Chidambaram

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Der Nataraja Tempel von Chidambaram in Tamil Nadu ist Shiva in seiner Erscheinungsform als „König des Tanzes“ geweiht. Hier soll Shiva seinen kosmischen Tanz getanzt haben. Der Tempel ist eines der wichtigsten Shiva-Heiligtümer Indiens. Chidambaram scheint bereits früh ein religiöses Zentrum gewesen sein. Historisch belegt ist es seit dem 7.Jahrhundert, ab da wird es in der tamilischen Dichtung erwähnt. Die Dichter Appar, Sambandar und Sundaramurti haben Shivas Tanz in Tillai, so hieß der Ort damals, in ihren Teveram-Hymnen besungen. Was man heute sieht stammt aus der Spätzeit der Chola Dynastie (11. bis 13.Jahrhundert) mit Erweiterungen aus der Pandya-und Vijayanagar-Zeit (13. bis 16.Jahrhundert). Der Nataraja Tempel ist ein großartiges Beispiel der dravidischen Tempelarchitektur.

Der Nataraja Tempel hat einen rechteckigen Grundriss und ist nach geometrischen Prinzipien aufgebaut. Mit 15 Hektar ist er relativ weitläufig. Er besteht auf vier konzentrischen Bereichen, die um den Hauptschrein gruppiert sind in dem Shiva Nataraja verehrt wird. Neben dem Hauptschrein gibt es weitere Nebenschreine, mehrere große Tempelhallen, ein Tempelteich und vier Gopurams. Es ist ein über die Zeit gewachsener Tempelkomplex, es ist teils schwierig zu sagen wie alt die einzelnen Gebäudeteile sind. Was man sicher weiß: Nichts ist älter als das 11.Jahrhundert, mit Ausnahme des Hauptschreins, dessen Ursprünge weiter in die Vergangenheit zurückreichen.

Die hauptsächlichen Bauherren waren die Chola-Könige, denn Nataraja war ihr „Familiengott“, daher war es nur natürlich, dass sie aus dem kleinen Schrein von Chidambaram einen großen Tempel machten. König Aditya (871 bis 907) oder vielleicht auch erst sein Sohn, Parantaka I. (907 bis 955) setzte dem Schrein ein Dach aus Gold auf. Rajaraja I. (985 bis 1014) er markiert den Höhepunkt der Chola-Macht, interessiert sich nicht sehr für den Nataraja Tempel, er ist mit dem Ausbau von Tanjore beschäftigt. Sein Sohn und Nachfolger Rajendra I. (1014 bis 1044) ist auf Gangaikonda Cholapuram konzentriert, auch er vernachlässigt den Nataraja Tempel. Erst unter Kulottunga I. (1070 bis 1120) rückt der Tempel in Chidambaram wieder in den Fokus. Die späten Chola-Könige wählten Chidambaram als Krönungsort und dürften hier auch residiert haben. Was man heute sieht stammt aus der Zeit von Kulottunga und seinen Nachfolgern.

Mit dem Niedergang der Chola Dynastie im 13.Jahrhundert fiel das Gebiet an die in Madurai residierenden Pandyas. Sie haben nur einige Umbauten vorgenommen. Nach dem muslimischen Intermezzo werden gegen Ende des 14.Jahrhunderts die Vijayanagara Herren des Tempels. Auch sie nehmen nur kleinere Restaurierungs-und Umbauarbeiten vor. Während der Karnatischen Kriege, im Zuge derer Großbritannien und Frankreich um Südindien kämpften wurde der Nataraja Tempel als Festung missbraucht. Immerhin hat man das Götterstandbild in dieser Zeit in Tiruvanur in Sicherheit gebracht. Shiva Nataraj kehrte erst 1773 wieder nach Chidabaram zurück. Ab dem 19.Jahrhundert kümmerten sich die Nattukottai Chettiars um den Tempel und finanzierten seine Instandhaltung.

Von Bernhard Peter

Der Tempel hat einen Grundriss von 450×330 Metern, das ergibt eine Fläche von 15 Hektar. Der Mittelpunkt ist der Schrein mit dem Shiva Nataraj. Je weiter man in den Tempel vordringt umso „heiliger“ wird es. Die vier Tore im 3.Prakara haben Gopurams (1-4) im 3.Prakara befindet sich auch der Tempelteich (5), zwei große Säulenhallen – die 100-Säulenhalle (6) und die 1000-Säulenhalle (7) sowie die Nebenschreine für Parvati in ihrer Form als Shivakamasundari (8) und seine Söhne Murugan (9) und Ganesha (10). Zum 2.Prakara gehören einige Kolonnaden und Korridore sowie zwei Tempelhallen – die Deva Sabha (11) und die Nritta Sabha (12) – der Mulasthana Schrein (13) sowie weitere kleinere Schreine. Im 1.Prakara liegen der Govindaraja Schrein (14) und das Allerheiligste mit der daran angeschlossenen Kanaka Sabha (15)

