Mit den Bienenkorbgräbern von Zukait geht man über 5000 Jahre zurück, in die Zeit der Hafit-und der Umm an-Nār-Zeit, als neolithische Kulturen den Oman bewohnten und das Land der große Kupferlieferant des Zwischenstromlandes war. Auch Ibra ist alt, es ist eine der ältesten rezenten Städte des Landes. Es war einst ein wichtiger Handelsknotenpunkt und ein Zentrum für Karawanenrouten, die das Innere Omans mit den Küstengebieten verbanden und spielte eine bedeutende Rolle im Weihrauchhandel. Der große Sandkasten, Wahiba Sands ist eine faszinierende Wüste mit endlosen Sanddünen die von Pisten durchzogen wird, die dem Verlauf der Dünen folgen.


Bienenkorbgräber Al Ayn und Zukait
Die Bienenkorbgräber von Zukait
Bienenkorbgräber sind nicht nur auf den Oman beschränkt, man findet sie auch am Sinai und in den V.A.E, aber im Oman gibt es die meisten. Sie sind etwa 5.000 Jahre alt. Der Oman war damals den Sumerern in Mesopotamien bekannt, man nannte das Gebiet Magan. Von hier kam Kupfer und es war im Altertum eine wichtige Zwischenstation für den Handel zwischen dem Zweistromland und dem Industal. Der Oman spielte im 3. Jahrtausend v. Chr. für das Zweistromland eine wichtige Rolle. Von hier stammte ein Großteil des in Mesopotamien verwendeten Kupfers, das dort, zu Bronzewerkzeugen verarbeitet, ein wichtiger Grundstein für die in der Landwirtschaft erzielten Überschüsse darstellte, auf denen der Aufstieg der sumerisch-akkadischen Stadtstaaten basierte.
Deutsche Archäologen haben vor allem Al Ayn und Bat untersucht (seit 1988 UNESCOWeltkulturerbe). Die ersten Ausgrabungen in Bat wurden zwar schon1972 von einem dänischen Team vorgenommen aber die wichtigen Erkenntnisse haben die deutschen Archäologen geliefert. Die Ausgrabungen der Universität Tübingen zwischen2010 und 2015 hatten zum Ziel neue Informationen zur Nutzung und Funktion der Gräber nebst Bestattungsgruben, dem Siedlungswesen sowie der materiellen Kultur der frühen Bronzezeit in der Region zu gewinnen. Der Projektbericht ist spannend zu lesen.



Die Bienenkorbgräber von Zukait
Die Entstehung der Bienenkorbgräber fällt in die Hafit- (3200 bis 2700 v. Chr.) und der Umm an-Nār-Zeit (2700 bis 2000 v. Chr.) aber Döpper von der Universität Tübingen hat nachgewiesen, dass diese Stätten auch noch später weiterbenutz wurden. Die Begräbnisstätten liegen auch nicht isoliert, sie befinden sich in der Nähe von Siedlungen oder Lagerplätzen von Beduinen. Im Projektbericht steht bezüglich der Nekropole von Bat: „Die Gräber weisen neben Funden des 3. Jahrtausends auch solche auf, die eine Nachnutzung im 2. und vor allem 1. Jahrtausend v. Chr. belegen. Zweiter Grabungsschwerpunkt in Bāt ist ein über 30 Meter langes Gebäude mit einer ovalen Umfassungsmauer, welches auf einer Stampflehmterrasse ruht und ebenfalls in die Umm an-Nār-Zeit datiert.„

Ibra
Ibra ist mit 55.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in der Region Ash Sharqiyah und es ist eine der ältesten Städte des Landes. Früher war Ibra ein Zentrum für Handel, Religion, Bildung und Kunst. Die Stadt liegt im Stammesland: Hier sind die Al Ismaili, die Al Harthy, die Al Maskari, die Al Mughairi und die Al Riyami zu Hause. Der ehemalige Politiker und Geschäftsmann Scheich Saif bin Hashil Al-Maskari ist einer der prominentesten Scheichs von Ibra. Er hat viel Geld in die Verbesserung von Ibra und seiner Infrastruktur investiert da Ibra seine Stammesheimat ist.
Es ist eine langgezogene Oase mit großen Palmengärten und besteht aus verschiedenen Stadtteilen. In der Vergangenheit waren diese Wohngebiete unter zwei verfeindeten Stämmen aufgeteilt. Der nördlichste Ort ist Ibra Alayat, dort wohnen die Al Maskari. Der südlich gelegene Ort heißt Ibra Sufalat und gehörte den Al Harthy. Die beiden Stadtteile waren eigene autonome Städte mit getrennten Aflaj-Systemen und eigenen Souqs. Bis zum Jahr 1977 hatten die Geschäfte nur am Nachmittag geöffnet, denn zu dieser Tageszeit durfte man sich nicht gegenseitig beschießen.

