Kerala bedeutet Land der Kokospalme, der Bundesstaat wurde 1956 nach den Sprachgrenzen des Malayalam geschaffen. Mit 38.340 Km² Fläche ist er klein aber er ist dicht besiedelt. 2011 lebten hier 33.387.677 Menschen, das macht 859 Einwohner je km². Die Hauptstadt ist Trivandrum mit Sitz der 1937 gegründeten Universität. Die wichtigste Stadt ist Cochin. Kerala nimmt fast die gesamte Malabarküste ein (Küstenlänge rund 590 Kilometer). 27% der Bewohner sind Muslime, das ist viel, der Unionsdurchschnitt liegt bei 14,2%. Der Islam wurde in Kerala nicht wie in Nordindien durch zentralasiatische Eroberer, sondern schon deutlich früher durch arabische Händler eingeführt. So soll die Cheraman-Moschee in Kodungallur im Jahr 629 – also noch zu Lebzeiten des Propheten Mohammed – erbaut worden sein.

Kerala war der erste Bundesstaat mit einer kommunistischen Regierung (bis 1981). Die Landessprache ist Malayalam, was soviel wie Hügel (malai) und Tiefe (alam) bedeutet, die Sprache der Menschen aus dem „Land der Hügel“. Die Sprache ist Teil der dravidischen Sprachfamilie und wird von 37 Millionen Menschen gesprochen, es ist eng mit dem Tamil verwandt. Kerala hat über sechs Millionen Christen, das ist die größte christliche Population aller indischen Bundesstaaten. Die Christen Keralas sind vor allem Thomaschristen die ihren Ursprung bis auf den Apostel Thomas zurückführen. Sie sind fest in die Gesellschaftsordnung integriert. Sie werden als konvertierte Brahmanen gesehen und gehören damit zu den oberen Schichten (Kasten) in Kerala. Dagegen sind die Angehörigen der Lateinischen Kirche und der protestantischen Missionskirchen meist aus niedrigen Kasten oder kastenlose Konvertiten.

Wieso war Kerala einst kommunistisch?
Von oben sieht Kerala wie ein riesiger grüner Teppich aus, fern am Horizont begrenzt von einer Bergkette. Unzählige Wasserläufe unterteilen wie Steppnähte das Land in Quadrate und Rechtecke. Näher betrachtet ist das Grün nicht Reis oder Wiese, es sind ausgedehnte Palmwälder in deren Schatten sehr viele Menschen wohnen. Kerala ist so dicht besiedelt, dass es sich trotz Fruchtbarkeit und guten Klima, nicht selbst ernähren kann. Die sozialen Spannungen waren und sind hoch. Das Kastenwesen hat hier eine besondere Bedeutung, gleichzeitig leben verschiedenste Gruppen (Hindus, Muslime, Christen und Parsen) eng zusammen. Die Politik hat diese Spannungen immer benützt, die Kommunisten waren dabei am geschicktesten. Klassenkampf war in Kerala immer Kastenkampf, die meisten Anhänger der KP rekrutierten sich aus den untersten Kasten. Die Ezhavas zum Beispiel, deren Aufgabe es war Palmwein herzustellen, waren fast alle Anhänger der Kommunisten.

Kerala war Chera-Land
Kerala oder Chera war der Name eines der drei dravidischen Königreiche des Tamillandes. Es war jenes das am westlichsten gelegen war, neben den Reichen der Cholas und Pandyas. Das Territorium der Cheras umfasste den heutigen Malabar-Distrikt mit Travancore und Cochin, später auch das Kongu-Land, den Distrikt Coimbatore und einen Teil von Salem. Der früheste Hinweis auf Chera findet sich im 2.Edikt Ashokas (3.Jh.vC.). Hier wird es „Keralaputra“ genannt. Im 1.Jh.vC. erwähnt Plinius dieses Reich als „Kerobothra“. In der alten Tamil-Literatur wird Kerala immer als „Cheraland“ bezeichnet. Der Handel mit dem römischen Reich brachte Reichtum. Cranganore im Distrikt Trichur war damals der wichtigste Hafen der Westküste.
Laut Mythologie ist Parashurama, der sechste Avatar Vishnus, ein mythischer Brahmane, der Gründer von Kerala. Auf der Suche nach Land für seine Krieger bat er die Götter um Hilfe. Er musste seine Axt von einem Berg im jetzigen Norden Keralas werfen. Dort, wo seine Axt landete, verwandelte sich das Meer in Land und der Teil zwischen den Bergen und dem Meer wurde zum heutigen Kerala. Tatsache ist, dass Kerala aufgrund der dichten Dschungelgebiete später als andere Regionen Indiens besiedelt wurde. Erst in der Sangam Ära (300 vC. bis 200 nC.) lassen sich sichere Aussagen über Keralas Geschichte treffen. Die mittlere Malabarküste wurde von den Cheras kontrolliert, einer ursprünglich in Tamil Nadu herrschenden Dynastie. Sie waren die mächtigsten Herrscher der Region und führten zahlreiche Kriege gegen andere tamilische Dynastien wie die Cholas und Pandyas. Ihre Hauptstadt war Vanchi, dessen genaue Lage aber bis heute umstritten ist.

