Volubilis ist ein alter Platz, der bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war, das belegt ein prähistorischer Grabhügel im Zentrum der Anlage. Was man heute sieht, geht auf die römische Zeit zurück, die punische Epoche ist, von wenigen Resten abgesehen, ausgelöscht. Die Punier (Phönizier, Karthager) waren im römischen Verständnis die semitischen Phönizier Nordafrikas. Volubilis wurde von Juba II. gegründet. Er wurde 25 vor Christus von Augustus auf den Mauretanischen Thron gesetzt. Er war in Rom erzogen und mit Kleopatra Selene II., der Tochter von Marcus Antonius und Kleopatra, verheiratet. Juba und sein Sohn Ptolemaios waren romanisierte Berberkönige. Ihre Vorliebe für römische Kunst und Architektur spiegelte sich deutlich in den Ruinen von Volubilis wider.

Mauretania Tingitana
Caligula ließ Jubas Sohn ermorden und so kam es im Jahr 40 zu einem Aufstand. Als Ergebnis wurde Volubilis zur Hauptstadt der neuen römischen Provinz Mauretania Tingitana. Sein Nachfolger Claudius teilte es im Jahr 42 in die Provinzen Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis. Tingitana dehnte sich im heutigen Nordwestmarokko aus. Die Straße von Gibraltar war Teil davon. Volubilis wurde Hauptstadt der neu gegründeten Provinz. Das erklärt den großzügigen Ausbau der Stadt. Zwar wurde später die Hauptstadt nach Tingis (Tanger) verlegt aber Volubilis blieb eine reiche Stadt.
Die Verlagerung der Hauptstadt von Volubilis nach Tingis fand um die Mitte des 3. Jahrhunderts statt. Der Grund war der Überfall von Berberstämmen. Die Auraba-Berber waren erfolgreich und eroberten die Stadt. Sie machten sie unter dem Namen Qualili zu ihrem Hauptort. Im 5.Jahrhundert kamen die Vandalen aber auch da wurde Volubilis nicht aufgegeben. Latein blieb bis zur arabischen Eroberung im 7.Jahrhundert in Gebrauch. Idris I., der gerne als „Gründer Marokkos“ bezeichnet wird, wählte Volubilis, das nun Walila hieß, als Residenz.

Der römische Ausbau von Volubilis
Mark Aurel ersetzte 169 die späthellenistische Stadtbefestigung durch eine 2,4 Kilometer lange römische Mauer mit acht Toren und ließ ein neues Viertel im Nordosten errichten. Die alte Handelsstraße von Tanger nach Südwesten wurde nun zur Hauptachse der Stadt (Decumanus) und war 400 Meter lang und 12 Meter breit. Die Provinz Maureatania Tingitana war reich aufgrund der Produktion von Getreide und Oliven. Die hier lebenden Großgrundbesitzer waren reich. Eine weitere gute Einnahmequelle war der Export von Wildtieren (Elefanten, Löwen, usw.) für die Arenen des römischen Reiches.
Volubilis hatte seine Blütezeit mit etwa 20.000 Einwohnern unter den Kaisern Septimus Severus (193 bis 211) und Caracalla (211 bis 217). Letzterer garantierte mit der Constitutio Antoniniana (212) allen freien männlichen Bewohnern des Reiches das Römische Bürgerrecht. In seiner Zeit wurde in Volubilis viel gebaut. Die Hauptachse wurde mit Kolonnaden und Läden ausgestattet und neue Wohnhäuser wurden errichtet. Die umliegende Region war ebenfalls gut besiedelt, wie etwa 50 Villen belegen. Pomponius Mela schreibt über Volubilis „es sei eine der reichsten Städte, wenn auch die reichste unter den kleinen“.

Volubilis verschwindet von der Bildfläche
Die letzte Erwähnung von Volubilis stammt aus der Zeit des Chronisten Al Bakri (1068). Ob die Stadt später noch besiedelt war ist fraglich. im 17./18.Jahrhundert wurde es von Moulai Ismael als Steinbruch verwendet. Sehr viel Marmor wurde als Spoilien in seiner neuen Stadt, Meknes, verbaut. 1755 zerstörte das Erdbeben von Lissabon was in Volubilis noch stand. Erst 1874 wurden die Ruinen als das römische Volubilis identifiziert. 1915 begannen die französischen Ausgrabungen. Die hier gefundenen Bronzestatuen sind heute eine der Hauptattraktionen des Archäologischen Museum von Rabat. 1997 wurde Volubilis als erste vorislamische Kulturstätte in Marokko von der UNESCO als Welterbe anerkannt.



