Fes

Home » Fes

Fes ist die älteste und wohl auch traditionellste Königstadt Marokkos. Auch der Souk gilt als einer der schönsten des Landes. Die Altstadt ist ein Musterbeispiel einer orientalischen Stadt und ist UNESCO Weltkulturerbe. Angeblich ist Fes auch die weltweit größte mittelalterliche Altstadt. Die Farbe der Stadt ist Blau. Fes besteht heute aus drei Stadtteilen, die jeweils einer Epoche der Stadtgeschichte zugeordnet werden können: Der Altstadt (Medina), der mittelalterlichen Neustadt und dem französischen Ville Nouvelle. Die im Jahr 859 gestiftete Qarawiyin Universität ist, nach der Ez-Zitouna in Tunis, eine der ältesten islamischen Bildungseinrichtungen die kontinuierlich genutzt wurden.

Einer der vielen Brunnen im Souk von Fes

Die Altstadt (Fes el Bali) ist autofrei, von Mopeds abgesehen, transportieren hier Esel und Maultiere oder Ziehwagen die Lasten. In Fes el Bali sind auf 250 Hektar etwa 156.000 Menschen zu Hause. Gemessen an der Einwohnerzahl und Größe ist Fes el Bali das größte autofreie Gebiet der Welt. Die Altstadt von Fes wurde 789 gegründet, das macht sie zu einer der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt. Wenn man durch ihre (angeblich) 9.000 Gassen geht, marschiert man durch über 1.200 Jahre Stadtgeschichte. Merinidische Koranschulen, ein Gerberviertel, das seit dem 11. Jahrhundert mit denselben Methoden arbeitet, und die zweitälteste ununterbrochen betriebene Universität der Welt.

Der Souk von Fes – bunt und traditionell

Fes el-Bali – die Altstadt

Fes el Bali wurde zwischen 789 und 808 n. Chr. als Hauptstadt der Idrisiden gegründet. Die Idrisiden Dynastie war eine arabisch-muslimische Dynastie, die von 788 bis 974 den Großteil Marokkos und Teile Westalgeriens beherrschte. Sie ist benannt nach Idris I. der aus der Aliden-Dynastie und damit über Mohammeds Enkel Hasan direkt vom Propheten abstammt. Die Idrisiden waren bedeutend für die frühe Islamisierung Marokkos und für die arabische Einwanderung in den Maghreb. Ursprünglich bestand Fes el-Bali aus zwei getrennten Städten, die jeweils auf einer Seite des Fes-Flusses lagen.

Im 11. bis 12.Jahrhundert eroberten die Almoraviden Fes. Der Hauptstadtstatus ging später verloren aber auch als Marrakech Hauptstadt wurde, blieb Fes die Stadt der Händler und Gelehrten. Im 13.Jahrhundert errichtete die Meriniden Dynastie Fes Jdid als neue Verwaltungshauptstadt neben Fes el-Bali. Heute bilden beide Städte die Altstadt von Fes die UNESCO Weltkulturerbe ist.

Teppiche aus ganz Marokko werden in Fes gehandelt

Die Geschichte von Fes el-Bali

Als Idris ibn-Abdallah seine Hauptstadt 789 gründete, wählte er das rechte Ufer des Fes-Flusses dafür. Viele der ersten Bewohner waren Muslime aus Cordoba, die aufgrund eines Aufstandes geflohen waren. 809 gründete sein Sohn, Idris II. eine neue Residenz, diesmal am gegenüberliegenden Flussufer. Obwohl die beiden Städte nur durch einen kleinen Fluss getrennt waren entwickelten sie sich unterschiedlich. Erst die Almoraviden vereinten sie im 11.Jahrhundert.

Wieder waren es Flüchtlinge die, diese nun geeinte Stadt besiedelten. Diesmal kamen sie aus Kairouan (Tunesien). Fatima al-Fihri, war eine dieser Flüchtlinge. Sie soll im Jahr 859 die Universität al-Karaouine (Qarawiyin) gegründet haben. Sowohl die UNESCO als auch das Guinessbuch der Rekorde betrachtet diese Moschee als die älteste durchgehend betriebene Universität der Welt. Ihre Schwester soll damals, am gegenüberliegenden Flussufer, ebenfalls eine Univeristät begründet haben, die Al-Andalusiyin Moschee aber die war nicht durchgehend in Verwendung.

Universität al-Karaouine (Qarawiyin) in Fes

Unter den Almoraviden wurde die Hauptstadt nach Marrakech verlegt. In der Zeit der Almohaden-Dynastie (12.-13.Jahrhundert) war Fes eine florierende Handelsstadt und gehörte mit 200.000 Einwohnern zu den größten Städten der damaligen Welt. Nach der Niederlage der Almohaden in Marokko verlegten die Meriniden 1276 die Hauptstadt zurück nach Fes. Das war die größte Blütezeit der Stadt. Sie errichteten außerhalb der bestehenden Stadtmauer eine neue Stadt. Sie nannten sie Madinat al-Bayda, die weiße Stadt. Das ist Fes el Jdid, das „neue“ Fes. Die Meriniden bauten die ersten echten Medersen (Koranschulen) in Marokko (Bou Inania, El-Attarin, Sahrij).

