Fährt man von Fes nach Merzouga, durchquert man faszinierend viele verschiedene Landschaften Marokkos. Es kommt auf die Jahreszeit an, wann man das tut aber man kann im Herbst oder Frühling Schnee in Ifrane und Sanddünen bei Merzouga erleben. Dazwischen liegt die grandiose Berglandschaft des Mittleren-und Hohen Atlas. Man überfährt den Atlas nicht, man durchfährt ihn. Im Mittleren Atlas prägen Zedernwälder und Vulkanlandschaft den Weg. Nach Midelt erreicht man über den Kamelpass den Hohen Atlas und über die Ziz-Schlucht die Oasen des Tafilalet. Am Abend ist man dann bei Merzouga am Rand der Wüste gelandet.

Nach Ifrane kommen die Marokkaner wenn sie Winter erleben wollen
In Fes startet man bei 410 Höhenmeter, den ersten Kaffee in Ifrane trinkt man dann schon auf 1,650 Höhenmeter. Die kleine Stadt ist nur 65 Kilometer von Fes entfernt und trotzdem eine ganz andere Welt. 14.000 Einwohner leben permanent hier aber es ist eine beliebte Sommerfrische und auch Wintersportort für die marokkanische Mittel-und Oberschicht. Der Ort liegt im gleichnamigen Nationalpark. Dieser beherbergt zwei erloschene Vulkane, den Jbel Mischliffen und den Jbel Hebri. Im Jahr 1935 wurde in Ifrane mit −23,9 °C der absolute Kälterekord Marokkos (und ganz Afrikas) gemessen.
In der französischen Protektoratszeit wurden hier Satteldächer modern, in Kombination mit der Berglandschaft gibt das Ifrane ein europäisches Aussehen. Der König und andere reiche Marokkaner haben hier einen Zweitwohnsitz. 1995 hat man die Al Akhawayn Universität, eine öffentliche Elitehochschule, eröffnet. Das Geld kam vom marokkanischen und vom saudischen König. Unterrichtet wird hier in Englisch und das Curriculum folgt dem amerikanischen Vorbild. Zur Universität gehört auch die Al Akhawayn Moschee, die eine Minitaurausgabe der Moschee Hassan II. in Casablanca ist.

Von Ifrane nach Midelt
Ifrane war früher vermutlich nur eine Sommerweide für die Schaf- und Ziegenherden der halbnomadisch lebenden Berberbevölkerung. Es wurde dann aufgrund des Karawanenhandels eine dauerhafte Siedlung. Von Sijilmassa zogen damals die Kamelkarawanen via Midelt und Ifrane nach Fes. Von Ifrane fährt man zuerst durch Zedernwälder und erreicht dann das Vulkanplateau von Azrou. Kurz nach Bou Anguer verlässt man das Verwaltungsgebiet von Fes/Meknes und erreicht jenes von Draa/Tafilalet. Nach einer Fahrt durch eine karge Berglandschaft taucht schließlich Midelt auf.
Midelt hat etwa 63.000 Einwohner und ist die Provinzhauptstadt der Region Draa/Tafilalet. Der Ort liegt am Oued Outat, einem Nebenfluss des Moulouya auf einer 1.500 Meter hoch gelegenen, kargen Senke. Midelt ist zwischen den südlichen Ausläufern des Mittleren Atlas und den nördlichen des Hohen Atlas situiert. Von Fes ist es 200 Km entfernt. Manchmal kommen Bergsteiger in den Ort. In 20 Kilometer Entfernung liegen der 3.750 Meter hohe Jbel Ayachi und der 3.265 Meter hohe Jbel Masker. Das ehemalige Bergwerkstädtchen ist heute ein klassischer Stopp für Touristen. Mineraliensammler können hier fündig werden, Fossilien werden ebenfalls verkauft.

Das Tafilalet
Das Tafilalet ist eine Oasenkette in der marokkanischen Sahara. Der Ziz Fluss bewässert diese 1.380 Km² große Oasengruppe. Sie ist fruchtbar und daher gut besiedelt. Es gibt im Tafilalet 300 Dörfer mit etwa 150.000 Einwohner. Der Name „Tafilalet“ bedeutet in der Berbersprache „Land der Hilali“. So werden die Bewohner des Tafilalet genannt. Sie stammen von den Banu Hilal ab. Die Oasengruppe liegt im Osten der Region Draa/Tafilalet in den Ausläufern des Atlas Gebirges. Die größten Städte der Region sind Erfoud und Rissani. Die traditionelle Wirtschaftsform ist Oasenwirtschaft in Kombination mit Dattelpalmen.
Landwirtschaft funktioniert hier nur mit künstlicher Bewässerung und Wasser muss permanent in Bewegung gehalten werden. Das größte Problem ist die Bodenversalzung. In der Antike handelte man hier mit gegerbten Fellen, Straußenfedern, Sklaven, Salz und Goldstaub. Daneben entstanden Kleinhandwerk und Kleinhandel. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts kam der Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor hinzu – seitdem werden auch Güter produziert bzw. gehandelt wie Saffian (Ziegenleder), Seide und Teppiche sowie Fossilien. Außerdem hat man in dem Gebiet Dinosaurierspuren gefunden.

Die Geschichte des Tafilalet und der Tourismus
Im Zentrum des Tafilalet befindet sich die ehemalige Handels-und Universitätsstadt Sijilmassa. Sie lag auf der Karawanenroute Niger – Fes – Tanger. Heute ist hier nur noch eine Ruine zu sehen. Im 14.Jahrhundert besuchte Ibn Battuta den Ort und berichtete wie prächtig er war. Ab dem 17.Jahrhundert wurde das Tafilalet zu einem beliebten Exil. Die Alawiden Sultane schickten Witwen und bei Hof unbeliebte Personen hierher. Im Jahr 1828 besuchte der französische Afrikaforscher Rene Caillie als erster Europäer diese Region.
Erfoud hat sich zu einer wichtigen Hotelstadt und Drehscheibe für die aus dem Norden (Königsstädte) oder aus dem Westen (Straße der Kasbahs) kommenden Touristen entwickelt. Manche kommen wegen dem Erg Chebbi, den Sanddünen bei Merzouga, ins Tafilalet. Aber auch Rissani mit seinem Souq und der Grabmoschee von Moulay Ali Cherif, dem Gründer der Alawiden-Dynastie ist spannend.



Merzouga und der Erg Chebbi
Der Erg Chebbi liegt in der westlichen Sahara also im Osten Marokkos, kurz vor der Grenze zu Algerien. Die besten Ausgangspunkte für das Dünenerlebnis sind Erfoud und Merzouga, das näher an den Dünen liegt. Diese erreichen hier eine Höhe von 150 Metern. Der gesamte Erg hat eine Ausdehnung von 22 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und bis zu 5 Kilometer in Ost-West-Richtung. Man besucht die Dünen in den Morgen-oder Abendstunden, wenn man es gemütlich haben will mit Kamel. Wenn man im Erg is, kann man weder Erfoud noch Merzouga sehen. So hat man das Gefühl mitten in der endlosen Wüste zu sein.

