Die Millionenstadt liegt auf 450 Metern Höhe auf einer fruchtbaren Ebene nördlich des Hohen Atlas und ist mit Meknes, Fes und Rabat eine der vier Königstädte Marokkos. Marrakech wird von drei Flüssen umrahmt, den Tensift, den Oued Rheraya und den Oued Issyl. Gegründet wurde die Stadt zur Zeit der Almoraviden im 11.Jahrhundert. Aber viele Dynastien haben sich hier architektonisch verewigt. Das Wahrzeichen der Stadt, die Koutoubia Moschee bauten die Almohaden, die Mereniden errichteten die Medersa Ben Youssef und die Saadier haben in Marrakech eine großartige Grabanlage gebaut. Den Name Marrakech verwendete man lange synonym für ganz Marokko.

Marrakech die Perle des Atlas
Ein arabischer Dichter hat Marrakech als „die über den Atlas geworfene Perle des Südens“ bezeichnet, daraus wurde in der Tourismuswerbung „die Perle des Atlas“. „Mraksch“ bedeutet so viel wie Stadt aber Marrakech war nicht nur Stadt, sie war DIE Stadt der Städte und so hat man ihren Namen für das ganze Land verwendet. Marokko leitet sich von Mraksch ab. Sie liegt mitten in der fruchtbaren Haouz-Ebene, begrenzt von einem Palmenhain im Norden und vor der Silhouette des Hohen Atlas im Süden. Manche sagen, sie sei die schönste Stadt Marokkos. Sie ist eine relativ kosmopolitische Stadt, denn viele Ausländer, vor allem Franzosen, leben permanent in der Marrakech.

Der Majorelle Garten
Der 4.000 Quadratmeter große Garten ist ein gutes Beispiel für die Präsenz der Franzosen in Marrakech. Er gilt als einer der Schönsten Gärten der Welt und mit 850.000 Besuchern ist er die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Marokkos. 1919 ließ sich der französische Maler Jacques Majorelle in Marrakech nieder und legte diesen Garten an. Die Gebäude sind im sogenannten Majorelle-Blau gestrichen. Fast 300 Arten von Pflanzen aus allen fünf Kontinenten werden hier automatisch bewässert. Ab 1947 war der Garten öffentlich zugänglich.
1980 kauften Yves Saint Laurent und sein Lebensgefährte und Geschäftspartner Pierre Berge den Garten. 1997 gründete Berge den Majorelle Trust, der sich ab nun um den Garten kümmerte. Hier holte sich Yves Saint Laurent seine Inspirationen und als er sich 2002 aus der Modebranche zurückzog wurde die Villa und der Majorelle Garten sein Refugium. Nach seinem Tod 2008 wurde seine Asche hier im Rosengarten verstreut. In der Villa ist heute ein islamisches Kunstmuseum mit einer von Yves Saint Laurent aufgebauten Sammlung nordafrikanischer Textilien und Bilder von Majorelle.

Die Koutoubia Moschee der Almohaden
Diese Moschee ist für Marrakech das, was der Eifelturm für Paris ist oder die Stephanskirche für Wien. Das 65 Meter hohe Minarett beherrscht die ganze Stadt und ist damit ein perfekter Orientierungspunkt. Der Name bedeutet soviel wie „die Mosche der Buchhändler“ weil sich dort im 16.Jahrhundert ein Markt für Bücher befand. Sie ist nicht die erste Moschee der Stadt, der almoravidische Stadtgründer, Yusuf Ben Tachfin errichtete in der alten Steinburg (Ksar el Hajjar) bereits eine Mosche. Die Almohaden zerstörten diese und bauten die Koutoubia.
1157 war die erste Koutoubia fertig aber man hatte sich bei der Qibla-Wand verrechnet, die Ausrichtung nach Mekka war nicht korrekt. Ergo errichtete man eine zweite Koutoubia in nur einem Jahr Bauzeit. Viele Handwerker und Künstler aus Andalusien haben an dem Bau mitgewirkt. Das Minarett ist eines der schönsten Bauwerke des maurischen Stils. Die Moschee ist groß, sie hat Platz für 25.000 Gläubige bei einer Abmessung von 90×60 Metern. Das Minarett ist angeblich von jenem Baumeister der auch das Kasbah Minarett von Marrakech, das Minarett in Tin Mal, den Hassan Turm von Rabat und die Giralda von Sevilla geschaffen hat. Das Minarett der Koutoubia war der Prototyp für alle anderen.

