Jede der drei Städte besitzt eine große Festung der Yaruba Dynastie, die größte steht in Bahla und ist UNESCO Weltkulturerbe. Ähnlich wie im Jemen gab es auch im Oman eine Zeit wo Imame das Land regierten, im Oman waren es die Ibaditen, die das Imamat installierten. Diese Geschichte beginnt bereits in der Frühzeit des Islam. Mit Nasir ibn Murschid, der im Kampf gegen die Portugiesen die Stämme vereint und sich zum ersten erblichen ibaditischen Imam wählen lässt, setzt sie sich fort. Sein Prestige war so hoch, dass in Folge das Imamat in der Blutlinie weitergegeben wurde. Nur noch Mitglieder des Yaruba-Clans wurden zu Imamen gewählt und sie bauten Festungen, große Festungen, wie in Bahla, Jabrin und Nizwa.

Das ibaditische Imamat im Oman
Auslöser für das erbliche ibaditische Imamat waren die Portugiesen. Nachdem sie 1507 Muscat und später auch Suhar und Sur erobert hatten, kontrollierten sie den omanischen Überseehandel. Das erzeugte eine Gegenreaktion und die kam in Form von Nasir ibn Murschid. Der Begründer des erblichen ibaditischen Imamat im Oman regierte von 1624 bis 1649 von Rustaq aus. Seine militärischen Erfolge gegen die Portugiesen, die Vereinigung der Stämme und eine gute Verwaltung des Landes führten dazu, dass das Imamat erblich wurde. Unter seinem Nachfolger, Sultan ibn Saif I., wurde die Handels- und Kriegsflotte ausgebaut und der Kampf gegen die Portugiesen fortgesetzt, bis diese 1650 endgültig den Oman verließen.
Der Oman war frei aber die Portugiesen wurden weiterhin bekämpft. Bis 1743 hatten die ibaditischen Imame sie aus all ihren ostafrikanischen Besitzungen nördlich des Kap Delgado vertrieben. Das bescherte dem Oman eine wirtschaftliche Blüte, er kontrollierte nun den Zwischenhandel zwischen Indien und Südostasien sowie Arabien und der Sklavenhandel (Ostafrika) florierte. Der Ausbau des Systems der Afladsch (Bewässerungskanäle) sorgte für gute Erträge in der Landwirtschaft. Die Gewinne wurde teilweise verbaut – die Residenzen in Nizwa, Rustaq und Jabrin entstanden.

Mit Saif ibn Sultan II. begann der Niedergang der Dynastie. Er war noch minderjährig als er das Amt antreten musste, das motivierte andere dazu, ihm seine Position streitig zu machen. Das Resultat waren viele Jahre Bürgerkrieg. In seiner Not holte Saif ibn Sultan II. zweimal, 1736 und 1741, persische Truppen in das Land, um sich als Imam durchzusetzen. Das brachte die Stämme gegen ihn auf und so führte sein Versuch die Dynastie der Yaruba zu bewahren zu deren Ende. Ein gewisser Ahmad ibn Said vereinigte die Stämme und vertrieb die Perser. Er war der Begründer der bis heute regierenden Said-Dynastie.

Bahla Festungsstadt und Oase
In Bahla steht die größte Lehmfestung des Oman aus dem 17.Jahrhundert, Hisn Tamah, benannt nach seinem (vermutlichen) Erbauer. Erbaut ist das Fort auf den Resten einer älteren, vermutlich persischen, Anlage. Die Basis besteht aus einem Mix von Natursteinen und Lehmziegeln, der Aufbau besteht nur aus Lehmziegeln. Die 60.000 Einwohnerstadt liegt auf einem Hügel über dem breiten, steinigen, Wadi Bahla. Wann genau gegründet, das weiß man nicht, vielleicht um das 12.Jahrhundert, da war es bereits Hauptstadt und Residenz der Nabhani Dynastie.
Bahla hat nicht nur die größte Festung, es hat auch die längste Stadtmauer des Oman. Sie ist 13 Kilometer lang und bis zu 5m hoch, sie umschließt nicht nur Festung und Stadt sondern auch die Palmeria. Angeblich wurde die Mauer vor etwa 600 Jahren von einer Frau namens Gheitha geplant und erbaut aber es könnten auch Jinnis (Geister) gewesen sein, die sie in nur einer Nacht errichtet haben.