Shivakamasundari-Schrein

Das Allerheiligste wird als „Chit Sabha“ (Halle des Bewusstseins) bezeichnet, hier steht Shiva Nataraj als 1m hohes Bronzebild. Das Allerheiligste ist rechteckig und aus Holz gebaut mit einem vergoldeten Dach, das an ein Strohdach erinnert. Shiva ist nach Süden ausgerichtet. Eine ungewöhnliche Anlage. Normalerweise ist ein Allerheiligstes quadratisch und das Götterbild blickt nach Osten, außerdem erhebt sich ein Vimana über der Kultzelle. Das Allerheiligste steht auf einer 1m hohen Plattform und öffnet sich zur der direkt angebauten Kanaka Sabha (Goldenen Halle). Deren Dach ist formal ident aber aus Kupfer.

Der zweitwichtigste Schrein ist Shivas Ehefrau und Shakti geweiht, hier wird Parvati als Shivakamasundari verehrt. Dieser Schrein stammt aus der Chola Zeit, er befindet sich im 3.Prakara und hat eine eigene Umfassungsmauer. Dem Schrein vorgebaut ist eine Säulenhalle aus dem 17.Jahrhundert. Im 3.Prakara befinden sich auch die Schreine von Shivas Söhnen – Murugan (Subramanya) und Ganesha (Vinayaka). Der Murugan Schrein stammt aus der Pandya Zeit des 13.Jahrhunderts. Im 2.Prakara gibt es einen Schrein für das Lingam und im 1.Prakara ein 1539 errichteter Schrein für Govindaraja (Vishnu).

Ratha – Tempelwagen für Prozession

Das wichtigste Tempelfest in Chidambaram findet im Tamilmonat Markali (Dezember/Jänner) statt. Es dauert 10 Tage und umfasst Flagge hissen, mehrere Prozessionen bei denen Götterbilder durch die Stadt getragen werden und erreicht seinen Höhepunkt am 9.Tag. An diesem Tag wird das Bronzebild von Shiva Nataraja auf einen Ratha (Prozessionswagen) gesetzt und der Tempel umrundet. Am 10.Tag ist die große Abhisheka Zeremonie – Shiva wird gebadet und gesalbt. Im Tamilmonat Ani (Juni/Juli) findet ein dem Markali ähnliches Tempelfest statt. Im Tamilmonat Masi (Februar/März) mach Shiva einen Ausflug ans Meer.

Die Gopurams in Chidambaram

Das auffälligste architektonische Merkmal von Chidambaram sind seine Gopurams. Die Türme im 3.Prakara sind etwa 42m hoch. Der älteste Torturm ist der Westgopuram aus 1175, gefolgt von dem Ostgopuram (1200) und dem Südgopuram (1250). Der Nordgopuram ist relativ jung, er wurde im 13.Jahrhundert begonnen aber erst im 16.Jahrhundert von dem Vijayanagar König Krishnadevaraja fertiggestellt. Die Tortürme bestehen aus einem massiven zweistöckigen Steinsockel, einem 7 Stockwerke hohen pyramidalen Überbau und einem Dachaufsatz. In den Sockeln sind Erscheingsformen Shivas aber auch anderer Götter dargestellt. Im Ost-und im Westgopuram befinden sich Reliefs die die 108 Tanzpositionen des klassischen indischen Tanzes zeigen. Der Haupteingang in den Tempel führt durch den Ostgopuram.

Shiva Nataraja

Das Tempelritual hat einen fixen täglichen Ablauf, pro Tag gibt es 6 Pujas. Bei der ersten Puja wird gegen 6:30 Shiva aus seinem „Schlafzimmer“ zum Hauptschrein gebracht. Dann wird er geduscht und gesalbt und Kampferlichter werden geschwenkt. Am Abend legt man ihn wieder schlafen, er wird also in den Nebenraum zurückgebracht, wo er die Nacht verbringt. Die Prister des Tempels von Chidambaram, die Dikshitar, folgen dabei nicht den shivaitischen Ritualhandbüchern (Shaiva Agamas) sondern einer Anleitung die der Sanskrit Grammatiker Patanjali im 2.Jahrhunder vor Christus geschrieben hat. Nach Auffassung der Dikshitar geht der von ihnen praktizierte Ritus auf die Veden, die ältesten heiligen Schriften des Hinduismus, zurück.

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