Die Geschichte Südindiens

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Die erste historisch fassbare Epoche der indischen Geschichte ist die Zeit Ashokas, des großen Herrschers der Maurya Dynastie, mit seinem Reich von Magadha (heute Bihar) im 3.Jahrhundert vor Christus. Das ist in etwa die Grenze zwischen der Prähistorie und der Historie Indiens. Natürlich lebten auch vor Ashoka Menschen im Süden des Subkontinents aber aus ihrer Zeit gibt es nur (Ton)Scherben und Steine. Wir wissen nicht einmal wie diese Menschen aussahen, da man bisher keine Schädel von ihnen gefunden hat. Die Megalithzeit ist etwas besser dokumentiert , immerhin wurden beim Malampuzha-Damm (Kerala) mehr als 110 Megalithen entdeckt. Unter den gefundenen Strukturen waren einzelne und mehrere Zisternen, Steinkreise, Urnen und Dolmen.

Die Megalithzeit in Südindien

Die meisten Funde machte man entlang der Ufer von Flüssen. Man muss sich Indien vor 5.000 Jahren anders denken als heute. Flusssysteme waren damals die einzigen „Straßen“ auf denen der Mensch reisen konnte. Die Großsteinsetzung dürfte sich ausgehend von Assam verbreitet haben. Die Kashi und die Nagas von Assam errichteten einzelne Steine (Menhire) und kreisförmige Steinreihen (Cromlechs) zu Ehren der Toten (Ahnenkult). Bei Stämmen in Südindien gibt es noch heute den Brauch der Sekundärbestattung in Dolmen. Charakteristisch für die Megalithe Südindiens ist das Seelenloch im Osten. Die Megalithzeit dauert in Südindien von 1.200 vC. bis etwa 100 nC. an. Ihr Höhepunkt liegt um 600 vC. Zum Vergleich – die Bronzezeit wird hier ab 1.800 vor Christus festgesetzt und der Beginn der Eisenzeit um das 5.Jahrhundert vor Christus.

Südindien tritt in das Licht der Geschichte

Im Jahr 326 vor Christus traf sich der nordindische Fürst Chandragupta mit Alexander dem Großen in Panjab. Wenige Jahre später bestieg er in Pataliputra (heute Patna in Bihar)den Thron des Reiches von Magadha und wurde zum Stammvater der Maurya Dynastie. Sein berühmter Enkel Ashoka erbte Thron und Reich um 268 vC. und regierte 36 Jahre lang bis zu seinem Tod 232 vC. Er ist der vielleicht berühmteste indische Herrscher der vom Hindu zum Buddhisten wurde. Als Ashoka den Thron bestieg verlief die Grenze des Maurya Reiches bereits quer über den Nordteil von Karnataka (vorher war das Vindhya Gebirge die Grenze zwischen arischen und dravidischen Völkern gewesen). Der Beginn dieser arischen Einwanderung dürfte kriegerisch gewesen sein, jedenfalls lässt das Mahabarata und auch das Ramayana dies vermuten. In nachchristlicher Zeit dagegen wurde es zu einem friedlichen Verständigungsprozess.

Die Satavahanas

Etwa um 75 vC., gegen Ende der nördlichen Shunga-Dynastie entwickelt sich im Dekkhan ein Großreich, das aber nach nur 5 Jahren in verschiedene Teilstaaten zerfiel. Das Zentrum dieses Reiches lag im heutigen Bundesstaat Maharashtra. In den Puranas gibt es eine Königsliste in welcher die Satavahanas als „Andhras“ (Diener) bezeichnet werden, was dafür spricht, dass sie zur Zeit Ashokas Vasallen des Maurya Reiches waren. Laut Plinius soll das Andhra Gebiet 30 ummauerte Städte und ein Heer von 100.000 Infantristen, 2.000 Reitern und 1.000 Kriegselefanten besessen haben. Die Puranas erwähnen 30 Andhra Könige, die über einen Zeitraum von 460 Jahren geherrscht haben sollen. Das spricht für ein erbliches Königtum mit funktionierenden Verwaltungssystem. Es gab (Handels)Kontakte mit den Mittelmeerstaaten (Römer, Griechen) im 1.und 2.Jh. Es war eine Zeit des Wohlstandes für alle. Der Buddhismus dürfte die dominante Religion gewesen sein. Gehandelt wurde mit Reis, Metallwaren, Textilien und Gewürzen. Die Händler waren in Zünften organisiert

