Muscat hat nichts mit der Muskatnuss zu tun, der arabische Name teilt sich in das Wort „Ma“ (Ort) und „Saqat“ (fallen), es ist also der Ort des Fallens und vermutlich ist damit ein Anker gemeint. Das wiederum bezieht sich auf den Ankerplatz, der Muscat immer war. Die Muskatnuss leitet sich von „nuces moschatae“ ab, das heißt so viel wie „nach Moschus riechende Nüsse“. Die mittelalterlichen Namensgebungen waren meist pragmatisch. Die Lage der Stadt zwischen den hohen tiefschwarzen Felsen ist großartig aber sie hat einen Nachteil – wenig Platz. Daher ist Alt-Muscat noch immer sehr klein aber die sogenannte Capital Area ist ziemlich groß.

Den Großraum Muscat teilt man ein in Alt Muscat mit den südlichen Orten, Mutrah mit dem Hafen Mina Qaboos, Ruwi und das Wadi Kabir inklusive dem Mutrah Business District sowie die westlichen Vororte. Die Muscat Capital Area erstreckt sich also im Nordosten des Oman zwischen der Küste des Golfs von Oman und dem Hajar Gebirge als 50 Kilometer langer und fünf bis acht Kilometer breiter Streifen zwischen Muscat im Osten und Sib im Westen. Es ist das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zentrum, das sich rund um die kleine Hauptstadt gebildet hat und oft mit Muscat gleichgesetzt wird. In der Muscat Capital Area und Umgebung lebten im Jahr 2010 56 % der Bevölkerung des Oman auf einer Fläche, die nur 5,3 % des Landes umfasst.



Große Sultan-Qaboos-Moschee
Obwohl Muscat relativ jung ist gibt es doch eine Menge von sehenswerten Orten und Gebäuden. In Qurum zum Beispiel liegt die große Sultan Qaboos Moschee. Sie ist die größte des Landes und eine der wenigen, die auch von Nicht-Muslimen besucht werden darf. 1992 beschloss der Sultan seinen Namen mit einer Moschee zu verewigen. Nach einem beschränkten Architekturwettbewerb wurde 1995 mit den Bauarbeiten begonnen und 2001 wurde feierlich eröffnet. Sie ist groß, 4 ha nimmt der Komplex ein. Man hat 300.000 Tonnen indischen Sandstein verbaut und im Inneren hängt der größte Kronleuchter der Welt.

Der Gesamtkomplex besteht aus einer großen Männergebetshalle, einer kleineren Frauengebetshalle, fünf Minaretten (die fünf Säulen des Islam), zwei großen Riwaqs (Bogengänge), einem islamischen Informationszentrum sowie einer Bibliothek. Die Gebetsräume bedecken eine Fläche von 5535 m² und bieten Platz für 6500 Männer und 750 Frauen. Gebaut wurde die Moschee von Makiya Associates und Quad Design für 18 Millionen Rial. Im Islamischen Zentrum wird die Schule der Ibaditen erklärt.
Die Ibaditen
Die Ibaditen sind der einzige bis heute existierender Zweig der Kharijiten. Diese entstanden aus einer Gruppe von Muslimen, die sich in dem Konflikt um die Herrschaft zwischen dem vierten Kalifen Ali und seinem Widersacher Muʿāwiya gegen beide stellten, weil sie sie als Imam also als Vorsteher der Umma ablehnten. Später leisteten die Ibaditen heftigen Widerstand gegen das sunnitisch umayyadische Kalifat, grenzten sich aber auch gegen die Schiiten ab. Sie vertraten die Auffassung, dass prinzipiell jeder Muslim das Recht habe, das Imamat beziehungsweise das Kalifat zu übernehmen – und nicht nur Nachkommen des Propheten, wie es die Schiiten lehren oder die Angehörigen des Stammes der Quraish, wie es die Auffassung der Sunniten ist.
Der Zweig der Ibaditen ist benannt nach seinem legendären Gründer, Abd Allah Ibn Ibad, der im 7.Jahrhundert gelebt haben soll. Für die Ibaditen sind Sunniten und Schiiten „Kuffar“ (Ungläubige) aber ein Zusammenleben ist mit ihnen möglich. Sie erlauben auch die Heirat mit anderen Muslimen. Ihre Auffassung von Theologie und Recht ähnelt jener der Sunniten. Allerdings glauben sie, dass der Koran nicht „ewig“ ist sondern erst zur Zeit der Propheten Mohammed geschaffen wurde. Ibaditen leben im Oman, Ost-Afrika, Libyen, Tunesien und Algerien. Im Oman stellen sie etwa 45% der muslimischen Bevölkerung.