Die Lage von Volubilis
Die Ruinen liegen auf einem flachen Hang unterhalb des Zerhoun Berges und sitzen auf einem Grat oberhalb des Khoumane Tals. Von hier überblickt man eine sanfte, fruchtbare Schwemmebene nördlich von Meknes. Allerdings war in der Antike die Lage der Stadt unsicher. Sie lag am südöstlichen Rand der Provinz und war von mächtigen Berberstämmen bedroht. Daher wurde ein Ring von fünf Festungen errichtet. Diese sind heute kleine Dörfer. Aïn Schkor, Bled el Gaada, Sidi Moussa, Sidi Said und Bled Takourart. Sidi Said war die Basis der Kohorte IV Gallorum equitata, einer Hilfskavallerieeinheit aus Gallien, während Aïn Schkor hispanische und belgische Kohorten beherbergte. Sidi Moussa war der Standort einer Kohorte von Parthern, und gallische und syrische Kavallerie war in Takourart stationiert.

Die Inschrift am Bogen des Caracalla
Dem Kaiser Caesar Marcus Aurelius Antoninus Pius, dem glücklichen Augustus, größter Sieger über die Parther, größter Sieger über die Britannier, größter Sieger über Germanen, oberster Priester, mit der Macht des Tribun zum 20. Mal, Kaiser zum 4. Mal, Konsul zum 4. Mal, Vater des Vaterlandes, Prokonsul, und Julia Augusta, fromme und glückliche Mutter des Augustus, hat das Heer, der Senat und die Republik der Menschen von Volubilis aufgrund seiner außergewöhnlichen Freigiebigkeit gegenüber allen und neuen über alle früheren Herrscher hinaus einen Bogen mit allen Schmuck gewidmet. Marcus Aurelius Sebastenus, treuester Verwalter des Augustus, sorgte dafür, dass er von Grund auf errichtet wurde einschließlich eines von sechs Pferden gezogenen Wagens und aller Schmuckstücke, mit Marcus Aurelius Sebastenus, dem Prokurator, der der Gottheit des Augustus zutiefst ergeben ist, initiierte und weihte.

Die Ruinen von Volubilis
Die Anlage der Stadt und ihre Entwicklung
In vorrömischer Zeit war Volubilis nur 12 Hektar groß und war auf einer Nord-Süd-Achse in karthagischen Grundriss errichtet. Eine erste Mauer bestand bereits. Die Römer erweiterten die Stadt auf einer Nordost-Südwest-Achse auf 42 Hektar. Die meisten öffentlichen Gebäude wurden im älteren Teil der Stadt errichtet. Die repräsentativen Häuser befinden sich allerdings im neueren Teil, hinter dem Decumanus Maximus, der ebenfalls auf römische Zeit zurückgeht. Er war gepflastert, Gehwege auf beiden Seiten, und beidseitig mit arkadenförmigen Portiken gesäumt, hinter denen sich Geschäfte befanden.
Der Bogen von Caracalla markiert den Punkt, an dem die alte und neue Stadt ineinander übergehen. Die Stadt wurde durch ein Aquädukt mit Wasser versorgt, das von einer Quelle in den Hügeln hinter der Stadt gespeist wurde. Es könnte um 60–80 n. Chr. errichtet und anschließend mehrfach umgebaut worden sein. Ein ausgeklügeltes Netz von Kanälen versorgte Häuser und öffentliche Bäder mit Wasser und eine Reihe von Abflüssen leitete Abwasser und Abfälle zum Fluss. Die Wasserleitung verlief unter dem Decumanus Secundus, einer Straße, die parallel zum Decumanus Maximus verlief, und endete an einem großen Brunnen im Stadtzentrum nahe dem Bogen von Caracalla.