Die Saadier Dynastie (16./17.Jahrhundert) verlegte ihre Hauptstadt wieder nach Marrakech. Fes hatte für sie wenig Bedeutung. Die Saadier waren eine arabische Sharif-Dynastie, also Nachkommen von Hasan, dem Enkel des Propheten. Auch wenn sie auf Marrakech fokussiert waren, errichteten sie einige Festungen und Bastionen rund um Fes. Allerdings eher zur Kontrolle der Bewohner der Stadt. Dazu gehört die Kasbah Tamdert direkt innerhalb der Stadtnauer, nahe dem Bab Fthou und die Festung Borj Nord und Borj Sud sowie Borj Sheikh Ahmed.

Mit der Alaouiten Dynastie und ihrem Gründer, Moulay Rashid wurde Fes wieder besser behandelt. 1666 eroberte er Fes. Er errichtete die Kasbah Cherada (Kasbah al-Khemis) nordwestlich von Fes el-Jdid als Quartier für seine Stammesleute und Truppen. Er baute die Kasbah an-Nouar auf und machte sie zum Wohnquartier seiner Anhänger aus der Tafilalt-Region (Stammsitz der Alaouiten-Dynastie). Sein Nachfolger, Moulay Ismail verlegte die Hauptstadt erneut, diesmal nach Meknes. Allerdings vernachlässigte er Fes nicht.

Während der Thronfolgestreitigkeiten zwischen den Söhnen von Moulay Ismail ging des Fes nicht gut, erst 1757 mit dem Thronantritt von Moulay Mohammed Ibn Abdallah wurde es besser. Gebaut wurde nicht viel Neues. Erst unter Moulay Hasan I. wurde Fes el-Jdid mit Fes el-Bali durch den Bau eines ummauerten Korridors verbunden. Innerhalb dieses Korridors wurden Gärten und Sommerpaläste gebaut. (Batha Palast, Jnan-Sbil-Garten). 1912 begann mit dem Vertrag von Fes die französische Protektoratszeit und die Hauptstadt wurde nach Rabat verlegt. In Fes wurde, wie in anderen marokkanischen Städten auch, eine Ville Nouvelle gebaut, die Medina blieb weitgehend unberührt.

Diese französische Stadtplanungspolitik bewahrte die Medina vor Umbau oder Zerstörung aber sie führte auch dazu, dass nicht saniert wurde. Wohlhabende und bürgerliche Marokkaner übersiedelten in die Ville Nouvelle. Die Altstadt wurde von, meist armen, Landmigranten besiedelt, denen das Geld für Erhaltung oder Verbesserung fehlte. Erst der Tourismus rettete quasi „das Alte“ Für den Tourismus erhält und saniert nun der Staat Fes el-Bali und die Medina. 

Was kann man in Fes sehen?

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die merinidische Bou Inania Medersa, erbaut von 1350-1355. Der Innenhof verfügt über großartige Keramikarbeiten, Stuckpaneele, Zedernholzgitter und Kufi-Schriftbändern. Vom Dach hat man zudem einen guten Blick. Die Chouara-Gerberei ist sehenswert und geruchsintensiv. Die Gerberei ist seit dem 11. Jahrhundert ununterbrochen in Betrieb. Von den oberen Terrassen der umliegenden Lederwaren-Geschäfte blickt man auf runde Steintröge in vielen Farben. Farb- und Gerbstoffe in Ocker, Rot, Grün und tiefen Braun von der Walnuss füllen die Becken. Noch immer waten Männer bis zur Hüfte in den Becken und stampfen die Häute mit den Füßen. Der Geruch kommt von den Gerbstoffen, die aus Taubenmist und Branntkalk bestehen.

Die Al-Attarine Medersa liegt neben der Kairaouine Moschee und stammt aus dem 14.Jahrhundert. Ihr Name verweist auf ihren Standort im Gewürzmarkt. Sie liegt direkt neben den Parfumsouk, wo Rosenwasser verkauft wird. Ihre Schnitzarbeiten sind noch etwas feiner als jene der Bou Inania. Die Kairaouine-Moschee und Universität darf zwar nicht betreten werden aber man kann durch ein Tor einen Blick hineinwerfen. Sie ist groß – 16 Schiffe, 270 Säulen und ein Innenhof mit Brunnen. Schön ist auch das Nejjarine-Museum für Holzkunst. Es befindet sich in einem schön restaurierten Funduq (Kerwanserei) in der Nähe des Tischlerviertels. Vom Dach hat man einen guten Ausblick auf die Medina.

Ein kleiner Exkurs zur Chouara-Gerberei

Die Ursprünge der Gerbereien von Fes liegen im Dunkeln. Vielleicht gibt es sie schon seit der Gründung der Stadt im 9.Jahrhundert. Der Bedarf war sicher da denn hier wurde das Leder für Stiefel, Sandalen, Gurte, Sättel usw. hergestellt. Auch für Rüstungen war Leder unverzichtbar. Die marokkanischen Gerbereien sind bereits seit dem Mittelalter berühmt. Man exportierte damals Leder bis Bagdad. Während in Europa die meisten Gerbereien in der beginnenden Neuzeit aus den Städten verbannt und im 20. Jahrhundert in Länder der Dritten Welt verlagert wurde blieben in Nordafrika einige Betriebe erhalten, so wie in Fes, in Marrakech und auch in Tetuan.

Zur Gerberei gehören nicht nur die weißen und farbigen Becken im Zentrum der Anlage. Die Felle werden über Wochen in Kalklauge eingeweicht. In den Erdgeschossbereichen der angrenzenden Häuser werden die Felle von Ziegen und Schafen dann enthaart und gewalkt. Die farbigen Becken dienen ausschließlich der Färbung des Leders.

Nach oben scrollen