Alt Muscat
Die Hauptstadt des „neuen“ Oman sollte ein Symbol für diesen Neuanfang sein und so hat man 1984 große Teile der ursprünglichen Medina inklusive Souq Dakhel abgerissen. Innerhalb der Stadtmauer stehen heute Palast-und Regierungsgebäude. Aus Alt-Muscat ist ein herausgeputzter Verwaltungs-und Repräsentierbezirk geworden. Die Neugestaltung ist aber sehenswert und kann zu Fuß absolviert werden. Von den alten „Baits“ (Häusern) steht nicht mehr viel aber mit dem Bait Fransa, in dem sich das Omani-French Museum befindet, ist eines der großen Häuser der reichen Händlerfamilien erhalten geblieben. Auch die ehemals portugiesische Stadtmauer steht noch, in ihrer rekonstruierten Form aus 1979, und zwei Festungen sind erhalten geblieben, Fort Mirani und Fort Jalali.

Beim Bait Garaiza befindet sich der Diwan (Büro des Sultans) und der Qasr al-Alam, der Sultanspalast. Der Sultan wohnt hier allerdings nicht, seine Residenz liegt bei Seeb. Der Palast wird nur für offizielle Anlässe und dem Empfang von Staatsgästen genutzt. Eine erste Residenz existierte hier schon seit Beginn des 19.Jahrhunderts, die heutige Anlage ist ein erweiterter Neubau aus den frühen 70er Jahren.
1970 begannen die Abbrucharbeiten am alten Bayt-al-Alam-Palast, 2 Jahre später wurde er durch den im anglo-indischen Stil gehalten Qasr al-Alam ersetzt. Hierfür wurde das gesamte Hafenviertel zwischen dem Fort al-Mirani und der ehemaligen britischen Botschaft abgerissen und in die Palastanlage integriert. Außerdem wurde Mitte der 1970er Jahre das von indischen Händlern bewohnte Viertel al-Banyan dem Erdboden gleichgemacht und ebenfalls mit in die Anlage einbezogen. Der Souq Dakhel ist heute verschwunden, der Palast und seine Umgebung sind schön aber die alte Lebendigkeit des Marktviertels gibt es nicht mehr.

Der Stadtteil Muttrah
Muttrah ist mit über 150.000 Einwohnern groß, es liegt nur 3 Kilometer westlich von Alt-Muscat an und ist Teil der Capital Area. Vor der Entdeckung des Erdöls war die Stadt das Handelszentrum des Oman. Heute hat Muttrah den größten Hafen des Landes. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die zwei Forts, der Fischmarkt und die Corniche und natürlich der Souq. Er ist der größte des Oman und einer der ältesten der arabischen Welt. Der Riyampark ist ein öffentlicher Park am Rande Muttrahs – dort steht auch das Wahrzeichen, ein überdimensionaler weißer Weihrauchbrenner. Verwaltungstechnisch ist Muttrah eine der Wilaya des Gouvernements Muscat. Weitere bekannte Orte sind unter anderen Ruwi und Qurum.
Muttrah wurde erst interessant als der Seehandel abflaute und der Inlandshandel zunahm, denn die Stadt ist zum Inland hin offen. Der Hafen wurde wieder wichtig als Dampfschiffe eingesetzt wurden, denn er ist tief genug für größere Schiffe. Trotz Modernisierung ist Muttrah relativ ursprünglich geblieben und hat sich seinen orientalischen Charakter bewahrt. Der Souq ist sehenswert, das Angebot ist nach Warengruppen getrennt, so wie es auf arabischen Märkten üblich ist. Die Corniche mit ihren weiß gekalten Häusern ist ebenfalls einen Abstecher wert.



Die weißen Häuser an der Corniche von Muttrah
