Pondicherry

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Pondicherry, das heute offiziell Puducherry heißt, ist eine Großstadt mit 245.000 Einwohnern an der Koromandelküste am Golf von Bengalen, 135 Kilometer von Chennai (Madras) entfernt. Es ist ein Unikat, eine „französische“ Stadt an der südöstlichen Küste Indiens. Es ist eine charmante Mischung aus indischer und französischer Kultur, Architektur und Lebensweise. Von 1673 bis 1954 gehörte die Stadt zu Französisch-Indien, die Franzosen hatten hier ihren Verwaltungssitz. Bekannt ist hier auch der Sri Aurobindo Ashram sowie die „Zukunftsstadt“ Auroville. Der Name – Puducherry – bedeutet in der tamilischen Sprache so viel wie „Neues Dorf“. Die Kernstadt sieht aus der Vogelperspektive wie ein Ei aus, es ist ein Oval auf einer Fläche von 1,9 x 1,2 Kilometer.

Stadtplan Pondicherry (Pselvaganapathy)

Zum Meer hin gibt es einen 2 Kilometer langen Uferdamm mit Cafes, Strand und Buden. Der von der Ringstraße umschlossene Zentrumsbereich wird Boulevard-Town genannt, hier sind die Boulevards nach dem Prinzip der sich rechtwinkelig kreuzenden Straßen angelegt, wie ein Schachbrett. In Nord-Süd-Richtung verläuft die Canal-Road (Gingy Salai). In der Kolonialzeit teilte hier der Kanal Pondicherry in eine „weiße“ und eine „schwarze“ Stadt. Im östlichen Teil liegt das French Quarter mit den Kolonialbauten und Alleen, der europäisch geprägte Stadtteil Pondicherrys. Der Westteil mit der Mission Street, der Mahatma Gandhi Road und der Nehru Street ist dagegen typisch indisch. Die Außengebiete sind erst nach der Unabhängigkeit, ohne einer erkennbaren Stadtplanung, entstanden. Touristen halten sich allerdings nur im Zentrum auf oder machen dort eine Rundfahrt mit einer Rikshaw.

Ein „Schulbus“ in Pondicherry

Prinzipiell ist Pondicherry eine alte Stadt, etwas südlich der heutigen Stadt liegt das Dorf Arikamedu, hier gab es bereits ab dem 2.Jahrhundert vor Christus einen Hafen, von dem aus reger Handel mit dem Römischen Reich betrieben wurde. 1940 hat man Keramik gefunden, die das bestätigt. Arikamedu war das antike Poduke das Claudius Ptolemäus in seiner „Geografie“ beschrieben hat. Dann verliert sich der Ort in der Geschichte. Es gibt Legenden, die von einem Weisen namens Agastya erzählen, der in Pondicherry einen Ashram gegründet haben soll aber es gibt keine historischen Belege dafür. Sicher weiß man nur, dass Pondicherry von den verschiedenen Dynastien des Südens verwaltet wurde

Pondicherry in französischer Kolonialzeit 18.Jahrhundert

Ab dem 6.Jahrhundert war Pondicherry unter Kontrolle der Pallavas, im 10.Jahrhundert fiel es an die Cholas und im 13.Jahrhundert gehörte es den Pandyas. Nach dem islamischen Intermezzo kam die Gegend um Pondicherry im 14.Jahrhundert unter die Kontrolle des Vijayanagar Reiches.1649 fiel es an das Sultanat von Bijapur. 1670 erreichte eine große französische Flotte unter Admiral Jacob Blanquet de la Haye die Koromandelküste. Seine Ambitionen auf Sri Lanka scheiterten an den Niederländern aber hier, am Golf von Bengalen verkaufte im der Sultan von Bijapur 1673 das kleine Küstendorf Puducherry. Damit begann die französische Kolonialzeit in Indien.

Der Admiral ließ einen gewissen Francois Martin als Gouverneur zurück und dieser baute das Dorf zu einer kleinen Stadt aus. Ab 1685 wurde Martin Direktor der Koromandelküste und Puducherry wurde zur Drehscheibe der französischen Handelsinteressen in Indien. Nach einem kurzen niderländischen Intermezzo wurde die kleine Stadt wieder französisch. König Ludwig XV ernannte 1742 Joseph Francois Dupleix zum Gouverneur von Pondicherry. Der hätte gerne ganz Südindien erobert und begann damit eine erste Festung zu errichten. Pondicherry war zwar der Mittelpunkt einer florierenden Kolonie aber nicht mehr. Der Misserfolg im karnatischen Krieg beendete Dupleix Träume.

Die Aktionäre der französisch-indischen Gesellschaft hatten kein Interesse an einem weiteren Krieg mit den Briten und Dupleix wurde abberufen. Sein Nachfolger, Godeheu, sollte Frieden mit den Briten machen. Der währte nicht lange, Pondicherry wurde 1761 von den Briten eingenommen und platt gemacht. Erst 1816 erlangte Frankreich wieder die vollständige Kontrolle über Pondicherry zurück. Im 19.Jahrhundert hatten sich die Interessen der Franzosen allerdings nach Indochina verlagert, Pondicherry hatte daher keine große Bedeutung mehr. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurde die Stadt zum Exil von indischen Nationalisten. Damals kam auch Aurobindo Ghose (Sri Aurobindo) 1910 nach Pondicherry und gründete hier seinen Ashram.

Sri Aurobindo Ashram Pondicherry

Der Ashram wurde 1926 von Sri Aurobindo gegründet. Er hatte bei den Franzosen um Exil angesucht, denn als Teil der indischen Unabhängigkeitsbewegung hatte er Probleme mit den Briten bekommen. Der bengalische Philosoph und Mystiker entwickelte hier die Lehre vom Integralen Yoga und gründete mit der Französin Mirra Alfassa (Die Mutter) einen ersten Ashram in der Stadt. Ziemlich schnell hatten die beiden viele Schüler, darunter auch einige Europäer. 1968 gründeten Mitglieder des Sri Aurobindo Ashrams unter der Führung von Der Mutter (Mira Alfassa) die Modellstadt Auroville, 8 Kilometer nördlich von Pondicherry.

Auroville ist eine Art utopisches Wohn-Lebens-und Bewusstseinsexperiment mit heute etwa 2.000 Bewohnern. Der Entwurf dieser Utopie stammt vom französischen Architekten Roger Anger. Er hatte die Selbstversorgersiedlung für 50.000 Menschen konzipiert. Im Zentrum von Auroville steht der Matrimandir, der Tempel der Mutter, ein futuristisches Gebäude in Form einer goldenen Kugel die eher wie ein Ei aussieht. Dieser Bau war und ist der Ort der Meditation und Kontemplation.

Sri Aurobindo und „Die Mutter“ sind mittlerweile verstorben aber ihre Anhänger sind nicht arm. Sie unterhalten Schulen, Bibliotheken und Krankenhäuser sowie Werkstätten und Läden. Ihre Zentrale befindet sich heute im Sri Aurobindo Ashram in Pondicherry, in der Rue de la Marine, dort ist auch das Samadhi, das Mausoleum von Aurobindo und „Der Mutter“.

Auroville
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