Die Nabhani Dynastie
Die Nabhaniden haben im Oman von 1154 bis 1624 geherrscht, dann übernahm die Yoruba Dynastie die Macht. Sie sind die ersten Bauherren der Festung von Bahla. Schon in der Zeit des frühen Islam wurden die Stämme des Oman von Imamen angeführt die als religiöse und weltliche Herrscher fungierten. Schon 751 wurde der erste ibaditische Imam in Nizwa gewählt. Im 9.Jahrhundert kam eine Untergruppe des Azd Stammes, die Al-Yahmadi an die Macht. Sie führten ein neues Wahlsystem für das Imamat ein. Die Ulema (Rechtsgelehrte) der Bani Sama (der größte Stamm der Nizari Stämme des inneren Oman) wählten ab nun den Imam. Das ging gut bis zur Seldschuken-Invasion (11./12.Jh.), dann (1154) vertrieben die Nabhani die Seldschuken und kamen so an die Macht.
Die Nabhani gehören zum großen Clan der Azdi (Al Azd ein sabäischer Clan), die damals den inneren Oman beherrschte. Nach dem Fall der Makramiden Dynastie wurden sie von den Buyiden zu Gouverneuren von Sohar gemacht. Während der Seldschukenherrschaft gelang es den Nabhani ihre Macht zu behalten und nach dem Fall der Seldschuken konnten sie ihre Macht ins Innere des Oman ausdehnen (Nizwa, Rustaq). Der Weihrauch aus Dhofar hat die Nabhani reich gemacht, sie kontrollierten im Mittelalter einen Teil der Weihrauchstraße, jenen der via Sohar nach Yabrin und von dort nach Bahrain, Baghdad und Damaskus führte.

Die Nabhani waren keine Imame, sie regierten als „Muluk“, König, Mohammed al-Fallah, der 1154 an die Macht kam tat dies als König. Das Imamat hatte zu dieser Zeit keine realpolitische Macht. Der damalige Verfall des Imamats resultierte aus dem Umgang mit dem Amt per se, der jeweils mächtigste Stamm beanspruchte den Titel hatte aber nicht die Kraft das Amt des Imam mit politischer und militärischer Macht auszustatten. Die Nabhani dagegen hatten die Kraft sich durchzusetzen. Die Festung Hisn Tamah, in ihrer Hauptstadt Bahla, ist ein Symbol ihrer Macht.
Die Nabhani konnten ihre Herrschaft über die Stämme des Oman bis in das 15.Jahrhundert durchsetzen, dann übernahm wieder das Imamat die Führung. Der Nidergang der Nabhani kam aber nicht plötzlich, er dauerte bis zum 17.Jahrhundert an. Die Region um Bahla konnten sie am längsten halten. Letztlich war es die Invasion der Portugiesen, die sie zu Fall und die Yaruba Dynastie an die Macht brachte. Ihre Festung in Bahla wurde im frühen 17.Jahrhundert teilweise zerstört und dann später von den Yarubas wieder aufgebaut.

Damit ist die Geschichte der Nabhani aber noch nicht vorbei. Sie schafften es auch unter der frühen Yaruba Dynastie einen Teil ihrer Macht zu behalten indem sie ihre Loyalität von den Bani Rawaha auf die Bani Riyam verlagerten und im Gegenzug „Tamimah“ (Prinzen) der Jabal al-Akhdar Region wurden. Sie wurden erst 1956, im Jabal Akhdar Krieg vertrieben. Ein gewisser Suleiman bin Himyar Al-Nabhani, damals Sheikh der Bani Riyam verlor den Krieg und floh anschließend nach Saudi Arabien und blieb dort bis 1996 im Exil.

