Gangaikondacholapuram bedeutet so viel wie „Stadt der Chola, die den Ganges erobert haben“. König Rajendra marschierte mit seinen Truppen bis nach Bengal im Norden und Sri Lanka im Süden, aus dem Norden brachte er das heilige Wasser der Ganga mit. Er konnte seine Eroberungen im Norden nicht halten aber das heilige Wasser des Ganges brachte ihm den Beinamen „Gangaikonda“ ein. Damit wurde er so berühmt, wie sein Vater, Rajaraja, zuvor. Der Tempel den er anlässlich seines Erfolges errichtete ist dem seines Vaters unheimlich ähnlich aber er ist kleiner. Beide Tempel, der vom Vater in Tanjore erbaute und jener vom Sohn in Gangaikondacholapuram errichtete Bau sind Shiva geweiht und zwar in seiner Form als Brihadishvara. Schwer zu sagen, welcher Tempel beeindruckender oder schöner ist.

Rajendra Chola baute nicht nur einen Tempel, er errichtete hier, 60 Km von Tanjore entfernt, auch eine neue Residenz. 200 Jahre lang florierte seine neue Stadt aber im 13.Jahrhundert wurde sie von den Pandyas unter Jatavarman Sundara (1251 bis 1268) zerstört. Heute ist hier nur noch das kleine Dorf Gangaikonda Cholapuram, einige wenige Ruinen des königlichen Palastes von Rajendra und ein großer Tempel. Dieser Shiva geweihte Brihadishvara Tempel ist im Grund-und Aufriss dem Tempel des Vaters in Tanjore nachempfunden und gut erhalten.
Der Vimana ist mit 55m niedriger als jener von Tanjore, er hat auch keinen 80 Tonnen schweren Abschlussstein und er ist zierlicher aber der Figurenschmuck ist großartig. Die Versammlungshalle (Mahamandapa) mit ihren 150 Säulen zeigt bereits Merkmale der später üblich werdenden „Tausend-Säulen-Hallen“. Toll ist auch Nandi, der Bulle. Er ist nicht aus einem Monolith gefertigt, wie der von Papa in Tanjore, die Risse lassen vermuten, dass er aus Ziegel und Mörtel gefertigt wurde aber er ist groß und er ist schön. Der künstlich angelegte Teich soll zur Zeit von Rajendra angeblich mit Gangeswasser gefüllt gewesen sein.



Rajendra baute die Stadt nach den Anleitungen der Vastu-und Agama-Sastra, das Vastu-Sastra ist ein Handbuch für Architekturwissenschaft, das Agama Sastra enthält Anleitungen zur Stadtplanung. Im alten Indien hat man nie einfach einen Tempel oder einfach eine Stadt gebaut, für beides gab es genaue Anleitungen damit die Gesetze der Kosmologie und Harmonie berücksichtigt wurden. Heute sind davon nur noch mit Erde bedeckte Hügel übrig, ein paar Säulenstümpfe und Ziegelmauern erhalten.
Auch der königliche Palast war ein Bau aus gebrannten Ziegeln. Die Decken waren mit flachen kleinen Fliesen bedeckt, die in mehreren Schichten in feinem Kalkmörtel verlegt wurden. Die Säulen waren vermutlich aus Holz und standen (wegen der Termiten) auf Granitsockeln. Man hat bei Grabungen Eisennägel und Klammern gefunden. Was man auch gefunden hat: Einen Tunnel der den Palast mit dem Inneren des Tempels verbindet.



