der Dadesschlucht gibt es noch die Wohnburgen der Dörfer Ait Arbi und Ait Youl.