Die Koranschule der Meriniden – die Medersa Ben Youssef
Diese ehemalige Koranschule ist eines der schönsten Gebäude von Marrakech. Sie wurde ursprünglich im 14.Jahrhundert auf Befehl von Abou el-Hassan in der Merinidenzeit errichtet aber ihre heutige Form bekam sie durch einen Neubau des Saaditen-Sultan Moulay Abdallah el Ghalib im 16.Jahrhundert. Er machte sie zur größten und bedeutendsten Medersa des Maghreb. Ihr ursprünglicher Stil blieb aber trotz Umbau erhalten. Daher ist sie den merinidischen Medersen in Fes sehr ähnlich. Um die 900 Studenten wurden hier unterrichtet.
Erst 1960 hat man den Unterricht eingestellt. 1999 und 2018 wurde der Bau grundlegend saniert. Man betritt ihn durch einen langgestreckten Durchgang und erreicht dann eine Maschrabiyya Doppeltür, eigentlich ein Sichtschutz, mit geometrischen Ornamenten und einem bogenförmigen Aufsatz mit gezackten Zinnen. Dahinter liegt der Innenhof der Koranschule mit einem großen Brunnenbecken. Es diente zur Kühlung aber auch für die kleine Waschung (wudu) vor dem Besuch der angeschlossenen Moschee. Die Spiegelung ist wunderschön.

Im unteren Teil hat man mit Zelij gearbeitet, die Pfeiler und Wände sind mit Kachelmosaiken dekoriert. Es regnet in Marrakech nicht viel aber wenn Regen kommt, dann heftig. Das Mauerwerk war so vor Spritzwasser geschützt. Im mittleren Teil arbeitete man mit Stuckornamenten und im oberen Teil mit Holzschnitzarbeiten. Der schönste Teil der Medersa ist der Gebetssaal mit der Qibla Wand und einem Hufeisenbogen mit Alfiz-Einfassung, also einem rechteckigen, reich geschmückten Rahmen um den Bogen.
Der maurische Stil manifestiert sich in den Arabesken und in den kalligraphischen Schriftbändern sowie in den Sebkas (Rautenmotiv) und den fein gearbeiteten Stuckgitter. Die Decke ist eine oktogonale Artesonado Decke also eine im andalusischen Stil gestaltete, reich verzierte Holzdecke, hier mit Sternmotiv. Im oberen Stockwerk befinden sich die kleinen (schmucklosen) Schlafkammern der Studenten. Sie haben hier nur geschlafen und gegessen. Der Unterricht fand in den Seitengängen des Innenhofs statt.

Die Gräber der Saadier
Die Grabanlage befinden sich im ehemaligen Garten der Kasbah Moschee. Die Saadier waren nicht die ersten, die sich hier bestatten ließen. Schon vor ihnen wurden auf diesem Gelände mehrere Emire der Region und auch der 1351 gestorbene Meriniden-Sultan Abou el- Hassan beerdigt. Aber erst mit den Saaditen wurde die Anlage zur großen königlichen Nekropole. Bereits der erste Saadite, Mohammed ech Cheikh wurde nach seiner Ermordung 1557 hier bestattet. Sein Sohn Moulay Abdallah ließ die Koubba für ihn errichten. Später wurde auch er hier beigesetzt.
In den beiden Mausoleen sind insgesamt sieben Sultane und 62 Mitglieder ihrer Familien beigesetzt. Im ummauerten Gartenareal der Nekropole sind weitere 100 Gräber von Familienangehörigen zu finden. Die heutigen Mausoleen und die Mauern wurden im späten 16.Jahrhundert unter Ahmad al-Mansur errichtet und dann 200 Jahre lang verwendet. Der Alawiden Sultan Moulay Ismail wollte das Andenken an die Saadier-Dynastie auslöschen. Daher zog er eine hohe Mauer um die Nekropole. Erst 1917 entdeckte man die Anlage eher zufällig wieder.