Die römische Mauer
Der Großteil der vorrömischen Stadtmauer wurde überbaut. Allerdings ist noch ein 77 Meter langer Abschnitt der ursprünglichen Mauer aus Lehmziegeln auf Steinfundament in der Nähe des Hügels erhalten. Die römischen Stadtmauern erstreckten sich über 2,6 Kilometer, sie waren 1,6 Meter dick. Errichtet hat man sie mit Bruchstein und Quadern. Die Mauer hatte 34 Türme, die im Abstand von etwa 50 Meter errichtet waren. Es gab außerdem sechs Haupttore, die ebenfalls von Türmen flankiert wurden. Ein Teil der Ostmauer wurde auf eine Höhe von 1,5 Metern rekonstruiert. Das ebenfalls rekonstruierte Tingis-Tor markiert den nordöstlichen Eingang zu Volubilis.
Das Tingis-Tor wurde 169 erbaut – das Datum kennt man aufgrund der Entdeckung einer Münze mit Jahreszahl die in der Mauer eingelassen wurde. Eine frühmittelalterliche Mauer steht westlich des Caracalla Bogens. Sie wurde nach dem Ende der römischen Besatzung errichtet, irgendwann im 5. oder 6. Jahrhundert, um die östliche Seite des neuen Wohngebiets der Stadt zu schützen. Dieses war in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet und aus Steinen errichtet, der aus Ruinen anderer Gebäude in den verlassenen Stadtteilen geplündert wurde.

Die Olivenölpressen
Olivenöl war ein wichtiges Handelsgut und es wurde auch gerne verwendet, daher gab es viele Ölmühlen. 58 wurde bisher entdeckt und es gibt eine rekonstruierte Ölpresse. Olivenöl war zentral für das Leben in Volubilis. Es war nicht nur ein Lebensmittel, sondern es wurde auch für Lampen, in Bädern und als Medizin verwendet. Die Pressreste verfütterte man an die Tiere oder sie wurden getrocknet und als Brennmaterial für die Thermen verwendet. Daher gab es nicht nur große kommerzielle Ölmühlen sondern auch viele kleine private in Häusern
Eine typische Ölmühle sah folgendermaßen aus: Es gab Mühlsteine aus Stein zum Zerkleinern der Oliven, eine Presse zum Ausquetschen und ein Auffangbecken. Die Oliven wurden in der Steinmühle zu einer Paste zerquetscht und dann legte man diese Paste in geflochtene Körbe. Durch Druck wurde das Öl aus der Paste gepresst und lief anschließend in das Auffangbecken. Im Becken war immer frisches Wasser so, dass das leichtere Öl aufschwimmen konnte. Dieses schöpfte man anschließend ab und füllte es in Amphoren.

Die sehenswerten Gebäude von Volubilis
Nur die etwa die Hälfte von Volubilis ist ausgegraben, trotzdem ist viel zu sehen. Einiges ist rekonstruiert (Basilika, Triumphbogen) Einige Privathäuser der urbanen Elite wurden freigelegt und die feinen Mosaiken sind sichtbar. Die Gebäude bestanden größtenteils aus lokal abgebautem graublauem Kalkstein. Von der ursprünglichen punischen Siedlung ist nur sehr wenig erhalten, da sie unter den späteren römischen Bauten liegt. Ein großer Tumulus befindet sich etwa in der Mitte des ausgegrabenen Bereichs, zwischen dem alten und dem neuen Teil der Stadt. Dazu gibt es verschiedene Theorien aber ob es sich tatsächlich um einen Grabhügel handelt, das weiß man nicht.
Im Stadtzentrum sind zwei große öffentliche Gebäude gut sichtbar – die Basilika und der Kapitol-Tempel. Die Basilika, das Gerichtsgebäude das auch für die Stadtverwaltung genutzt wurde stammt aus dem frühen 3. Jahrhundert. Das Vorbild dieses Baus steht in Leptis Magna (Libyen). Die Basilika ist 42,2 Meter lang und 22,3 m breit und hatte ursprünglich zwei Stockwerke. Davor lag das 1.300 m² große Forum. Von den Statuen des Forums existieren heute nur noch die Sockel.

