Mahabalipuram

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Mahabalipuram ist schon früh UNESCO Weltkulturerbe geworden. Bereits 1985 hat man entschieden, dass diese Tempelanlage aus der Pallava Zeit alle Kriterien erfüllt. Vom 7. bis zum 9.Jahrhundert hatte diese Dynastie ein bedeutendes Reich in Südindien geschaffen. Die Hauptstadt war damals Kanchipuram und Mamallapuram (Mahabalipuram) war die wichtigste Hafenstadt des Reiches. Die Tempel von Mahabalipuram sind Prototypen für den späteren Dravida-Stil der indischen Tempelarchitektur. Profane Bauten haben die Pallava keine hinterlassen, vermutlich wurden diese aus vergänglichen Materialien hergestellt (Lehm, Holz) aber die Sakralbauten von Kanchipuram und Mahabalipuram zählen zu den ältesten erhaltenen Steinmonumenten Südindiens.

Das Flachrelief, die „Herabkunft der Ganga“ ist in Größe und Ausführung einzigartig. Die Steinmetzarbeiten von Mahabalipuram haben anderen Kulturen beeinflusst (Kambodscha, Annam, Java). Die Tempelanlage ist der Prototyp für die dravidische Tempelarchitektur und es ist eines der besten Zeugnisse der Pallava-Zivilisation von Südost-Indien. Das waren die Gründe warum die UNESCO diese Tempelanlage zum Weltkulturerbe der Menschheit deklariert hat.

Mahabalipuram liegt an der Koromandelküste, etwa 60 Kilometer südlich von Madras. Diese Küste am Golf von Bengalen ist gleichmäßig, ohne starke Gliederung, mit langen Sandstränden. Fischfang und Perlentauchen war lange die Lebensgrundlage der hier lebenden Menschen. Die alte Pallava-Hafenstadt MahaBALIpuram ist nach dem Dämon Bali benannt, den Vishnu in seiner Inkarnation als Zwerg besiegte. Der alte Name des Ortes „Mahamallapuram“ heißt so viel wie die „Stadt des Mahamalla“, des großen Ringers. So nannte sich der Pallava König Narashimavarman I. (630 bis 668), jedenfalls ließ er das in Badami so in den Fels gravieren.

Varaha Mandapa

Über die Frühgeschichte der Pallavas (300 bis 500) weiß man wenig bis nichts. Als Stammvater der späteren Pallavas gilt Simhavishnu I. (574 bis 600). In der Varaha Höhle sind er und sein Sohn Mahendravarman (600 bis 630) als Relief dargestellt. Sie sind Großvater und Vater des Namensgebers von Mahabalipuram, Narasimhavarman I. Mahamalla. Nach ihm gab es noch zwei weitere Könige die bedeutende Tempel bauten: Narasimhavarman II., genannt Rajasimha (680 bis 720), der zum Beispiel den Kailasanatha Tempel in Kanchipuram und den Küstentempel von Mahabalipuram errichtete und dessen Sohn, Parameshvaravarman II. (720 bis 731) mit dem die direkte Linie der Pallavas ausstirbt.

Varaha, der „Eber“, ist die dritte Inkarnation (Avatara) von Vishnu. Als Wildschwein rettet er die Erde. Laut Varaha-Purana versank die Erde in den Gewässern der Urzeit. Vishnu sprang sofort hinterher um die Erde zu retten. Er nahm die Form eines Ebers an, des mächtigsten aller Tiere im Sumpf. Als guter Schwimmer tauchte er in den Urozean hinab. Dort tötete er den gefährlichen Dämon Hiranyaksha und hob die Erde auf seinen Hauern empor. Die Erde wird in der Purana in Gestalt der Göttin Bhudevi (Bhumi) verkörpert. So rettete er die Welt vor dem Versinken im vorzeitlichen Chaos.

Vishnu als Varaha rettet die Erde, die hier als Göttin Bhumi dargestellt ist

Die Monumente von Mahabalipuram kann man in vier Gruppen einteilen: Felsentempel (Mandapa), Freibautempel (aus geschnittenen Steinen gemauerte Bauwerke), Rathas (kleine monolithische Scheintempel in Mahabalipuram, aus einzelnen aus dem Sand herausragenden Diorit-Blöcken herausgearbeitet) und Felskunst (zum Beispiel das Relief Herabkunft der Ganga). Entsprechend dem Stil kann man die Monumente in drei Stile einteilen: den Mahendra-Stil (580 bis 630), den Mahamalla-Stil (630 bis 700) und den Rajasimha-Stil (700 bis 730).

