Meknes

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Meknes ist mit etwa einer halben Million Einwohner nicht klein aber im Vergleich zu Rabat oder Fes wirkt es ruhiger und provinzieller. Es ist eine der vier Königstädte Marokkos und hat ebenfalls den Status UNESCO Weltkulturerbe. Die Stadt ist eng verbunden mit Moulay Ismael aus der Alaouiten-Dynastie, er hat Meknes groß gemacht. In der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts regiert er die Stadt als Gouverneur, später wurde er Sultan Marokkos. Er hielt sich 55 Jahre auf dem Thron, was ein Rekord ist. Sein Harem soll über 500 Frauen beherbergt haben, mit denen er mehr als 800 leibliche Kinder zeugte, auch das ist ein Rekord. Die Place el-Hedim wird gerne mit dem großen Platz von Marrakech, der Djemaa el Fna verglichen. Der Hauptplatz von Meknes ist aber viel ruhiger und authentischer.

Meknes Place El-Hedim

Meknes im Laufe der Zeit

Die Geschichte von Meknes beginnt allerdings nicht erst mit Moulay Ismael. Schon im 10.Jahrhundert gründeten die Meknassa, ein Stamm, der zu den Zenata-Berbern gehört, Meknes. Ihre Kasbah wurde von Sultan Abd el Moumen zerstört. Er war der Gründer der Almohaden-Dynastie und der erste Kalif des Almohadenreichs (1133). Er baute eine neue Stadt mit quadratischen Grundriss auf. Diese ging in den Auseinandersetzungen zwischen Almohaden und Meriniden kaputt. 1276 wurde Meknes neu besiedelt und bekam eine wunderschöne Koranschule, die Bou Inania von Meknes.

Unter Moulay Ismael, dem zweiten Alaouitensultan (1672 bis 1727) hatte Meknes seine größte Blütezeit. Er machte Meknes zur Hauptstadt und ließ einen monumentalen Palastbezirk errichten. Die Ville Imperiale ist riesig, 30.000 Sklaven, darunter 10.000 christliche Kriegsgefangene sollen daran gebaut haben. Seine Residenz bestand aus mehreren Palästen, Gärten und riesigen Wasserbecken. Daneben gab es noch Kasernen für seine Garde, Getreidespeicher und Ställe. Alleine die Palastmauer war 40 Kilometer lang. Der Bau musste schnell gehen, daher wurde viel Material (Spolien) von Volubilis in seinem Anwesen verbaut. Es finden sich aber auch Teile abgerissener merinidischer Bauten aus Meknes und Baumaterial von zerstörten Gebäuden der Saadier aus Marrakech (zB. El-Badi Palast).

Getreidespeicher der Ville Imperiale

Moulay Ismael war vermutlich kein netter Mensch aber sehr erfolgreich in der Sicherung seines Reiches. Er hatte eine 150.000 Mann starke Armee die er auf 76 Festungen im ganzen Land verteilt hatte. Jeder Berber-Aufstand wurde niedergeschlagen. Als er sein Reich im Inneren „befriedet“ hatte, ging er gegen äußere Feinde vor. Er vertrieb die Briten aus Tanger und die Spanier aus Larache. Die Türken (Osmanen), die von Algerien aus Marokko erobern wollten, erlitten ebenfalls eine Niederlage. Nach seinem Tod verlor Marokko wieder Macht und Einfluss. Seine Armee und sein riesiger Hof konnten von seinen Nachfolgern nicht zusammengehalten werden. Moulay Abdallah und Sidi Mohammed konzentrierten sich wieder auf Fes und Marrakech.

Bab Mansour

Die Ville Imperiale, Place el Hedim und das Bab Mansur

Viel ist von der Ville Imperiale nicht erhalten oder zugänglich. Der Dar el Makhzen wird noch genutzt und ist daher für Besucher gesperrt, die Mauern sind imposant aber der Rest liegt in Ruinen. Diese sind allerdings durchaus eindrucksvoll. Die Ville Imperiale erreicht man über die Place el-Hedim indem man durch das Bab al Mansur oder auch eines der anderen monumentalen Tore geht. Der Name des Platzes bedeutet soviel wie „Platz der Zerstörung“. Hier ließ Moulay Ismael nämlich den Bauschutt der Medina aufschütten, die er abriss um Platz für seine Residenz zu schaffen. Heute ist es ein netter Platz mit Cafes, einer Markthalle und einigen kleineren Hotels.

Das Bab el Mansur liegt an der Südostseite des Platzes. Es ist das größte und wichtigste Tor von Meknes. Dieses Tor war der Haupteingang in die Ville Imperiale von Moulay Ismael. Es wurde unter ihm begonnen aber erst von seinem Nachfolger, Moulay Abdallah 1732 fertiggestellt. Nach seinem Architekten, einem christlichen Renegaten, wurde es „Mansour al Aleuj“ (Mansur der Abtrünnige) genannt. Vor dem Tor wurden früher die öffentlichen Gerichtsverhandlungen abgehalten und auch die Köpfe der Hingerichteten zur Schau gestellt. Rechts daneben ist das kleinere aber feinere Bab Jemaa en Nouar aus der gleichen Zeit.