Hinter der Basilika steht der Kapitol-Tempel in einem Innenhof. Ein Altar steht im Hof vor 13 Stufen, die zum korinthischen Säulentempel führen, der eine einzige Cella hatte. Das Gebäude war für das bürgerliche Leben von großer Bedeutung, da es den drei wichtigsten Gottheiten des römischen Staates gewidmet war: Jupiter, Juno und Minerva. Vor dem Tempel wurden Bürgerversammlungen abgehalten, um die Hilfe der Götter zu erbitten oder ihnen für Erfolge zu danken. Der Tempel ist mehrfach restauriert und rekonstruiert. Innerhalb des Tempelgeländes gab es vier weitere kleine Schreine, von denen einer der Venus gewidmet war.
Es gab fünf weitere Tempel in der Stadt, von denen der bemerkenswerteste der sogenannte „Saturn-Tempel“ ist, der auf der Ostseite von Vobulis stand. Er scheint auf einem früheren punischen Baal-Tempel erbaut worden zu sein. Es handelt sich um ein Heiligtum mit einer umgebenden Mauer und einem dreiseitigen Portikus. Im Inneren befand sich ein kleiner Tempel mit einer Cella, die auf einem flachen Podium errichtet war. Die traditionelle Identifikation des Tempels mit Saturn ist rein hypothetisch und konnte bisher nicht belegt werden.

Volubilis hatte viele Thermen – öffentliche und private
Volubilis verfügte außerdem über mindestens drei Gruppen öffentlicher Thermen. Einige Mosaike sind noch in den Bädern des Gallienus zu sehen, die in den 260er Jahren von diesem Kaiser umgestaltet wurden. Die nahegelegenen Nordbäder waren die größten der Stadt und umfassten eine Fläche von etwa 1.500 m². Sie wurden möglicherweise zur Zeit Hadrians erbaut. Neben den öffentlichen Bädern gibt es einige private Thermen in verschiedenen Häusern. Das Haus Venus zum Beispiel verfügte über eine Reihe privater Bäder.

Die Häuser wurden meist nach ihren Mosaiken benannt
Die Häuser variieren vom reich dekorierten Herrenhaus bis zu einfachen Lehmziegelgebäuden, die von den ärmeren Einwohnern der Stadt genutzt wurden. Der Reichtum der Stadt zeigt sich im aufwendigen Design der Häuser der Wohlhabenden, von denen einige noch große Mosaike aufweisen. Diese Villen wurden von Archäologen nach ihren wichtigsten Mosaiken (oder anderen Funden) benannt:

Das Haus des Orpheus im südlichen Teil der Stadt verdankt seinen Namen dem großen Orpheus-Mosaik, das den Gott zeigt wie er vor einem Publikum aus Bäumen, Tieren und Vögeln Harfe spielt. Das Mosaik ist allerdings recht ungeschickt ausgeführt, da die Tiere alle unterschiedlich groß sind und in unterschiedliche Richtungen schauen, Vermutlich hat der Künstler nach Vorlage gearbeitet. Das Mosaik befindet sich im Triklinium, dem Speisesaal. Ein weiteres ist im Atrium zu sehen. Amphitrite in einem von einem Seepferdchen gezogenen Wagen.
Das Haus des Athleten (Desultors), das sich in der Nähe des Forums befindet, enthält ein humorvolles Mosaik eines Athleten oder Akrobaten, der verkehrt auf einem Esel sitzt.und dabei einen Becher in der ausgestreckten Hand hält. Es könnte möglicherweise Silenus darstellen. Die repräsentativsten Häuser der Stadt befanden sich neben dem Decumanus Maximus, hinter den Geschäften, die die Straße unter Arkaden säumten. Sie wurden von Seitenstraßen zwischen den Geschäften betreten.

Das Haus der Ephebe wurde nach einer dort gefundenen Bronzestatue benannt. Es besitzt einen markanten Innenhof, der zu mehreren mit Mosaiken geschmückten öffentlichen Räumen führt, darunter eine Darstellung von Bacchus in einem von Leoparden gezogenen Wagen. Das Haus des Ritters nebenan besitzt ebenfalls ein Mosaik von Bacchus, der hier auf die schlafende Ariadne trifft, die ihm später sechs Kinder gebar. Das Haus verdankt seinen Namen einer Bronzestatue eines Reiters, die hier 1918 gefunden wurde und heute im archäologischen Museum in Rabat ausgestellt ist. Es handelte sich um ein großes Gebäude mit einer Fläche von etwa 1.700 m² und umfasste, neben den Privaträumen neun Geschäfte zur Straße hinaus, sowie ein großer Olivenpressanlage.
Das Haus der Arbeiten des Herkules ist nach dem Mosaik benannt, das die zwölf Aufgaben darstellt, die der Halbgott als Buße für den Tod seiner Frau und Kinder erfüllen musste. Man nimmt an, dass sie während der Herrschaft des Kaisers Commodus entstanden ist, der sich mit Herkules identifizierte. Jupiter, sein Geliebter Ganymed und die vier Jahreszeiten werden in einem weiteren Mosaik im Haus dargestellt. Das Haus war palastähnlich groß, mit 41 Zimmern und einer Fläche von 2.000 m².