Der Aufstieg der Pallava Dynastie

Mit dem Fall des Satavahana Reiches zerbrach die politische Einheit des Dekkhan. Im Südosten kamen die, aus Tamil stammenden, Pallavas an die Macht. Ihre Hauptstadt war Kanchipuram. Der erste historisch fassbare König, Skandavarman (350 – 375), nannte sich „Höchster König der Könige, der dem Dharma ergeben ist“. Immerhin reichte sein Machtbereich vom Krishna im Norden bis zum Arabischen Meer im Westen. Aufgrund eines Pfeilers des Gupta-Königs Samundragupta in Allahabad wissen wir, dass im 4.Jahrhundert bei Kanchipuram eine Schlacht zwischen Guptas und Pallavas stattfand. Die wichtigste Auswirkung der frühen Pallava ist allerdings die Kolonialisierung Hinterindiens, Malaysias und Indonesiens ausgehend vom Telegu-Land. Friedlich, über die Handelswege missionierten buddhistische Mönche und Brahmanen die genannten Gebiete.

Ein Exkurs ins Gupta Reich Nordindiens

Gegen Ende des Altertums gelang es der Gupta-Dynastie (320–510), ein Großreich zu errichten. Die Herrschaftszeit dieser Dynastie vom 4. bis zum Beginn des 6.Jahrhunderts nach Christus gilt als die Blütezeit der klassischen Sanskritliteratur. Die Periode des alten Indien unter der Gupta-Dynastie wurde später als goldenes Zeitalter betrachtet. Sie brachte einen erheblichen Aufschwung der Literatur, der Wissenschaften und auch wirtschaftliche Prosperität. Im 5. Jahrhundert wurde zum Beispiel die buddhistischen Universität von Nalanda errichtet, die mit über 10.000 Studenten und angeblich 9 Mio. Büchern die größte Lehrstätte der antiken Welt war. Die Einheit des Gupta Reiches ging in den Anstürmen der Hunnen verloren. Südindien erlebte in dieser Zeit eigene territoriale und dynastische Konflikte. Am bekanntesten ist hier die Chola-Dynastie, die mit ihrer Flotte den Golf von Bengalen beherrschte und einen Teil vom heutigen Sri Lanka annektierte.

Das tamilische Chola Reich

Aus der Sangam Literatur weiß man, dass das alte Tamil-Land auf drei Könige aus den Stämmen der Cheras, Cholas und Pandyas aufgeteilt war. Unter ihrem König Karikal waren die frühen Chola die Gegenspieler der Cheras und Pandyas. Etwa ab dem Jahr 250 wurden die Chola samt ihren beiden Nachbarn von einem Bergstamm, den Kalabhra verdrängt. Die ersten, die sich davon erholten waren die Pallavas im 6.Jahrhundert. Die Chola-Dynastie brauchte länger um wieder an die Macht zu kommen. Die Blütezeit der späteren Chola-Dynastie dauerte vom 9. bis zum 13. Jahrhundert. In dieser Zeit herrschten sie über große Teile Südindiens. Ihr Machtzentrum lag im fruchtbaren Kaveri-Delta, doch schon früh richtete sich der Blick über das Land hinaus auf den indischen Ozean. Anders als Srivijaya, das von einer Flussmündung aus wirkte, stützte sich das Chola-Reich auf ein zusammenhängendes Festlandterritorium und konnte von dort aus gezielt auch auf See Einfluss nehmen. Der Seehandel war fest in die politische Strategie eingebunden.