Im „Dunklen Zeitalter“ oder „Kalabhra-Interregnum“ verschwinden die Cheras von der Bildfläche. Im Jahre 800, unmittelbar nach dem Untergang der Kalabhras, gelingt es den Cheras unter König Kulasekhara (800–820), ihre Macht wiederherzustellen. Mit der Gründung von Kollam (825) beginnt die Malyalam Zeitrechnung. Der wichtigste König des Zweiten Chera-Reiches ist Sthanu Ravi Varman der den Seehandel aufblühen lässt. Zu seiner Zeit kommt 851 der Islam in Südindien an. Als er stirbt beginnen wieder die Kriege gegen die Cholas. Während der Herrschaft des letzten Chera-Königs Rama Varma Kulasekhara (1090–1102) nehmen die Cholas die Hauptstadt Muziris (Mahodyapuram) ein. Mit seinem Tod geht auch sein Reich zugrunde.
Aus den Trümmern des Chera-Reiches entstehen mehrere unabhängige Königreiche. Die wichtigsten waren Venad (Travancore), Nediyirippu Swarupam unter der Herrschaft der Zamorine (Herrscher der See) von Calicut (Kozhikode) und Perumpadappu Swarupam (Cochin). Venads erster bedeutender Herrscher war Udaya Marthanda Varma (1175–1195). Die Hauptstadt Quilon (Kollam) entwickelte sich zu einer wohlhabenden Hafenstadt, sie wurde angeblich 1275 von Marco Polo besucht. Venads Blütezeit war unter Ravi Varma Kulasekhara (1299–1314), dann wird es bedeutungslos und gewinnt erst im 18. Jahrhundert als Travancore wieder an Bedeutung. Marthanda Varma erbte 1729 die kläglichen Überreste des einst mächtigen Venad. Er eroberte jedoch zahlreiche kleinere Fürstentümer und schloss sie zum Reich von Travancore zusammen. 1741 gelang es ihm sogar, die Niederländer zu schlagen. 1791 wird es britisches Protektorat.

Die Kunstgeschichte Keralas
Aus der ganz frühen Zeit gibt es nicht viel. Aus dem mittleren Paläolithikum (vor 50.000 Jahren) stammen Acheuleen-Werkzeuge, von den Sammlerkulturen des Mesolithikums (4.000 vC) hat man Mikrolithen. Es gibt noch rezente Stämme, die so leben (Kadar, Urali, Malapandaram). Aus der Megalithzeit gibt es viele Funde. Buddhistische Tempel oder Jain Heiligtümer sucht man vergeblich, es gibt aber Buddha Bildnisse aus der Zeit des 7. bis 9.Jahrhunderts (Alleppey und Quilon). Von den Jains findet man Tirthankara Reliefs vom 9. bis zum 11.Jahrhundert. Von den Hindu-Höhlentempeln ist der Kaviyur aus der Pandya Zeit der schönste in Kerala. Von den frühen freistehenden Tempeln ist nichts erhalten, sie wurde aus Laterit oder Holz errichtet und sind verschwunden. In Kerala wurden ursprünglich vorwiegend kreisrunde Schreine errichtet. Das Schrägdach, meist mehrfach übereinander gestaffelt, ist ein Charakteristikum der Tempel Keralas.

Das was man heute sieht ist die späte Phase der Tempelarchitektur (1300 bis 1800). Die Grundformen sind vielfältig, sie reichen von eckig über apsidial bis kreisförmig. Gegenüber dem Zentralschrein liegt das grundsätzlich quadratische Namaskara-Mandapa mit Pyramidendach (Gemeindehalle) und das Balikkal Mandapa (Pfeilerhalle) unmittelbar nach dem Eingangsbereich. In manchen Tempeln finden sich Fresken. Ein gutes Beispiel dafür ist der Vaikom, ein Shiva Tempel, aus dem frühen 16.Jahrhundert. Laterit ist nicht „schön“ und hat eine raue Oberfläche, das verleitet dazu ihn mit Gipsschichten zu verkleiden und das wiederum führt zur Freskenmalerei. Diese war in Kerala weit verbreitet, die schönsten Fresken finden sich im Mattancheri Palast in Cochin.