Das Haus des Gordius befindet sich weiter oben am Decumanus Maximus. Es war das größte Gebäude der Stadt und vermutlich die Residenz des Gouverneurs (nicht des Kaisers Gordian III.). Es wurde während der Herrschaft Gordians Mitte des 3. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Es vereinte zwei separate Häuser zu einem Komplex von 74 Zimmern mit Innenhöfen und privaten Thermen. Es hatte eine Kolonnadenfront mit einem Dutzend Geschäfte dahinter. Es gab außerdem Ölfmühle mit drei Ölpressen und einem Öllager in der nordöstlichen Ecke des Komplexes. Die Dekoration ist heute recht schlicht, mit nur wenigen spärlichen Mosaiken. Die Böden scheinen größtenteils mit opus sectile verputzt worden zu sein.
Inschriften, die im Haus des Gordius gefunden wurden, zeugen vom Niedergang und dem späteren Fall der Stadt. Sie verzeichnen eine Reihe von Verträgen mit den lokalen Berberhäuptlingen. Diese belegen, dass die Berber Volubilis immer mehr unter Druck setzten. Nur wenige Jahre vor dem Fall der Stadt, wurden die Häuptlinge als faktische Gleichgestellte Roms behandelt – ein Hinweis darauf, wie stark die römische Macht in der Region geschwunden war. Zwei Altäre aus den Jahren 277 und 280 tragen die Inschrift „foederata et diuturna pax“, eine vergebliche Hoffnung, denn Volubilis fiel kurz danach.

Das Haus Venus, auf der Ostseite der Stadt unter einer markanten Zypresse, war eine der luxuriösesten Residenzen der Stadt. Es verfügte über eine Reihe privater Bäder und ein reich dekoriertes Inneres mit feinen Mosaiken aus dem 2. Jahrhundert, die Tier- und mythologische Szenen zeigen. Es gab Mosaike in sieben Korridoren und acht Räumen. Der zentrale Innenhof besitzt ein fantasievolles Mosaik, das Rennwagen in einem Hippodrom zeigt, gezogen von Pfauen, Gänsen und Enten. Das Mosaik der Venus, nach dem das Haus benannt ist, wurde nach Tanger verlegt.
In einem angrenzenden Raum befindet sich allerdings noch ein erhaltenes Mosaik, das Diana und eine Begleitnymphe zeigt, wie sie beim Baden von Actaeon überrascht werden. Actaeon wird mit Hörnern dargestellt, die aus seinem Kopf zu sprießen beginnen, während er von der wütenden Göttin in einen Hirsch verwandelt wird, bevor ihn seine eigenen Jagdhunde verfolgen und töten. Das Haus scheint einige Zeit nach dem Fall der Stadt um 280 zerstört worden zu sein; ein Mosaik, das Amor zeigt, wie er Vögel mit Getreide füttern, wurde durch ein offenbares Feuer direkt darauf verkohlt, möglicherweise weil das Gebäude von Hausbesetzern übernommen wurde, die das Mosaik als Standort für einen Herd nutzten.

Im selben Gebäude wurde 1918 auch eine Bronzebüste von herausragender Qualität gefunden, die Cato den Jüngeren darstellt. Es ist heute im Archäologischen Museum in Rabat ausgestellt. Es stand noch auf seinem ursprünglichen Sockel, als es von Archäologen gefunden wurde. Die Büste wird auf die Zeit von Nero oder Vespasian datiert und könnte eine Kopie einer Büste sein, die zu Catos Lebzeiten oder kurz danach geschaffen wurde. Eine weitere herausragende Büste, die einen hellenistischen Prinzen zeigt, wurde in einer Bäckerei gegenüber entdeckt. Sie scheint zur gleichen Zeit wie die Cato-Büste entstanden zu sein und könnte gut aus dem Haus der Venus stammen, wo ein leerer Sockel in einem anderen Raum darauf hindeutet, dass der Cato ein Begleitstück hatte. Diese Büste wird üblicherweise als Juba II. identifiziert.