Place el Hedim

Das Mausoleum, das Gefängnis der Christen und der Pavillon der Botschafter

Gegenüber dem Bab el Mansur schließt sich hinter dem Bab Filala ein weiterer, kleinerer Platz an. In der Gartenanlage gibt es einen hübschen Pavillon, der Qoubbet as Soufara, der Pavillon der Botschafter. Hier wurden ursprünglich ausländische Gesandte empfangen, später wurde es allerdings eine Schneiderei die auf Militäruniformen spezialisiert war. Rechts neben dem Pavillon befindet sich das Prison des Chreitiens, das Gefängnis der Christen. Die unterirdischen Gewölbe des „Verlieses“ existieren noch immer. Vermutlich waren es real allerdings Speicherräumlichkeiten, die Anzahl der gefangenen Christen wird gerne übertrieben.

Am südöstlichen Ende des Platzes befindet sich das Dreifachtor Bab Moulay Ismael, das zum Mausoleum führt. Das Mausoleum von Moulay Ismael ist ein großer Komplex, bestehend aus zwei Vorhöfen, einer Moschee und dem Grab selbst. Im Gegensatz zu anderen Moscheen kann man diese betreten. Von ihr hat man einen Blick auf das Mausoleum, das für Nichtmuslime tabu ist. Die Standuhren im Mausoleum sind übrigens Geschenke von Ludwig XIV., vermutlich als Kompensation, weil er Moulay Ismael die Hand der Prinzessin Conti verweigerte. Das reich dekorierte Innere des Mausoleum stammt allerdings erst aus der Zeit von Mohammed V.

Portal zum Mausoleum von Moulay Ismael

Der Heri es Souani

Der ehemalige Getreidespeicher ist aufgrund seiner Dimensionen beeindruckend. Die Mauern sind zwischen zwei und drei Meter dick. Nur so konnten gleichmäßige kühle Temperaturen erreicht werden. Licht und Luft kam früher nur über kleine Öffnungen an der Decke. Wasser wurde aus 40 Meter Tiefe mit Hilfe von Norias hochgehoben. Die noch stehenden 23 Schiffe tragen heute kein Gewölbe mehr, denn das ist 1755, beim Erdbeben von Lissabon, eingestürzt. Was noch steht sind die mächtigen Pfeiler und die sie verbindenden Querbögen. Im vorderen Teil sind die Gewölbe noch da und auch eine Terrasse mit Cafe.

Der Heri al Mansour

Der Heri al Mansour war einmal der Pferdestall. Ähnlich wie der Getreidespeicher ist auch er monumental. Das Gebäude ist beeindruckende 8.000m² groß. Im Untergeschoss waren weitere Getreidespeicher für die Fütterung der Pferde. Man schätzt, dass etwa 12.000 Pferde und Maultiere hier beherbergt wurden. Im Obergeschoss befanden sich Wohnräume und ein Palast. Westlich vom Heri liegt das 4 Hektar große Wasserbecken „Basin de l’Aguedal“ das der Bewässerung der Gartenanlagen diente.

Bou Inania von Meknes

Die Medina und die Bou Inania

An der Nordseite der Place el Hedim liegt, neben dem Museum Dar Jamal, der Eingang in den Souk. Über den Färbersouk (Souq des Sebbhagin) erreicht man die Hauptachse des Marktviertels in der Medina. Hier findet sich wenig von Moulay Ismael aber dafür etwas von den Meriniden. Am Ende der Rue Souq es Sebbat befindet sich die merinidische Koranschule Bou Inania.

Die Medersa stammt aus der Zeit der beiden Meriniden-Sultane Abou el Hassan (1331-1350) und Abou Inan (1351-1358): Sie ist der gleichnamigen Koranschule in Fes ziemlich ähnlich. Rund um den Innenhof mit Marmorbrunnen befinden sich an drei Seiten Galerien, gegenüber dem Eingang liegt der Gebetssaal. Über den Galerien findet man die kleinen, zellenähnlichen Studentenzimmer. Vom Dach hat man einen guten Ausblich über die Medina.

Bou Inania Meknes

Wissenswertes zu Meknes

Meknes liegt strategisch im Herzen Marokkos. Im Süden und Südosten liegen die Zedernwälder und Berge des Mittleren Atlas mit den Städten Ifrane und Azrou. Weiter südlich befinden sich die reichen Oasen des Tafilalt. Im Westen liegen die größten Städte des Landes – Casablanca und Rabat. Im Norden befindet sich das Rif-Gebirge mit Tanger und Tetouan. Oujda und Fes liegen schließlich östlich von Meknes. Die Stadt gilt auch als die Hauptstadt der Landwirtschaft in Marokko. Die Saiss-Ebene ist eine der fruchtbarsten und reichsten Ebenen Marokkos, und Meknes ist das Zentrum davon.

Bab El-Khemis

Ewas außerhalb liegt die Zawiya von Sidi Mohammed Ben Aissa, dem „Scheich al-Kamel“. Es ist ein wichtiges Mausoleum aus dem späten 18.Jahrhundert. Mohammed ben Aissa ist der Gründer der Aissawiya, einer Sufi Bruderschaft. Er gilt als Schutzpatron von Meknes. Mohammed ben Aissa war ein enfernter Nachkomme von Idris I. und stammte vom Stamm der Awlad Abi Sebaa ab. Er wurde früh Waise. Sein Vater und seine Brüder kämpften gegen die Portugiesen. Er war jung, als er in den Sufi-Orden von Mohammed al-Jazuli eingeweiht wurde. Er starb 1526 in Meknes. 

Zawiya von Sidi Mohammed Ben Aissa

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