Die Küstenstraße von Sur nach Muscat ist schön und die Abstecher in die Wadis sind es auch. Wadi Tiwi und Wadi Arbiyeen gehören zu den schönsten Flusstälern des Oman. Die Verbindung von Sur nach Muscat ist gut, nur etwa 200 Kilometer trennen die beiden Städte voneinander. Trotzdem braucht der Weg von Sur nach Muscat mindestens einen Tag mit all seinen Abstechern,

Das alte Qalhat
Die antike Stadt Qalhat liegt an der Ostküste des Sultanats Oman, etwa 20 Kilometer nördlich der Stadt Sur. Sie ist durch ihre inneren und äußeren Mauern begrenzt und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 35 Hektar. Die alte Nekropole liegt außerhalb der Mauer. Die Stadt war ein wichtiger Hafen an der Ostarabischen Küste für den Handel mit dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean. Der alte Hafen fungierte als Handelszentrum zwischen Indien und Ost- und Südostasien sowie der Arabischen Halbinsel.
Qalhat hatte seine Blütezeit vom 11. bis zum 16. Jahrhundert unter der Herrschaft der Fürsten von Hormus. Die wichtigsten Exportgüter waren arabische Pferde, Datteln, Weihrauch und Perlen. Nach portugiesischen Angriffen wurde das antike Qalhat im 16. Jahrhundert aufgegeben und ist seitdem als archäologische Stätte erhalten. Die Ruinen sind Zeugnis einer Hafenstadt des Königreichs Hormus.

Marco Polo soll Qalhat im 13.Jahrhundert besucht haben und Ibn Battuta war im 14.Jahrhundert in der Stadt. Er stellte damals fest, dass sie feine Basare und eine der schönsten Moscheen habe, von einer gewissen Bibi Maryam erbaut. Bibi Maryam regierte tatsächlich Qalhat und Hormuz nach dem Tod ihres Mannes Ayaz 1312. Der dritte Reisende der nach Qalhat kam und über die Stadt berichtete, war der Chinese Zheng He im 15.Jahrhundert. Qalhat war damals ein wichtiger Zwischenstopp im Handelsnetz des Indischen Ozean und es war die zweitgrößte Stadt des Königreich Hormuz (Ormus).
Der Handel verlagerte sich später aber nach Muscat, als Afonso de Albuquerque 1507 Qalhat eroberte war die Stadt bereits im Niedergang. Die Ausdehnung von Qualat ist beeindruckend, 240.000m² Stadt lag hinter einer Mauer. In der Stadt gab es große Handelshäuser und Märkte. Von der antiken Stadt ist nicht viel übrig geblieben. Nur das kuppellose Mausoleum von Bibi Maryam steht noch. Bei archäologischen Grabungen hat man aber Artefakte aus Persien und China gefunden, die die weitreichenden Handelsbeziehungen von Qalhat belegen. Kürzlich kam eine von Geoarchäologen der Universität Bonn durchgeführte Forschung zu dem Schluss, dass Erdbeben ein Grund gewesen sein könnten, dass die Stadt völlig aufgegeben wurde. Sie liegt nämlich auf der der Qalhat-Verwerfung.

Das Wadi Tiwi
Man rumpelt über eine Steinige Piste durch mehrere Dörfer die hintereinander im Wadi liegen. Das Wadi ist dicht bewachsen, das Grün bildet einen schönen Kontrast zu den schroffen Felswänden. Wadi Tiwi liegt dort, wo das Hajar Gebirge bis zum Meer reicht. Das Wadi ist von steilen Felswänden umschlossen und seit mindestens 1000 Jahren durchgehend besiedelt. Das Wasser kommt vom Bergplateau nach Nordwesten und zwar ganzjährig. Die Landwirtschaft wird über Falaj Kanäle bewässert.
Es werden hauptsächlich Dattelpalmen angepflanzt, daneben aber auch Bananen, Limetten, Papaya und Mangos. Angeblich werden im Wadi Tiwi 7 verschiedene Banensorten kultiviert. Das ist auf den Handel mit Indien zurückzuführen der ab dem 15.Jahrhundert florierte. Die Musa Banane wird seit etwa 500 Jahren im Wadi Tiwi kultiviert. Das hohe Gras, das im Wadi-Bett wächst ist Pennisetum setaceum. Man trifft hier viele Vögel an, besonders rund um die beiden großen Becken am Eingang der Schlucht. Graureiher, Kormoran, Bachstelzen, Rosenringsittiche, Indische Silberschnäbel und Palmtauben.



Das Wadi Tiwi
Das Wadi Arbiyeen
Wadi Arbaeen ist ein zerklüftetes Talsystem im östlichen Hajar, es liegt landeinwärts von Quriyat. Es vermittelt einen guten Eindruck vom wilden Hinterland des Oman. Auch hier gibt es Palmengärten, tiefe Pools und enge Schluchten. Im Vergleich zum Wadi Shab oder Wadi Tiwi ist die Landschaft hier rauher. Das Herzstück von Wadi Arbaeen ist eine tiefe, schmale Schlucht mit steilen Kalksteinwänden.


Wadi Arbiyeen
Hawiyyat Nadschm – Die Doline von Bimah
Das Bimah Sinkhole wird im Arabischen Hawiyyat Nadschm (Sternschnuppe) genannt, es handelt sich um eine Doline an der nordöstlichen Küste des Oman. Sie liegt auf einer Abrasionsplattform aus eozänen Kalkstein also einem Stück Küste das vom Meer abgeknabbert wird. Die Wasserfläche hat einen Durchmesser von etwa 40m und der Abstand von der Oberkante bis zur Wasserfläche beträgt 20m.
Der eozäne Kalkstein, d.h. maximal 56 Millionen, minimal 34 Millionen Jahre alt, wird von einer harten, etwa 5m dicken Schicht von verfestigten Kies überlagert. Regenwasser und Grundwasser erodieren im Untergrund langsam den weichen Kalkstein ab. Die Doline ist durch den Einbruch des Deckgesteins entstanden. Sie ist über ein Höhlensystem mit dem Ozean verbunden, das Wasser ist also salzhaltig aber durch die Beimischung von Süßwasser hat es weniger Salzgehalt als das Meer. Wer hier tauchen will muss das können. In 10m Wassertiefe gibt es eine 2m dicke braun-orange Sprungschicht wo man bestenfalls 1m weit sieht. Der Zugang zum Meer befindet sich in etwa 60m Tiefe.