Die Festung Jabrin
Die Festung gehört zu den schönsten und interessantesten Gebäuden des Oman und war ursprünglich keine Wehranlage sondern ein Wohnschloss. 1984 wurde es generalsaniert und kann im Inneren besichtigt werden. Die Einrichtung mit traditionellen Gegenständen und antiken Möbelstücken gibt einen guten Einblick in das höfische Leben des mittelalterlichen Oman. Die Festung wurde in der Zeit der Yauruba Dynastie von Imam Bil’arab bin Sultan erbaut, der von 1679 bis 1692 regierte. Er ist auch in der Festung bestattet. Eine Besichtigung mit Audioguide dauert etwa 25 Minuten.
Bil’arab bin Sultan war der Sohn des Erbauers der Festung von Nizwa, 1670 verließ er Nizwa und baute sich seine eigene Burg – Jabrin. Als er dann 1688 zum Imam gewählt wurde, verlegte er auch die Hauptstadt von Nizwa nach Jabrin. Er förderte und finanzierte Astrologen, Rechtsgelehrte, Historiker, Mediziner und Dichter, außerdem gründete er eine Theologieschule. Sein Bruder wurde zu seinem Konkurrenten, Saif forderte Bil’arab heraus nachdem er sich die Unterstützung einiger Stämme gesichert hatte. So war Bil’arab gezwungen seinen Palast in eine Festung zu verwandeln.

Nachdem Saif von seinen Anhängern zum neuen Imam gewählt worden war, belagerte er mit seiner Armee die Burg Jabrin. Bil’arab saß nun in seinem goldenen Käfig fest, denn besiegen konnte er seinen Bruder nicht. Er starb während der Belagerung und sein Bruder Saif verlegte seine Residenz nach Rustaq. Um Jabrin kümmerte sich Saif nicht, er war damit beschäftigt die Portugiesen aus den ostafrikanischen Kolonien zu vertreiben und machte den Oman zu einer Seemacht. Nach seinem Tod brach der nächste Machtkampf aus und Jabrin wurde für kurze Zeit wieder Residenz.

Nizwa
Nizwa hat etwa 65.000 Einwohner und ist das Zentrum des omanischen Kernlandes. Es ist eine Oasenstadt und liegt am Südrand des Hajar Gebirges, nahe dem Jabal al-Akhdar, dem höchsten Bergmassiv des Oman. Die Palmenhaine und Gärten werden von der alten Festung überragt. Diese besitzt den größten Turm des Oman – mit 45m Durchmesser und 35m Höhe ist er unübertroffen. In Nizwa gibt es über 500 Jahre alte Falaj-Kanäle und sie transportieren noch immer das Wasser in die Oase. Nizwa ist auch ein alter Handelsplatz mit einem großen Souq.
Nizwa war immer ein politisches und religiöses Zentrum im Oman. Bereits 751 wurde hier der erste Imam der Ibaditen gewählt. Bis ins 12.Jahrhundert war Nizwa Hauptstadt und wurde dann, unter den Nabhani von Bahla abgelöst. Ab dem 17.Jahrhundert, zur Zeit der Yaruba Dynastie war es dann immer wieder Hauptstadt. Diesen Status verlor sie erst endgültig als Sultan Said ibn Taimur 1955 mit Hilfe der Briten den Inneren Oman eroberte. Heute gehört Nizwa zu den sehenswertesten Orten des Oman und ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge zum Beispiel zum Jabal Al-Akhdar.

Anfang des 17.Jahrhunderts wurde Nizwa die Hauptstadt der Yaruba Dynastie, die Festung wurde auf einem Fundament des 12.Jahrhunderts in den 1650 Jahren unter der Herrschaft von Sultan ibn Saif I. errichtet. Die Wehranlage war der administrative Sitz der Imama und Wali (Vizekönig/Gouverneur) der Region. Die Bauzeit ist in Relation zur Größe ziemlich kurz, nur 12 Jahre hat es gedauert bis die Burg fertig war. Durch das erste Tor kommt man in den Innenhof mit Cafe, durch das zweite Tor betritt man den eigentlichen Festungsbereich in dem sich ein kleines Museum befindet.

Nizwa ist eine Stadt mit langer Geschichte. Im 6. und 7.Jahrhundert war es bereits die Residenz der Julanda Dynastie. Hier wurde Julanda bin-Masud zum ersten ibaditischen Imam gewählt. Auch wenn Nizwa im 12.Jahrhunder den Hauptstadtstatus an Bahla abgeben musste, es blieb das geistige und religiöse Zentrum der Ibaditen. Während der Yaruba Dynastie war Nizwa immer wieder Residenzstadt und als 1959 die Hauptstadt endgültig verlegt wurde hoffte man bis in die 1970er Jahre, dass Nizwa wieder Sitz der Regierung würde. Das ist nicht passiert aber die Stadt ist quasi die zweite, die heimliche Hauptstadt des Oman.
