Die Geologie des Oman ist faszinierend. Das Gebirge des Sultanats ist das größte geologische Museum der Welt. Es gibt keinen anderen Ort auf der Welt, wo man einen Querschnitt durch alle Gesteine der Erde so einfach erkennen kann wie hier. Weder Vegetation noch Ozean verhindern die Sicht. Ohne Mühe kann man Erdmantelgesteine sowie Gesteine der ozeanischen und der kontinentalen Erdkruste studieren. Sämtliche geologischen Alter sind hier repräsentiert. Mancher Stein ist über 1000 Millionen Jahre alt, manchmal mit Einschlüssen erster primitiver Lebensformen. 600 Millionen Jahre alte Fossilien, versteinerte Lebewesen aller Gattungen, liegen hier offen zu Tage. Außerdem gibt es kein anderes Land der Erde, wo der Meeresboden am Berg liegt. Der Semail-Ophiolith ist einzigartig.

Klimatisch gesehen ist der Oman heute eine Wüste, doch das war nicht immer so. Im Laufe seiner geologischen Geschichte änderte sich das Klima mehrfach. Alte glaziale Ablagerungen von vor etwa 600 Millionen Jahren erinnern daran, dass die arabische Landmasse sogar in der Nähe des Südpols lag. Das gleich zweimal, so dass zu dieser Zeit ein kaltes Klima herrschte. Deutlich wärmer, fast tropisch war es, als Arabien in der Kreidezeit vollständig untergetaucht war.
Aus diesem tropischen Meer stammen marine Fossilien wie Korallen, Schnecken und Muscheln, die man heute am Jebal Shams finden kann. Millionen Jahre später gab es wieder ein eher mäßiges Klima, in dem Wälder heranwuchsen, aus denen Kohle entstand. Heute findet man tertiäre Kohle südlich von Sur. Und dann gibt es noch die Höhlensysteme. Zwischen Fins und Tiwi im Nordosten liegt die weltweit zweitgrößte Höhlenkammer. Ihre Eingangshalle misst über vier Millonen Kubikmeter. Sie liegt im Selma-Karstplateau im Gebirge des Jebal Bani Jabir.

Bei Salalah steigen aus der wüstenhaften Ebene plötzlich größere Hügel auf. Das sind Salzdome, die dort scheinbar wahllos verstreut liegen. Sie können Ausmaße von über 8000m im Durchmesser haben. Die bekannten sind die Salzdome Qarn Sahmah, Qarat Kibrit und Jebel Majayiz. Sie entstanden im Kambrium, also vor 500 bis 550 Millionen Jahren. Durch ihren diapirischen Aufstieg brachten diese Dome etwa 600 Millionen Jahre altes Gestein zu Tage. Die heutigen Erdöllagerstätten des Oman im Gebiet des heutigen Huqf. Die Sandsteine der Al-Khlata Formation speichern 3,5 Milliarden Barrel Öl (1 Barrel = 159 Liter).
Was ist ein Diapir? Der Begriff kommt aus dem altgriechischen und bedeutet „durchdringen“. In der Geologie ist das ein Bereich, in dem Material aus tieferen Schichten aufgestiegen ist. Wenn ein Sediment oder Salzmaterial eine bestimmte Temperatur erreicht, verhält es sich wie eine Flüssigkeit und neigt dazu, aufzusteigen. Gefaltetes Sedimentgestein und Salz können dieses Material an die Oberfläche bringen. Dieses Phänomen nennt man Diapirismus. Es kommt vor allem beim Erdmantel vor. Über sogenannten Hotspots bilden sich Manteldiapire. Der Antrieb für den Aufstieg ist eine niedrigere Dichte der tiefer liegenden Schicht. Blasen des unten liegenden Materials können aufsteigen. Evaporitdiapire können Salzstöcke und Salzwälle bilden.

Semail-Ophiolith
Im Norden des Oman, im Hajar-Gebirge, liegen Gesteine an der Erdoberfläche, die normalerweise Tausende Meter unter dem Meeresspiegel zu finden sind. Man geht also an manchen Orten des Hajar-Gebirge quasi auf Gesteinen des Meeresbodens spazieren – das ist der Semail-Ophiolith. Das „Wie“ und „Warum“ ist spannend. Vor etwa 270 Millionen Jahren, im Perm, bildete sich im Osten des Superkontinent Pangäa ein riesiger Ozean – das Tethys Meer. Dieses Meer bestand für 190 Millionen Jahre, dann wurde es aufgrund tektonischer Prozesse geschlossen. Auf dem Meeresgrund des Tethys Ozeans entstanden die Gesteine, die wir heute im Oman an der Erdoberfläche sehen können.
Die Tethys entstand aus einem Grabenbruch (Riftzone). Wenn sich die Erdkruste dehnt, bilden sich Spalten und Risse, Bruchsysteme entstehen und die Kruste wird dünner. Auslöser für die Bildung eines Grabenbruchs ist ein Manteldiapir, ein pilzförmiges Gebilde, in welchem zähes Erdmantelmaterial nach oben steigt. Dabei bildet sich Schmelze, die als Basalt an der Oberfläche austritt. Sie sieht man in Form von Kissenlaven im Oman. Diese entstehen, wenn glutflüssige Lava in Kontakt mit Wasser kommt und ihre Oberfläche schnell abkühlt. Es entsteht eine dünne glasartige Kruste. Sie wird wiederum von nachdrängender Lava durchbrochen und platzt auf – so entsteht ein Polster nach dem anderen.