„Es ist ein wüstes und wildes Land, voller Dschungelwälder und Marschland. Seine Bevölkerung ist nicht zahlreich, und Räuberbanden treiben offen ihr Unwesen. Das Klima ist heiß und das Betragen der Bevölkerung liederlich und grausam. Die Priester sind ebenso schmutzig wie ihre verfallenen Klöster.“

Mönch Xuanzang um 650 (Wikipedia)

Die Frühgeschichte des Tamil-Landes

Wir wissen von einem König Kharavela der in Kalinga (heute Orissa) im 1.Jh.v.C. herrschte. Auf einer Stele lässt er eingravieren, dass er im 11.Jahr seiner Regierung (65 vC.) einen tamilischen Staatenbund zerschlug, der bereits seit 113 Jahren bestand. Das ist der älteste Hinweis auf das Bestehen tamilischer Staaten ab dem 2.Jh.vC. Daran schließt die Sangam Literatur an, die die ersten sechs Jahrhunderte nach der Zeitwende abdeckt. Diese Schriftensammlung besteht aus acht Anthologien mit insgesamt 2279 Gedichten die von 473 namentlich bekannten Dichtern verfasst wurde. Der Begriff „Sangam“ leitet sich von „Sangha“ (Gemeinschaft) ab und bezieht sich auf Dichterkollegien. Dort ist nachzulesen, dass das alte Tamil-Land auf drei Könige (Häuptlinge) aus den Stämmen der Cheras, Cholas und Pandyas aufgeteilt war. Spannend sind vor allem die Schilderungen der Gesellschaft und des alltäglichen Lebens.

Die südindischen Länder waren fruchtbar, es gab genügend Reis, Gemüse, Fleisch, so dass niemand hungern musste. In den Sangam Versen werden die Reisernte und das Sammeln von Bambusreis, Pfeffer und Gewürzen besungen. Klassenunterschiede wurden als gottgegeben hingenommen. Fleisch und Alkohol wurde damals in allen Klassen (auch jener der Brahmanen) konsumiert. Wein von den „Yavanas“ (Griechen und Römer) wurde gerne getrunken. Im Gedicht Purananuru werden vier Kasten genannt und der Heldenstein wird erwähnt. Er steht für die im Kampf gefallenen Krieger. Der Tod am Schlachtfeld bedeutete Ehre und führte geradewegs in den Himmel, ein „Strohtod“ galt als jämmerlich. Die Erbmonarchie war die übliche Staatsform. Der König herrschte autokratisch aber er ließ sich von einem Weisenrat beraten. Ein Gedicht erwähnt, dass beim Ableben eines Königs alle seine Gefährten und Minister den Herrscher in den Tod begleiteten. Der Handel, vor allem der Seehandel, spielte eine große Rolle.

Der Kampf um die Vorherrschaft

Der Kampf um die Vorherrschaft dauert von 550 bis etwa 850 an. In Nordindien hatten das Gupta Reich ab dem 4.Jahrhundert mit den Hunnen zu kämpfen. Für Südindien bedeutete das mehr Freiheit. Im 5.Jahrhundert flüchteten Tausende von Gelehrten und Künstler aus dem Norden in den Süden. Auch wenn der Norden sich schließlich im 7.Jahrhundert wieder konsolidierte, um über den Dekkhan in den Süden vorzudringen fehlte ihm die Kraft. Der politisch kulturelle Schwerpunkt verlagerte sich in den Süden. Hier kämpften wiederum die verschiedenen Stämme um die Vorherrschaft. Die Pandyas mit Sitz in Madurai lagen im Krieg mit den Pallavas (Kanchipuram). Beide beanspruchten das gleiche Gebiet. Im 7.Jahrhundert verbündet sich Arikesari Maravarman mit den Chalukya gegen die Pallavas. Viermal fiel Kanchipuram im 8.Jahrhundert, viermal wurde es rückerobert. Das 8.Jahrhundert ist aber auch die Zeit in der Muslime nach Indien vordringen. Die Chalukyas können sie abwehren aber im dadurch entstehenden Machtvakuum kommen die Rashtrakutas an die Macht. Den Chalukyas fehlt schließlich die Kraft die Pandyas weiter zu unterstützen. Damit ist der Weg zur Macht frei für die Pallavas.