Die Architektur der Saadier Gräber
Es gibt zwei Mausoleen, ein großes und ein kleines. Ersteres gliedert sich in drei Säle. Im linken Saal befindet sich das Grab von Mouley el-Yazid (18.Jahrhundert) Das Grab liegt, erkennbar am Mihrab, in einem ehemaligen Gebetsraum. Der mittlere Raum, der Saal der zwölf Säulen ist das quadratische prunkvolle Zentrum der Anlage. Eine Zedernholzkuppel wird an ihren vier Ecken von je drei Säulen aus Carrara Marmor getragen. Hier ist unter anderen der Saadier-Sultan Ahmad al-Mansur begraben. Rechts liegt schließlich der kleinere „Saal der drei Nischen“, der ähnlich prächtig verziert ist wie der Hauptsaal. In ihm befinden sich die Gräber von Kindern der Saaditen-Herrscher.
Das kleinere Mausoleum liegt mittig auf dem Gelände. Hier befindet sich in einem kleinen Gebetsraum das Grab von Lalla Masuda. Sie war die Ehefrau des Saadier-Sultan Mohammed al-Shaykh und die Mutter von Sultan Ahmad al-Mansur. Lala Masuda kommt aus dem Süden, ihr Vater war Abu al-Abaas Ahmed bin Abdallah al-Wizkiti al-Warzazi, der Scheich der Kasbah von Quarzazate. Er garantierte den Saaditen die Kontrolle über die Sous-Draa-Region. Lalla Masuda soll vielen Menschen geholfen haben und wird daher als „Waliya“, als Heilige verehrt.

Der Bahia Palast
Der Palast ist nicht alt, er wurde gegen Ende des 19.Jahrhunderts von Si Moussa, (dem Großwesir von Sultan Sidi Mohammed Ben abd-er Rahman), und seinem Sohn Bou Ahmed errichtet. Die Bauzeit betrug etwa sieben Jahre. Die Architektur ist eine Mischung aus marokkanischen und andalusischen Stilelementen. Die Architekten waren der Marokkaner El Haj Mohammed Ben Mekhi el Mifioui und der Franzose Erckmann. Sie haben den Palast im andalusisch-maurischen Stil geplant und eingerichtet. Auf einem 8 Hektar großen Gelände entstand dieser riesige Jahrhundertwende-Bau.
Der Bahia-Palast ist ein weitläufiger Stadtpalast aus dem 19. Jahrhundert im Süden der Altstadt von Marrakesch. Er war nie ein Königspalast im engeren Sinne, sondern die private Residenz eines der mächtigsten Männer des Landes – des Großwesirs am Hof des Sultans. Die Anlage erstreckt sich über mehrere Tausend Quadratmeter und umfasst über 150 Räume, zahlreiche Innenhöfe, einen großen Marmorhof und üppig bepflanzte Riad-Gärten. Anders als die zentralen Plätze der Stadt liegt der Palast etwas abseits des größten Trubels.

Die Souqs von Marrakech
Sie sind das größte überdachte Marktlabyrinth in Marokko. Es ist ein Gewirr aus Gassen aber traditionell strikt nach Handwerk geordnet. Historisch ist jeder Souq einem Gewerbe zugeordnet – diese traditionelle Ordnung der Handwerkszünfte ist bis heute sichtbar. Die zentrale Achse ist der Souq Semmarine, eine teils mit Glas überdachte Hauptachse, von der viele Seitengassen abzweigen. Im Zentrum liegt die überdachte Kissaria, der Markt für Stoffe und feinere Waren. Rund um die Souqs befinden sich noch immer historische Fondouks (Karawansereien), in denen früher die Händler mit ihren Waren und Tieren übernachteten. Heute sind da meist Werkstätten oder auch Galerien untergebracht.

Die Anlage eines Souq
Ein Souq ist traditionell die Domäne des Einzelhandels und des Handwerks. Die Faustregel war: Was stinkt und Schmutz macht ist am Rand des überdachten Marktes. Zusätzlich ist der Souq aber auch ein Platz wo früher Finanz-und Kreditwesen untergebracht war und wo es Moscheen als auch Bäder gab. Die Geschäfte sind nach Waren geordnet, das bedeutet zum Beispiel der Textileinzelhandel ist in den Gassen und die Stofflager in den angrenzenden Warenhäusern und die Schneider sind in nächster Nähe. Aus Sicherheitsgründen sind Juweliere, Gold-und Silberschmiede oder Seidenhändler meist in Zentrum.
Neben den Läden, wo nur verkauft wird, gibt es viele, vor denen man zusehen kann, wie die Gegenstände erzeugt werden. So ist man von Anfang an dabei, und das stimmt den Betrachter heiter. Denn zur Verödung unseres modernen Lebens gehört es, dass wir alles fix und fertig ins Haus und zum Gebrauch bekommen, wie aus hässlichen Zauberapparaten Elias Canetti „Die Stimmen von Marrakesch“