Wegen der Feinschaft zwischen den Al Maskari und den Al Harthy gab es in Ibra nie eine gemeinsame Festung. Jeder Ort hatte seine eigene Festung und Wachtürme auf den umliegenden Hügeln. In beiden Orten gab es sehr wohlhabende und sehr einflussreiche Handelsfamilien, deren Häuser entsprechend groß und prächtig waren. Reich wurde man hier durch den Handel mit Ostafrika und Sansibar. Somalias Hauptstadt, Mogadishu soll von einem Al-Harthy gegründet worden sein. Die Gouverneure der kenianischen Hafenstadt Mombasa waren lange Zeit Al-Maskaris. Heute ist die Stammesfehde vorbei aber die Trennung besteht noch immer.
Eine Besonderheit gibt es in Ibra: Am Mittwoch ist Frauenmarkt, Souq Al-Arba’a, der Mittwochsmarkt. Das ist einzigartig im Oman, das gibt es nur in Ibra. Allerdings handelt es sich bei diesem Frauenmarkt nur um eine kleines Areal innerhalb des Marktes aber dort sind die Verkäuferinnen und die Kundinnen unter sich, Männer haben keinen Zutritt. Die Entstehung des Frauen-Souq ist eng mit dem benachbarten Krankenhaus verbunden. Ende der 1980er Jahre, wurden am Mittwoch hier immer die schwangeren Frauen untersucht und die finanzierten ihren Klinikaufenthalt mit mitgebrachten Waren, die sie hier zum Verkauf anboten.

Wahiba Sands
Die Wahiba Sands heißen auf Arabisch Ramlat al Wahiba oder politisch korrekt Rimal al-Sharqiyah, da hier mehrere Stämme leben und die Benennung nach nur einem Stamm, den Wahiba, nicht ganz gerecht ist. Wahiba Sands ist eine Inlandwüste mit einer Größe von 13.000Km². Die Nord-Süd-Ausdehnung ist 250Km, die Ost-West-Ausdehnung immer noch 80Km. Man könnte das Bundesland Tirol ganz locker in diese Wüste packen. Es ist ein riesiger Sandkasten der im Osten an den Indischen Ozean angrenzt.
Neben den Meer begrenzen zwei Wadis dieses Sandmeer, das Wadi Batha im Nordosten und das Wadi Halfayn im Westen. Beide Wadis führen Wasser, nicht rund ums Jahr aber lange genug um die Wanderdünen aufzuhalten. Die Größe von Wahiba Sands ist beeindruckend aber im Vergleich zu den ganz Großen, der Rub-al-Khali und der Sahara ist sie nur ein kleiner Sandkasten. Für Wüstenforscher ist ihre Größe aber optimal. Hier kann man geologische, naturräumliche oder klimatische Sachverhalte auf einem relativ kleinen Raum erforschen und dann auf die großen Wüsten übertragen.

Im Dezember 1985 startete eine groß angelegte Erforschung der Ramlat al-Wahiba, an der über 500 Personen beteiligt waren. Wissenschaftler der britischen Royal Geographical Society führten mit Unterstützung der omanischen Regierung eine umfassende Bestandsaufnahme der Geologie, Flora und Fauna durch. Auch das Leben der Beduinen wurde unter die Lupe genommen. Man fand über 200 Säugetier-,Vogel-und Reptilienarten sowie 180 verschiedene Pflanzenarten.
Das ganze ökologische Gleichgewicht basiert auf natürlicher Inversionsbewässerung, das Meer ist nicht weit und jeden Morgen bedecken Tautropfen die Wüste, das reicht zum Überleben der hier vertretenen Arten. Die meisten Tier-und Pflanzenarten findet man in den sogenannten Woodlands im Wadi Batha am Nordostrand der Wüste. Düne ist nicht gleich Düne, man hat in Wahiba Sands mehr als zwanzig verschiedene Dünenformationen entdeckt.

Eine Wüste besteht aus Sand aber der kann ziemlich unterschiedlich sein. Er besteht aus Quarz-, Karbonat und Ophiolith Körnern, also aus dem Erosionsmaterial der Berge und Meeressedimente. Die jährlichen Monsunwinde bringen den Sand in die Wüste. Der Sand in Wahiba ist nicht überall gleich, sondern seine Zusammensetzung und die Form der Dünen variieren. Im Norden sind die Dünen hoch und rötlich-orange, im Süden dagegen sind sie weiß und sichelförmig. Sie alle verlaufen in parallelen Ketten von Norden nach Süden. Daher kann man Wahiba mit einem Fahrzeug nur in dieser Richtung durchqueren.
Zwei Besonderheiten hat Wahiba Sands – einen Gazellenwald und versteinerte Sanddünen, die sogenannten Aeolianite. Es gibt Gebiete wo der Grundwasserspiegel relativ hoch liegt, hier können sich tiefwurzelnde Baumarten halten. Hier leben verschiedene Gazellenarten. Die versteinerten Sanddünen sind meist unter dem Sand aber bei Ja’alan an der Küste und bei Al-Ruways kann man sie sehen. Der erste Europäer der die Wahiba Wüste betreten hat war übrigens ein Brite namens Wilfred Thesinger. Touristen waren 1949 im Oman noch nicht willkommen, Herr Thesinger musste als Beduine verkleidet reisen.