Die Pallavas

Ethnisch sind die Pallavas Tamilen, der Name bedeutet „junger Zweig“, dazu gibt es eine Legende. Ein Prinz soll mit einer Naga-Prinzessin in der Unterwelt ein Kind gezeugt haben. Der Prinz musste die Unterwelt verlassen, die Mutter band dem Kind einen jungen Zweig um den Körper und setzte es in der oberen Welt aus. Der Vater fand das Kind und erkannte seinen Sohn an dem Zweig und schenkte ihm sein Reich. Diese Ahnenlegende soll vermutlich den alten Stammbaum der Pallavas belegen und sie so im südindischen Adel gut positionieren. Sie dürften ein kriegerischer Stamm gewesen sein, dafür sprich die Darbringung des vedischen Pferdeopfers. Mahendravarman I. (600 bis 630) war ein gebildeter Herrscher. Er schrieb sogar ein Thaterstück – „Die Wonne der Trunkenbolde“. Auf seine Zeit gehen die ältesten Felstempel im Mahabalipuram zurück. Ursprünglich Jaina wurde er zum Shivaismus bekehrt. Nach seiner Konversion verfolgte er Jainas und Buddhisten in ganz Tamil Nadu als Ketzer. Den größten Teil seiner Regierungszeit kämpfte er gegen die Chalukya Herrscher.

Seinen größten politischen Erfolg hatte Mahendravarman I. mit der Eroberung des Chera Reiches (Malabarküste/Kerala) indem er die Dynastie der Perumal absetzte. So entstand eine Union zwischen den Völkern der Malyalam und den Pallava, die bis zum 10.Jahrhundert andauerte. Sein Sohn Narasimhavarman I., der Mahamalla (der Ringer) genannt wurde konsolidierte das Reich und baute Mahabalipuram aus. Narasimhavarman II. ist der Erbauer des Kailasanatha Tempel in Kanchipuram und der Küstentempel in Mahabalipuram. Er bestieg 695 den Thron und regierte 27 Jahre lang als Friedensherrscher. Mit seinem Sohn stirbt die direkte Linie der Pallava aus. Nach heftigen Kämpfen besteigt Nandivarman II., ein Prinz aus einer Seitenlinie, den Thron. Er lässt den Vaikuntha-Perumal Tempel in Kanchipuram errichten. Im umlaufenden Relief ist die Genealogie und Geschichte der Pallavas in Stein gemeißelt. Er regierte über fünfzig Jahre.

Nandivarmans Sohn, Dantivarman (795 bis 845) saß ebenfalls lange am Thron aber seine Zeit ist geprägt von Krieg. Die Chalukyas waren zwar im Machtkampf der drei südindischen Staaten ausgeschieden aber die Pandyas im Süden und die Rashtrakutas blieben eine permanente Bedrohung. Erst seinem Sohn Nandivarman III. (844 bis 866) gelang es in einer Allianz mit den Cholas, Gangas und Rashtrakutas die Macht der Pandyas zu brechen. Die Kriege waren teuer, trotzdem gelang es ihm eine kleine Flotte aufzubauen, nicht nur für den Kampf sondern auch für den Seehandel mit Südostasien. Srivijaya (heute Thailand), Kambuju (heute Kambodscha) und Champa (heute Vietnam) waren die Handelspartner. Damals erreichte die Kultur Südindiens Indochina und veränderte dort viel.

