Von der Wüste an die Küste

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Von der Wüste, den Wahiba Sands, geht es über das Wadi Bani Khalid, das größte Flusssystem des Oman ans Meer in die Küstenstadt Sur. Das sind ziemliche Gegensätze, das aride Gebiet der Sanddünen endet in einem grünen Flusstal mit natürlichen Wasserbecken, die zum Schwimmen einladen und geht dann über in die Küstenlandschaft am Arabischen Meer. Hier liegt die ehemalige Handelsstadt Sur, die heute der größte Fischerhafen der Region ist und wo noch immer die Dhau gebaut wird, jene Schiffe, die in der Blütezeit von Sur, nach Ostafrika und sogar weiter bis Indien segelten.

Wadi Bani Khalid

Das Wadi Bani Khalid

Das Wadi Bani Khalid ist mit über 150 Kilometer Länge und über 4000 km² Einzugsgebiet das größte Flusssystem des Oman. Sein Wasser entspringt auf 1.700m im Hajar-Gebirge und fließt auf einer Länge von 110 Kilometer ins Arabische Meer. Es ist der einzige Abfluss des Ost-Hajar in Richtung Süden. Richtung Norden gibt es mehrere Wadis die nach Norden in den Golf von Oman entwässern, wie zum Beispiel das Wadi Shab und das Wadi Tiwi, dessen Quellgebiet knapp fünf Kilometer von dem des Wadi Bani Khalid entfernt liegt.

Erste Siedlungen gibt es auch am Oberlauf aber populär ist das Wadi Bani Khalid ab den Süßwasserpools bei Muqal. Ab da beginnen die Palmgärten und auch in der Trockenzeit tritt hier Wasser zu Tage. Dadurch haben sich mehrere Ortschaften entwickelt, wie Halfah, Bidah, Sayq und Sabt. Dann geht das Wadi über in die große Ebene zwischen Hadjar und Rimal al-Wahiba und bildet ein bis zu vier Kilometer breites Flussbett um Al Kamil Wal Wafi das wie eine Insel im Wadi liegt. Die größten Ortschaften liegen im unteren Mittellauf mit Jalan Bani Buhassan mit 20.000 Einwohnern und Balad Bani Ali mit 30.000 Einwohnern. Im Unterlauf ist das Wadi meist trocken und unbesiedelt.

Wadi Bani Khalid

Der touristisch bekannteste Abschnitt des Wadi Bani Khalid ist die Region um die gleichnamige Ortschaft, denn dort befinden sich die Pools von Muqal. Gespeist werden diese durch die Quellen Ain Hamouda, Ain al Sarooj und Ain Dawwa. Neben den „Swimmingpools“ gibt es auch interessante Höhlen, wie die Kahf Magal Höhle, allerdings ist ein Besuch ziemlich sportiv, etwas näher und einfacher erreichbar ist die Muqal Höhle. Ganz „einsam“ ist es hier nicht mehr, denn von Muscat bis zum Wadi Bani Khalid Parkplatz sind es etwa 3h15 Fahrt und von Sur zum Wadi Bani Khalid Parkplatz sind es nur 2 Stunden Fahrt. Daher ist das Wadi Bani Khaled ein beliebtes Ausflugsziel geworden.

Wadi Bani Khaled

Die Stadt Sur am Meer

Sur ist eine Hafenstadt am östlichen Zipfel des Oman. Ihre Werften, die noch heute traditionelle Holzschiffe herstellen, spielten in Omans maritimer Vergangenheit eine entscheidende Rolle. Im Stadtzentrum befindet sich das Fort Sunaysilah und im Schifffahrtsmuseum kann man Schiffsmodelle bewundern. Sur ist relativ groß, es ist immerhin das Zentrum der nördlichen Sharqiyah und der wichtigste Fischerhafen der Region. Früher wurden hier viele Dhaus gebaut, heute sind es weniger aber man kann noch Werften besuchen, die diesen Schiffstypus im Programm haben.

