Islamische Architektur in Fes

Home » Islamische Architektur in Fes

Islamische Architektur ist aufgrund der schnellen Expansion des Islam ein Übergang zwischen den Kulturen als selektiver Prozess der Aneignung und Umformung. Die Umayyaden spielten eine wichtige Rolle bei dieser Umformung und Bereicherung der Architektur. Sassanidische und römisch/byzantinische Kunst und Baukunst sind die wesentlichen Einflüsse der frühen islamischen Architektur. Die Umayyaden verlieren das Kalifat in Damaskus, die Abbasiden verlagern es nach Bagdad. Die Umayyaden gehen zuerst nach Nordafrika und dann auf die Iberische Halbinsel und gründen dort Al-Andalus. Die Islamische Architektur Marokkos ist daher primär von den Umayyaden geprägt.

Marokkanischer Zellij (Kachelintarsien) einer der Grundpfeiler der architektonischen Identität Marokkos

Die Islamische Architektur in Fes ist deswegen interessant, weil sie fast alle Entwicklungsformen der marokkanischen Architektur widerspiegelt. Von der Gründung der Stadt im späten 8. Jahrhundert bis in die moderne Zeit. Die Altstadt (Medina) von Fes, bestehend aus Fes el-Bali und Fes el-Jdid, ist eine der am besten erhaltenen und ältesten Städte des Landes. Viele historischer Denkmäler aus verschiedenen Epochen existiert hier noch heute: Moscheen, Koranschulen, Synagogen, Hammams (Badehäuser), Souqs (Märkte), Funduqs (Karawanserei), Verteidigungsmauern und Stadttore sowie historische Häuser und Paläste.

Talaa Kebira – die große Straße

Der Souq und die Talaa Kebira

Der Souq mit der Talaa Kebira, der längste Straße im Markt, an der sich viele Sehenswürdigkeiten auffädeln, ist ein perfektes Beispiel für die Struktur eines Marktes und für die Anlage einer frühen islamischen Stadt. Die Haupt-Souk-Straßen von Fes verlaufen von den Haupttoren der Stadt bis zum Bereich der Hauptmoschee. Die Souk-Straßen selbst bilden die wichtigsten Handelsachsen und beherbergen die meisten ihrer Funduqs (Hotel für Kaufleute) Daher mussten Händler und ausländische Besucher diese Gebiete selten verlassen, und die meisten Straßen, die von ihnen abzweigen, führten nur zu lokalen Wohnstraßen die meist in Sackgassen endeten. Das ist bis heute so geblieben, Touristen findet man immer auf den Hauptrouten des Souk.

Im Souq von Fes

Die alte Moschee – die Universität al-Qarawiyyin

Moscheen gehören zu den bedeutendsten architektonischen Bauwerken Islamischer Architektur. Der Zweck einer Moschee ist vielschichtig, da sie als Ort für Gottesdienst und Gebet dient, gleichzeitig aber traditionell auch als Zentrum für Bildung und Lernen genutzt wurde. Eine Moschee ist daher immer ein unverzichtbarer Bestandteil der Medina, da sie die Gemeinschaft vernetzt. Zu den ältesten Moscheen von Fes, die heute noch stehen, gehören die al-Qarawiyyin (857), die Moschee der Andalusier (860), die Moschee Bou Jeloud aus dem späten 12. Jahrhundert und möglicherweise die Moschee der Kasbah en-Nouar (die in der Almohadenzeit existierte, aber viel später wieder neu aufgebaut wurde)

Der Hof der al-Qarawiyyin Moschee mit Pavillon aus der Saadier Zeit

Die ältesten Moscheen der Stadt, waren die Moschee der Sharifs, die Shurafa-Moschee und die Moschee der Scheichs, die al-Anouar-Moschee. Sie existieren aber nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form. Die Moschee der Sharifs war die Grabstätte von Idris II. und entwickelte sich zur Zawiya von Moulay Idris II, die heute noch existiert. Von der al-Anouar-Moschee sind nur wenige Reste geblieben. Die Qarawiyyin-Moschee wurde zunächst primär als Gebetsort gegründet aber auch Unterricht fand statt. Sie entwickelte sich so zu einem Ort zur Wissensvermittlung für Recht und Theologie, dann auch weiteren Fächern. Später wurde sie zu einer bedeutenden Bildungseinrichtung mit wissenschaftlichem Ansehen und ist seit 1963 eine staatliche Universität Marokkos.