Die Kissenlaven sind das oberste Stockwerk des Ophiolith-Komplexes. Die nächste Etage, einen Stock tiefer, ist der Gabro. Dieser besteht aus den dunklen Mineralien Olivin und Pyroxen, sowie aus dem hellen Plagioklas. In etwa 5 Kilometer Tiefe ist die Grenze zwischen Erdkruste und Erdmantel, die „Moho“ (benannt nach dem kroatischen Geophysiker Mohorovicic).
Rund um Muscat findet man dunkles, schokoladebraunes Gestein – das bedeutet man hat das unterhalb der Moho auftretende Erdmantelgestein erreicht, den Peridotit. Dieser Stein ist im Erdinneren unter hohen Druck entstanden. Über 50% der Gesteine des Semail-Ophiolithen bestehen aus diesen Erdmantelgesteinen, die oft von weißen Magnesit-Lagen durchzogen sind. Die komplette Einheit aus Erdkrusten-und Erdmantelgesteinen nennt man Ophiolith, aber erst nachdem sie an Land geschoben wurde und dort zu sehen ist. Lägen diese Gesteine unter dem Meeresspiegel, würde man von Ozeanbodenabfolgen sprechen.

Der Begriff „Ophiolith“ kommt vom griechischen Wort „ophis“ (Schlange) und „lithos“ (Stein). Ein sehr wichtiges grünes Mineral in den Gesteinen des Ophioliths ist der Serpentin. Seine Oberflächentextur erinnert an die Haut einer Schlange.
Im dunklen Gestein sieht man immer wieder bunte Lagen. Diese Tiefseesedimente entstanden in der Tethys in mehreren tausend Metern Tiefe in einem anoxischen Milieu, also in einem Bereich, der keinen Sauerstoff enthält. Heute sieht man sie als schwarze, weiße, rote oder grünliche Chertlagen der Hawasina-Sedimente. Cherts sind mikrokristalline Sedimentgesteine, reich an Silizium, die überwiegend aus Mikro-Fossilien bestehen. Sie sind dem Flintstein ziemlich ähnlich. Die bunten Farben resultieren aus ihrem Gehalt an Spurenelementen. (Man findet die Hawasina-Sedimente zum Beispiel im Wadi Bani Khalid.

Und dann gibt es auch die Flachwasserkalke, der „Oman Exotics“, diese lagerten sich in flachen küstennahen Warmwasserbereichen ab. Diese Gesteine enthalten flachmarine Riffkalke mit Korallen und Stromatolithen. Teilweise wurden diese Kalke durch große Hitze und unter hohen Druck umgewandelt, so dass aus ihnen Marmor wurde. Charakteristisch für diese Kalke ist ihre helle Farbe, die in starkem Kontrast zu den dunklen Gesteinen des Ophiolith steht. Diese Flachwasserkalke findet man südlich des Jebal Akhdar.
Am Kontinentalrand von Arabien lebten zahlreiche Tierarten im warmen Wasser, sie lagerten sich nach ihrem Tod als Flachwasserkalke ab. Diese finden sich heute im Kalkgestein des Hajar-Gebirge. Es enthält viele Fossilien. Zum Hajar Gebirge gehört auch der Sonnenberg, der Jebal Shams und die tiefen Schluchten des Jebal Akhdar, dem Grand Canyon des Oman. Das Hajar Gebirge verläuft auf einer Länge von rund 600 Kilometern von der Halbinsel Musandam entlang der Nordküste des Sultanats bis zur Hafenstadt Sur.

Wie kam eigentlich der Semail-Ophiolith an Land? Als gegen Ende der Kreidezeit, also vor etwa 90 Millionen Jahren, die Kontinente von Eurasien und Afrika-Arabien kollidierten, schloss sich das Tethys Meer. Während dieses tektonischen Prozesses wurden die Gesteine der gesamten Ozeanbodenabfolge in ihre heutige Lage verfrachtet. Es entstand eine riesige antiklinale Falte. Die Obduktion (Überschiebung) über die arabische Landmasse dauerte etwa 20 Millionen Jahre. In den nächsten 60 Millionen Jahren war der Oman wieder von einem flachen tropischen Meer überschwemmt.

Die Geologie des Dhofar
Die Geologie des Dhofar ist etwas anders. Die Provinz Dhofar wird durch eine schmale Küstenebene und dahinter den Dhofar Bergen bestimmt. Die Dhofar Kalkgebirgskette besteht aus drei Bergzügen: Dem Jebal Qamar im Westen in Richtung Jemen, den Jebal Qara im Zentrum bei Salalah und östlich davon der Jebal Samhan. Das Fundament der Berge des Dhofar besteht aus den kristallinen Gesteinen Gneiss und Granit, sie wurden im Präkambrium gebildet und sind somit etwa 580 Millionen Jahre alt. Bei Mirbat und auf der Insel Hallaniyat ist der Deckstein erodiert , Granit und Gneiss treten da zu Tage. Das Dhofar-Gebirge ist die südliche Randschwelle der Arabischen Tafel. Der Höchste Punkt im Dhofar liegt mit 2.100m im Samhangebirge.