Die Königsdynastie der Chola

Die Königsdynastie der Chola dauerte von 850 bis 1200. Im 9.Jahrhundert begann der Abstieg der Pallavas. Ihnen fehlte die Kraft um die sich regenerierenden Pandyas und die erstarkenden Cholas unter Kontrolle zu bringen und die Rashtrakutas von Kerala zurückzuschlagen. Nach Nandivarman III. wurden die Pallavas von den Pandyas aus Madurai vernichtend geschlagen und so zu Vasallen der Cholas. Die Cholas waren ursprünglich bis zum 9.Jahrhundert in der Gegend von Tanjur Vasallen der Pallavas. Einer dieser Cholas, Vijayalaya (846 bis 871), eroberte Tanjavur im Namen der Pallavas von den Pandyas. Allerdings erklärte er sich anschließend selbst zu einem Nachkommen des Sonnengeschlechtes und zum unabhängigen Herrscher. Die Pallavas ließen ihn gewähren und unterstützten seinen Sohn und Thronfolger Aditya I. der darauf das Herrschaftsgebiet weiter ausdehnte und den letzten Pallava König tötete.

Der dritte Chola König, Parantaka (907 bis 955) kämpfte erfolgreich gegen die die Pandyas und eroberte Madurai. Den Höhepunkt markieren Rajaraja I. (985 bis 1014) und sein Sohn Rajendra (1012 bis 1044). Ersterer führte erfolgreiche Kriegszüge nach Westen um sich Handelsrouten zu sichern und die Araber von der Malabar Küste zu vertreiben und nach Süden (Sri Lanka) sowie nach Norden um die reiche Provinz Vengi an der Godavari-Mündung zu kontrollieren. 1010 baute er mit dem Rajarajeshvara zu Tanjur seinen großen Siegestempel. Rajaraja machte den Chola Staat zum mächtigsten Staat Indiens. Er drang sogar bis zum Ganges vor und auch wenn er das Gebiet nicht halten konnte, so brachte er das heilige Wasser der Ganga nach Südindien. 1025 gründete er bei Kumbakonam seine neue Residenz, heute steht davon nur noch der Brihadishvara Tempel.

Rajadhiraja, Rajendras Sohn, war bereits früh zum König erzogen worden und führte ab 1044 die Politik seines Vaters nahtlos weiter. Seine erste Amtshandlung war es, das Teleguland und Vengi wieder den Chalukyas abzunehmen und deren Hauptstadt Kalyani zu zerstören und deren Kunstschätze zu klauen. 1054 fällt er in einer Schlacht gegen die Chalukyas und sein jüngerer Bruder Rajendra II. übernimmt für die nächsten 12 Jahre den Thron. Sein Bruder und Nachfolger Virarajendra (1063 bis 1070) führt weiter erfolgreich Krieg gegen die Chalukyas. Dann ist die Staatskasse leer und alle alten Feinde machen mobil. Die Singhalesen von Sri Lanka, die Pandyas von Madurai und das was von den Chalukyas noch übrig war. Kulottunga I. gelingt es allerdings mittels Diplomatie das Reich zu retten und eine Friedenszeit über mehrere Generationen beginnt. Dann kommt der Niedergang, kurz gebremst durch die Hoysalas und das Ende 1279.

Die Hoysalas

Mit der Schwächung des Chola Reiches geht der Verlust des Landfriedens Hand in Hand. Kleinere Stammeshäuptlinge stoppten den Warenverkehr und forderten Tribut. So konnten sich die Hoysalas, ursprünglich unbedeutende Vasallen der westlichen Chalukyas von Kalyani durch Wegelagerei ihr Einkommen aufbessern. Der Dynastiebegründer der Hoysalas, Vishnuvardhana, baute sich so in der ersten Hälfte des 12.Jahrhunderts eine Hausmacht auf. In der Folge profitierten die Hoysalas vom Konflikt der Chola Könige mit den Pandyas. Sie kämpften auf der Seite der Cholas und bremsten den Niedergang dieser Dynastie. Der Höhepunkt der Hoysalas ist zwischen 1220 bis 1245 anzusetzen. Letztlich wurden beide durch den Pandya Staat besiegt und vernichtet. Kulturell haben die Hoysalas mit Halebid, Belur und Somnathpur aber einige der großartigsten Tempel Südindiens hinterlassen.