In der Qarawiyyin-Moschee ist, aufgrund ihrer 1200jährigen Existenz, die Entwicklung der Islamischen Architektur in Fes abzulesen. Aufeinanderfolgende Dynastien erweiterten die Moschee, bis sie mit einer Kapazität von 22.000 Gläubigen die größte Afrikas wurde. Die heutige Moschee erstreckt sich über eine Fläche von 5.000 m². Im Großen und Ganzen besteht sie aus einem großen Innenraum, der Gebetshalle, deren Dach von vielen Säulen getragen wird, einem Innenhof mit Brunnen (Sahn) und einem Minarett.

Der Mihrab (Gebetsnische) mit Muqarnas und geschnitzten Stuckpanelen

Als Fes größer und die Moschee bedeutender wurde begann man im 10.Jahrhundert mit Ausbauarbeiten. Damals kämpften das umayyadische Kalifat von Cordoba mit dem fatimidischen Kalifat um die Kontrolle über Fes. Die Stadt war der Puffer zwischen den beiden Rivalen. Aufgrund dieser Konkurrenz erhielt die Moschee Förderungen von Cordoba. Ahmed ibn-Said vom Stamm der Zenata, damals Herrscher von Fes, war mit den Umayyaden verbündet. Er schrieb an Abd ar-Rahman III., damals Kalif von Cordoba, mit der Bitte um Geld und Handwerker. Er bekam beides. 956 wurde die Mosche vergrößert. Außerdem wurde das alte Minarett durch ein neues, größeres ersetzt, das heute noch steht. Seine Form mit einem quadratischen Schaft war das Vorbild für die späteren maghrebinischen und andalusischen Minarette.

Eine der bedeutendsten Erweiterungen und Renovierungen wurde zwischen 1134 und 1143 von den Almoraviden durchgeführt. Ali ibn-Yusuf ließ die Gebetshalle erweitern. Die Südwand wurde abgebrochen und drei weitere Querschiffe eingefügt. Damit hatte die Moschee nun 10 Querschiffe. Die Form der Bögen wurde beibehalten. In der neuen Südwand wurde ein prächtiger Mihrab eingebaut. Ein weiteres interessantes Element, das damals der Moschee hinzugefügt wurde, war ein kleines Oratorium, bekannt als Jama‘ al-Gnaiz („Bestattungsmoschee“) hier wurden ab nun die Totenrituale durchgeführt.

Das Minarett der Qarawiyyin-Moschee links im Bild

Die Moschee in der Islamischen Architektur

Zu Beginn des Islam im 7. Jahrhundert musste in der Frühzeit der Islamischen Architektur für die Anbetung einer nicht darstellbaren Gottheit eine architektonische Form gefunden werden. Die ersten Hofmoscheen orientierten sich daher in Funktion und Form am Wohnhaus des Propheten in Medina. Eine Mauer, ein großer Hof und die Kibla-Wand zur Orientierung für das Gebet. Im 8. Jahrhunderts aufgrund des Kalifats entstand der Bedarf ein eigenes repräsentatives Bauwerk für die wachsende Glaubensgemeinschaft zu errichten. In dieser Zeit verbindet sich die Urform mit antiken Vorbildern zur Hallenmoschee mit großen Hof (Sahn).

Der Bautyp der offenen Säulenhalle (Hypostyl) mit quer dazu gestelltem Empfangsraum ist die römische Weiterentwicklung der griechischen Agora in einen von Kolonnaden eingefassten Platz mit Basilika. (vgl. Trajansforum). Schatten, Akustik und Fläche zur Dekoration sind die Vorteile dieser Architektur. Die Umayyaden, die mit der Moschee von Damaskus, einen Prototyp für eine repräsentative Moschee gebaut haben, deren Architektur sich auch in der Mezqita von Cordoba wiederfindet, haben die islamische Architektur des Maghreb nachhaltig beeinflusst.

Die Kairouan Moschee in Tunesien

Die Kairouaine gilt als die älteste Moschee des Maghreb. Sie ist benannt nach Uqba ibn-Nafi. Original erhalten ist sie nicht, heute sieht man nur noch den Wiederaufbau der Aghlabiden ab 836 inklusive der Erweiterungen der späteren Zeiten. Die Qarawiyyin-Moschee ist von Flüchtlingen aus Tunesien begründet worden, Man kann daher davon ausgehen, dass ihre Architektur nach dem Vorbild von Kairouan geschaffen wurde. Sie ist ebenfalls über den Lauf der Zeit den jeweiligen Anforderungen angepasst und umgebaut worden. Das ist bei sakralen Gebäuden (auch bei Kirchen) nichts Ungewöhnliches.