Blick auf Sur

Man weiß, dass Sur bereits in vorislamischer Zeit eine Hafen-und Handelsstadt war, zum Beispiel die Handelsbeziehungen zu Ostafrika sind durch historische Quellen überliefert. Bedeutend wurde die Stadt aber erst mit der portugiesischen Invasion im 16.Jahrhundert. Nach der Zerstörung des nur 25 Kilometer entfernten Qalhat wurde Sur zum führenden Handelszentrum südöstlich von Muscat. Seine Blütezeit hatte die Stadt nach der Vertreibung der Portugiesen vom 17. bis Mitte des 19.Jahrhunderts. Von hier segelte man mit dem Wintermonsun nach Afrika und kam mit dem Sommermonsun wieder zurück.

Vor allem Datteln wurden nach Ostafrika verschifft, in der Wartezeit in Afrika waren die Händler nicht untätig und kauften Hirse, Kaffee und Mangrovenholz ein. Manche Schiffe segelten von Ostafrika weiter bis Indien oder zum Golf von Basra. Auch der Sklavenhandel war für einige Zeit ein sehr lukratives Geschäft. Im 19.Jahrhundert wurde dieser allerdings verboten und dann brach noch der Handel mit Sansibar ein. Mit dem Aufkommen der Dampfschiffe war es mit dem Handel ziemlich vorbei. Zusätzlich wurde Sur 1865 durch saudiarabische Wahabiten zerstört. Vom ehemaligen Glanz ist also nicht viel übrig geblieben.

Festung Sunaysila

Sur ist heute eine leicht überschaubare Stadt mit einem kleinen Zentrum. Die Sunaysila-Festung ist eine ehemalige Verteidigungsanlage zum Schutz der Stadt Sur und sollte im Falle eines Angriffs die Bewohner aufnehmen. Ihr Name leitet sich vom Dorf Al-Sunaysila ab, das am Fuße der Anhöhe liegt. Direkt vor der Festung steht die Sunaysila-Moschee. Die Burg wurde während der Herrschaft von Nasir ibn Murschid, dem Begründer der Yaruba Dynastie, 1648 fertiggestellt. Von der Burg aus hat man einen guten Überblick über die Stadt Sur. Der annähernd quadratische Innenhof misst ca. 30 m × 35 m und ist von einer Mauer umgeben, deren Ecken mit jeweils einem runden Wachturm bewehrt sind.

Neben der Sunaysila Festung gibt es noch zwei weitere Burgen: Die Bilad-Festung, im Süden der Stadt wurde errichtet um Sur von der Landseite her zu schützen. Die al-Ayjah-Burg ist eine ca. 150 Jahre alte Festung, die zum Schutz der umliegenden Handelshäuser und des Naturhafens errichtet wurde. Die Burg ist der omanischen Tradition folgend schlicht gehalten und in einem guten Erhaltungszustand. Des weiteren gibt es al-Matḥaf al-Baḥrī ‚ das Meeresmuseum, es liegt an der dem Hafen abgewandten Seite und dokumentiert die lange Tradition des Schiffbaus in Sur.

Der Leuchttum Al Ayjah bei Sur

Wadi-Al-Fulaij-Staudamm

Für Österreicher ist spannend, dass dieser Staudamm von der STRABAG gebaut wurde. Um einen geeigneten Hochwasserschutz für den Wadi al-Fulaij südlich der Stadt zu gewährleisten, wurde Strabag vom omanischen Ministerium für Regionalgemeinden und Wasserressourcen beauftragt, einen Damm zu errichten. Baubeginn war im Februar 2014 und im Juli 2017 waren die Arbeiten abgeschlossen. Der Hauptdamm mit einer Länge von 1,1 km und einer Höhe von 25 m wurde mit Asphaltbetonkern ausgeführt. Außerdem wurde eine 140 m lange Beton-Hochwasserentlastung gebaut, die auf einen maximalen Abfluss von 3.900 m³/s ausgelegt ist. Der ca. 700 m lange Gabionen-Überlauf verfügt über eine Durchfluss-Kapazität von 1.800 m³/s. Die vier mit hydraulischen Rolltoren ausgestatteten Tiefausläufe haben eine Größe von ca. 3,6 m × 4,6 m. Der Satteldamm hat eine Länge von 1,2 km, eine Höhe von 11 m sowie eine Breite von 45 m. Der Entwässerungskanal ist 6 km lang und 100 m breit. Zusätzlich wurden zwei Deiche mit einer Länge von 2,6 km aufgeschüttet und insgesamt 1,2 km Betonschutzwände gebaut.

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