Das Ende der frühen südindischen Dynastien

Ein blutiges Ende fanden alle südindischen Dynastien durch die massiven Angriffe der türkischen Heere im 14.Jahrhundert. Ala-ud-din drang 1294 in den Dekkhan ein und kehrte mit reicher Beute nach Delhi zurück. 1297 unterwarf er Gujarat, damals das reichste Königreich Indiens. 1310 begann sein Feldzug gegen Südindien. Er wollte das Hoysala-Reich plündern und bis zum Kap Komorin vordringen. Ala-ud-din war erfolgreich. Ballala III. der letzte König der Hoysalas wurde getötet, Madurai erobert und der große Tempel zerstört. Die Kriegsbeute war enorm. Dem Sultan war klar, dass er von Delhi aus niemals Südindien regieren könnte aber er wollte es tributpflichtig machen. Die Pandyas waren die ersten die revoltierten und dann wurde 1336 das Reich Vijayanagara gegründet, das für die nächsten zwei Jahrhunderte Südindien beherrschen sollte.

Vijayanagara und Bahmani

Zwei Hindu Brüder und Heerführer, die als Geiseln am Hofe Delhis gelebt hatten wurden freigelassen und kehrten in den Süden zurück. Harihara und Bukka waren zwar am Hof von Tughlug Khan zum Islam konvertiert und hatten dem Sultan Treue geschworen aber in Südindien angekommen brachen sie den Eid und kehrten zum Hinduismus zurück. Am Südufer des Tungabhadra Flusses, einem Nebenfluss des Krishna gründeten sie Vijayanagara – die Stadt des Sieges. Heute heißt der Ort Hampi und liegt im Bundesstaat Karnataka. Hier ließ sich Harihara I. 1336 zum ersten Herrscher des neuen Hindureiches krönen.

Nach dem Tod von Ballala III. wurde das Hoysala Reich in das Reich Vijayanagara inkorporiert. Bukka konsolidierte die Eingliederung 1344 und eroberte die Reste des Chalukya Reiches um Badami. Die Einheit des Südens war notwendig, denn Nordindien war ab dem 14.Jahrhundert unter muslimischer Herrschaft. 1347 bestieg der Steuereintreiber Hassan Zafar Khan als Bahman Shah den Thron der neu gegründeten Bahmani Dynastie des Dekkhan. Das Bahmani Reich wurde zum großen Gegenspieler Vijayanagaras. In Delih starb 1351, nach einem Vierteljahrhundert unbeschreiblicher Greueltaten an seinen Untertanen, der grausamste Regent seiner Zeit, Muhammad Ibn Tughluk. Ein arabischer Historiker kommentierte dazu: Der König war von seinem Volk befreit und das Volk von seinem König.

Die Grenze zwischen Vijayanagara und den fünf muslimischen Staaten des Dekkhan (Bijapur, Bidar, Golconda, Achmadnagara und Berar) bildeten die Flüsse Tungabhadra und Krishna. Die Geschichte des hinduistischen Südens ist geprägt durch permanenten Krieg mit den muslimischen Reichen des Dekkhan. 1509 wird Krishnadeva (Tuluva-Dynastie) im Alter von 25 Jahren zum Raja gekrönt. In den 20 Jahren seiner Regentschaft stieg Vijayanagara wieder auf: Der letzte Bahmani-Sultan wurde besiegt, das Bahmani Reich zersplitterte. Die Königsmacht war aber begrenzt. Der König selbst verwaltete nur das Kronland, ca. 77.700 Quadratkilometer am Tungabhadra. Den Rest des Reiches verwalteten ranghohe Minister und Befehlshaber. Angesichts der expansiven Politik Vijayanagars im 16. Jahrhundert war eine unzuverlässige Machtbasis problematisch. Krishnadeva hatte in den Jahren 1509/10 noch über die vereinigten muslimischen Sultanate triumphiert. Dem Regenten Rama Raya sollte das trotz anfänglich großer Erfolge nicht gelingen: Seine Politik endete in einer Katastrophe. 1650 endet das Reich Vijayanagar.

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