Die Weihrauchstraße von Südarabien zum Mittelmeer ist eine der ältesten Handelsrouten der Welt. Über diesen Weg wurde das Harz der Boswellia Sacra aus seinem Ursprungsgebiet, dem Dhofar im heutigen Oman über den Jemen, Saudi Arabien und Jordanien zum Mittelmeerhafen Gaza und von dort nach Damaskus transportiert. Der Weihrauch, das heilige Räucherwerk, ist das luftgetrocknete Gummiharz, das von verschiedenen Boswellia-Arten gewonnen wird. Im Wadi Dawka im Oman gibt es eine ausgedehnte Plantage von Boswellia Sacra, den berühmten Weihrauchbäumen, die seit Jahrhunderten angebaut werden. Diese Bäume produzieren noch heute den omanischen Weihrauch, der eine entscheidende Rolle auf den antiken Handelsrouten zwischen Arabien, Afrika und Asien spielte.

Weihrauch gibt es nicht nur im Oman. Es gibt über 20 Boswellia Arten und sie wachsen in ariden Gebieten. Viele Arten kommen um das Horn von Afrika vor (Somalia, Äthiopien, Eritrea, Sudan), natürlich in Arabien (Dhofar im Süden des Oman, Hadramaut im Jemen) aber auch auf der Insel Sokotra vor, die zum Jemen gehört, wo es mit 11 Boswellias die größte Artenvielfalt gibt. Sogar in Indien gibt es Boswellia Arten, zum Beispiel die Boswellia ovalifoliolata wächst im Bundesstaat Andhra Pradesh. Wenn man aber über die antike Weihrauchstraße spricht, dann ist die im Dhofar und Hadramaut vorkommenden Boswellia Sacra gemeint.

Der Name „Arabia Felix“, glückliches Arabien bezieht sich auf diese Handelsstraße, die mit der Domestizierung des Dromedars ab Mitte des 2.Jahrtausend vor Christus möglich wurde. Gehandelt wurde zwar primär mit Weihrauch aber auch Gewürze und Edelsteine aus Indien und Südostasien waren eine begehrte Ware. Bei Petra teilt sich die Weihrauchstraße in einen nördlichen Zweig (Endpunkt Gaza) und einen östlichen Zweig (Endpunkt Damaskus). Antike Autoren haben uns überliefert, dass eine Kamelkarawane 100 Tage brauchte um die 3.400 Kilometer lange Strecke zwischen Dhofar und Gaza zurückzulegen.
Wann genau der Handel begann wissen wir nicht, man schätzt, dass die Weihraustraße ab dem 10.Jahrhundert vor Christus erstmals genutzt wurde. Ihre Blütezeit dürfte mit der Entstehung der südarabischen Reiche (Saba, Qataban, Hadramaut und Ma’in) im 8.Jahrhundert vor Christus zusammenfallen. Die Nachfrage nach Weihrauch stieg stetig an. Im 5.Jahrhundert vor Christus waren alle am Weihrauchhandel Beteiligten reich geworden. Um das Jahr 0 soll alleine das Römische Reich 1.500 Tonnen konsumiert haben, das ist etwa die Hälfte der geschätzten Gesamtproduktion.

Der Niedergang der Weihrauchstraße kam im 1.Jahrhundert vor Christus als der Handel von den Ptolemäern in Ägypten vom Wüstenschiff auf ihre Schiffe im Roten Meer verlagert wurde. Die Landroute war aufgrund der Zölle und Abgaben teuer. Damit wurde den alten südarabischen Reichen ihre wirtschaftliche Grundlage entzogen und das führte zum Niedergang dieser Reiche und ab dem 3.Jahrhundert zum Aufstieg von Himyar im Jemen, denn die Himyariten betrieben Landwirtschaft im Bergland und kontrollierten den Seehandel an ihren Küsten. Im Dhofar gingen die Geschäfte gut weiter, die Produktion war davon ja nicht betroffen.

Die heute noch erhaltenen antiken Orte der Weihrauchstraße sind in unterschiedlichen Ländern. Im Oman sind es die Hafenstädte Khor Rori und Al Baleed sowie die ehemalige Handelsstadt Shisr und der Weihrauchpark im Wadi Dawkah allesamt UNESCO Weltkulturerbe. Im Jemen ist es Sanaa, Marib und das Hadramaut. In Saudi Arabien sind es die Stadt Medina und die Oase Tayma. In Jordanien ist es Petra, einer der wichtigsten Knotenpunkte der Weihrauchstraße und in Israel sind es die Nabatäerstädte Awdat, Elusa, Mamschit und Schiwta im Negev sowie vier Festungen und zwei Karawansereien, die 2005 als „Weihrauchstraße – Wüstenstädte im Negev“ als UNESCO Weltkuturerbe aufgenommen wurden.
Die Weihrauchstraße ist Vergangenheit aber den Weihrauch gibt es noch immer, nur kommt er heute selten aus Arabien. Heute stammt 82% der Weihrauchproduktion aus Somalia, nur der Rest kommt noch aus dem südlichen Arabien aber teilweise auch aus Eritrea, Äthiopien und dem Sudan sowie anderen Zentralafrikanischen Ländern. Man gewinnt den Weihrauch durch Schnitte in Stamm und Äste. Die milchige Flüssigkeit wird an der Luft getrocknet, so entsteht das Weihrauchharz. Ende März beginnt die Weihrauchproduktion, sie dauert mehrere Monate. Die Harzausbeute pro Baum hängt von Alter, Größe und Zustand des Baumes ab und liegt zwischen zwei und zehn Kilo.

