Essaouria bedeutet die „Eingeschlossene“, was sich wohl auf die Mauer der Stadt bezieht, die früher Mogador hieß. Diesen Namen haben die Portugiesen dem Ort gegeben, heute wird er nur noch für die vorgelagerte Insel verwendet. Die gesamte Medina ist seit 2001 UNESCO Weltkulturerbe. Essaouira ist eine, für marokkanische Verhältnisse, sehr offene Stadt. Das mag daran liegen, dass in den 1960er Jahren Hippies aus aller Welt hierherkamen. Angeblich soll Jimi Hendrix im Juli 1969 immerhin 11 Tage in Essaouira verbracht haben. So bekam das einstiege Mogador sein Image als Künstlerstadt und wurde zum Ziel für Aussteiger. Dabei war Hendrix im kleinen Dorf Diabat, nur wenige Kilometer östlich der Altstadt von Essaouira, zu Gast. Jedenfalls wurde er da fotografiert. Hier gibt es noch immer das legendäre Jimi Hendrix Café.



Essaouira im Laufe der Zeit
Ursprünglich war Essaouira eine phönizische Gründung des 8.Jahrhundert vor Christus und hieß damals Migdol. Die nächsten Herren der Stadt waren die Karthager, jedenfalls liest man das in den Geschichten über Hanno den Seefahrer. Man handelte damals mit Purpur, der aus der Purpurschnecke auf den vorgelagerten Inseln gewonnen wurde. Plinius der Ältere berichtet von der Purpurinsel. Purpur dürfte allerdings bereits zu phönizischer Zeit eine Rolle gespielt haben. Stadt und Insel Mogador sind ein Forschungsschwerpunkt des Deutschen Archäologischen Instituts in Madrid. Zusammen mit der Erforschung der spanischen und portugiesischen Westküste untersucht man das Gebiet rund um Essaouira auf Aktivitäten der Phönizier, die hier bereits den Handel mit Westafrika kontrollierten und auf den vorgelagerten Inseln Purpurschnecken züchteten.
Nach dem Untergang des Karthagischen Reiches übernahmen die Römer das Gebiet. Die westliche Küste Marokkos gehörte ab nun zu Mauretania Tingitana mit Provinzhauptstadt Volubilis. Nach den Römern eroberten im Jahr 429 die germanischen Vandalen das Gebiet. Ihre Präsenz war nicht von langer Dauer, schon im Jahr 533 eroberte der oströmische Feldherr Belisar das Gebiet und Essaouira fiel an das byzantinische Reich. Im 7,Jahrhundert endet die Antike und die Herrschaft der Berber beginnt.
Zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert kooperierten mehrere regionale Berberstämme mit den arabischen Umayyaden, die damals bereits den Süden Spaniens beherrschten. Im 11. Jahrhundert, der Zeit der Almoraviden, integrierte Yusuf ibn Taschfin, der Gründer von Marrakesch, Essaouira in sein Reich. Die Berber und Araber konnten das Gebiet bis zum 15.Jahrhundert halten, dann eroberten die Portugiesen im 15. und 16.Jahrhundert große Gebiete an der marokkanischen Atlantikküste. 1506 besetzten sie die vorgelagerte Insel und begannen umgehend mit dem Bau der heute noch sichtbaren Befestigungen und der Hafenanlagen.

Den Namen der Festung, Mogador, sollen die Portugiesen aus Respekt für den als Schutzpatron der Stadt verehrten islamischen Heiligen Sidi Mogdul gewählt haben. Mogdul war allerdings kein Marokkaner, er soll nach der Legende ein Schotte namens Mac Donald gewesen sein, den es nach Essaouira verschlug und der bereits zu Lebzeiten zu einem Marabout, einem heiligen Mann, wurde. Bereits im Jahr 1510 gaben die Portugiesen den exponierten Stützpunkt wieder auf und räumten die Festung. Während des 16. Jahrhunderts versuchten verschiedene Mächte wie Spanien, England, die Niederlande und Frankreich Essaouira zu erobern, allerdings ohne Erfolg.
Im 17.Jahrhundert wird Essaouira muslimisch. Ab 1628 setzte Sultan Mulai Abdelmalek aus der Dynastie der Saadier den Ausbau der Festungsanlagen fort. Im Jahr 1765 begann der Alawiden-Sultan Sidi Mohamed Ben Abdallah mit dem Ausbau Essaouiras zum damals größten Seehafen Marokkos. Gebaut hat die Medina ein Franzose, der französische Gefangene Théodore Cornut wurde mit der Planung der Festung und Teilen der Stadt beauftragt.
Im 18. und 19. Jahrhundert baute Essaouira seine wichtige Position als Knotenpunkt im Karawanenhandel weiter aus und gelangte zu erheblichem Wohlstand. Ab 1837 ließen sich die Brüder Joseph, Abraham und Jacob Afriat aus Ifrane in der Stadt nieder. Als Kaufleute des Sultans führten sie den Titel Tajir al-Sultan. Diese jüdische Familie handelte Tee nach London und importierte blaue Indigo-Stoffe aus Manchester nach Südmarokko. Die Mehrheit der Juden war allerdings nicht reich. Im Hungerjahr 1877 lebten in der Mellah etwa 12.000 Menschen in großer Armut. Die Juden machten zu Beginn des 20.Jahrhunderts 48% der Stadtbevölkerung aus. Allerdings lebten die Marokkaner zu dieser Zeit nicht gerne in Städten, etwa 80 % der muslimischen Bevölkerung war damals am Land zuhause.
Nach der französischen Besetzung Timbuktus 1893 verlor die Stadt im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung, da ihre wichtigsten Handelsverbindungen unterbrochen wurden. Mit der Unabhängigkeit im Jahr 1957 wurde der Name Essaouira endgültig angenommen.

Was gibt es hier zu sehen?
Essaouiria ist schön und hat Flair, daher war es immer wieder Flimkulisse. Für Orson Welles war es 1952 der Drehort für seinen Othello und für Ridley Scott war die Stadt 2004 das mittelalterliche Jerusalem im Königreich der Himmel. 2013 entdeckte dann das Team von Game of Thrones Essaouira und selbst John Wick alias Keanu Reeves war hier für Filmaufnahmen. Seit 1998 findet in Essaouira jedes Jahr im Juni das Gnawa Festival statt. Die Gnawa sind eine ethische Minderheit in Marokko. Sie sind Nachkommen westafrikanischer Sklaven, vermutlich aus der Gegend um Ghana. Ihre Musik ähnelt jener der Sufis.
Die weiß gekalkten Fassaden, die engen Gassen, die Medina als Ganzes ist sehenswert. Sie ist nicht besonders alt, denn sie stammt aus dem 18.Jahrhundert. An der Scala de la Kasbah findet man noch verrostete Kanonen und im Fischereihafen werden Holzschiffe gebaut und Netze geflickt. Es gibt zwei Stadttore, das Hafentor wird oft fotografiert. Das Museum Sidi Mohamed Ben Abdallah beinhaltet eine Sammlung von Waffen, Münzen, Kleidung, Musikinstrumenten, Schmuck und Kunsthandwerk. Man macht hier schöne Arbeiten aus „Thuya-Holz“ vom Sandarakbaum. Der im 11. Jahrhundert hier lebende Heilige, Sidi Mogdoul, wird in einem Mausoleum verehrt. In der katholischen Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption findet ein Sonntagsgottesdienst statt.