Minarett und Monumentalität der Abu Dulaf Moschee in Samarra war lange Vorbild islamischer Architektur

Koranschulen in der islamischen Architektur

Fes hatte seine Blütezeit unter den Meriniden und in dieser Epoche waren Koranschulen in der islamischen Architektur bereits en vouge. Der Ursprung der Madrasa liegt im 11.Jahrhundert. Die Seldschuken sollen die ersten in Mesopotamien, im Iran und Chorasan gebaut haben. In Fes haben die Meriniden die ersten formalen Medersen ab dem 13.Jahrhundert errichtet. Sie sind bekannt für ihre aufwendigen Dekorationen aus Holz und Stuck. Sie waren auch die ersten, die Mosaikkachelarbeiten, Zellij, in komplexen geometrischen Mustern anwendeten.  

Die Madrasas von Fes, wie die Bou Inania, die al-Attarine und die as-Sahrij aber auch die Medersen von Sale und die Bou Inania von Meknes sind wichtige Werke der islamischen Architektur. Der architektonische Stil unter den Mereniden orientierte sich stark am Stil der Nasriden von Granada. Die Dekorationen der Alhambra waren Vorbild für die lokale islamische Architektur in Fes. 1492 erobern die Reyes Catholicos Granada. Damit endet das letzte muslimische Reich in al-Andalus und viele Muslime (Mauren) fliehen nach Marokko. Das verstärkte den Einfluss von andalusischer Kunst und Kultur in Marokko für einige Generationen.

Bou Inania Fes

Zellij ist aus der islamischen Architektur in Marokko nicht wegzudenken

Die Ursprünge dieser Technik reichen bis in das 10.Jahrhundert zurück, die marokkanische Form ist ein Ergebnis der kulturellen Einflüsse von Al-Andalus und Nordafrika.. In der islamischen Kunst sind figürliche Darstellungen rar. Man weicht daher auf Geometrie, Symmetrie und Abstraktion aus. Zellij erreicht in der islamischen Architektur Marokkos seinen Höhepunkt in der Merinidenzeit. Man findet es in Moscheen, Koranschulen, Palästen und Brunnen. Zwischen 13.und 15.Jahrhundert entwickelte sich Zellij von einer einfachen monochromen Ziegeltechnik zu reich gemusterten, vielfarbigen Kompositionen mit Sternen, Polygonen, Arabesken, kufischen Inschriften und filigranen Rändern.

Zellij-Arbeiten werden bis heute in Marokko traditionell aus Ton hergestellt. Dieser wird geknetet, geformt, getrocknet und gebrannt. Nach dem ersten Brennen werden die Fließen handglasiert. Die traditionellen Farbtöne sind Kobaltblau (Schutz und Spiritualität), Smaragdgrün (Paradies und Harmonie), Saffrangelb (Licht und Reichtum), Rot (Stärke und Tradition), Weiß (Reinheit und Gleichgewicht) und Schwarz (Erdung und Kontrast).

Die Künstler nennt man Maalem. Sie reinigen den Ton, kneten ihn und formen ihn zu quadratischen Fliesen. Diese werden zuerst luftgetrocknet und dann im traditionellen Kilin gebrannt. Die Farben der Glasur besteht aus mineralischen Farben und werden mit Hand aufgetragen. Dann brennt man die Kachel erneut bei hoher Temperatur. Dann kommt der Prozess des Taqtii (Schneidens). Sobald die glasierten Kacheln abgekühlt sind verwendet der Naqqash (Fliesenschneider) einen Menqach (scharfer Hammer) um die Kachel in Furmah (geometrische Stücke) zu schneiden.

Die einzelnen geometrischen Stücke legt man händisch in eine dichte Gipsmischung. Nach dem Trocknen werden Zellij-Platten angehoben und mit starkem Mörtel an Wänden, Brunnen, Böden oder architektonischen Elementen angebracht. Das Ergebnis ist ein einheitliches Mosaik, das Jahrhunderte halten kann.

Mereniden-Madrasa in Sale

Nach oben scrollen