Der Mahendra Stil (580 bis 630) markiert die Frühzeit von Mahabalipuram. In dieser Phase dominiert der Höhlentempel. Mahendravarman I. kannte aus Berichten ziemlich sicher die Gupta und Nach-Gupta-Kunst des Nordens. Sie ist ihm Vorbild für seine Tempel. Er selbst war Musiker, Dramatiker, Poet und ursprünglich ein Jaina. Mahendravarman wurde aber durch einen gewissen Appar Nayanar zum Shiva-Glauben bekehrt. Nach seiner Bekehrung errichtete er zahlreiche Shiva-Tempel, er bekommt sogar den Ehrentitel „Chetthakari“ (Tempelbauer). Sein Verdienst ist es, so wie Ashoka 850 Jahre vor ihm und Karl der Große 150 Jahre nach ihm, die Steinbauweise für Tempel eingeführt zu haben.

Trimurti Mandapa

Der Mahamalla Stil (630 bis 700) in dieser Phase ist Mahabalipuram als Hafen bereits sehr bedeutend. In der Zeit werden die Prototypen des indischen Tempel aus Diorit herausgeklopft, die Rathas. Daneben werden weiterhin Höhlentempel mit Mandapa gebaut. In Kanchi werden in dieser Perioda aber auch bereits freistehende, strukturell aufgemauerte Tempel in Quaderbauweise errichtet (Kailasnatha Tempel), in Mahabalipuram wird der Küstentempel gebaut. Auffällig sind an diesem Stil die Löwen mit Glubschaugen. Die wichtigsten Strukturen in Mahabalipuram sind das Ramanuja- und Mahishasura-Mandapa, das Varaha II-und Ganesha-Mandapa, und die fünf Rathas.

Bhima Ratha

Die Rathas sind nach den fünf Pandavas des Mahabarata benannt. Die Pandavas sind die fünf Söhne des Königs Pandu. Yudhishthira, Arjuna, Bhima und die Zwillinge Nakula und Sahadeva. Nach dem Tod Pandus werden sie, gemeinsam mit ihren Vettern, den Kauravas, von ihrem Onkel Dhritarashtra erzogen. Sie haben die älteren Rechte auf den Thron, der Onkel und dessen ältester Sohn, Duryodhana erkennen das aber nicht an. Das führt schließlich zur großen Schlacht von Kurukshetra.

In der Mythologie war Pandu, der Vater der fünf Pandavas, nicht zeugungsfähig, daher hat jeder der fünf Brüder einen göttlichen Vater. Yudhishthira ist gerecht und wahrheitsliebend, denn sein Vater ist Yama. Bhima ist unheimlich stark und immer hungrig, sein Vater ist der Windgott Vayu, er ist damit ein Bruder vom Affengott Hanuman. Arjuna, der große Bogenschütze und Krieger verdankt seine Fähigkeiten Indra. Die Zwillinge, Nakula und Sahadeva sind ausgezeichnete Reiter, das haben sie von ihren Vätern, den göttlichen Ashvin-Zwillingen. Alle fünf Brüder sind mit ihrer Schwester Draupadi verheiratet aber sie haben auch noch weitere Frauen.

Die fünf Pandavas

Der Rajasimha Stil (700 bis 730) ist charakterisiert durch freistehende Tempel. Die ersten kleineren Gopurams werden gebaut, die Yalis lösen langsam die Löwen ab. Alle Bauteile werden nun mit dekorativen Elementen überzogen. Die späten Pallava Tempel des 8.Jahrhunderts werden hauptsächlich in Kanchi, der Residenz der Pallavas errichtet. In dieser Zeit hat sich der Vimana, der hoch aufragende Turm über dem Allerheiligsten bereits durchgesetzt.

Die Rathas

Am südlichen Auslauf der Hügelkette aus Granit standen einige niedrige Granitbuckel, sie gaben Mahamalla die Idee, seine Baumeister zu beauftragen diese fünf Prototypen jeweils aus einem einzigen Block herauszuschlagen. Vorher hatte man Tempel entweder als Höhlentempel angelegt oder aus vergänglichen Materialien gebaut (Holz, Lehm, Ziegel). Die Vorbilder für den freistehenden Tempel aus Stein war die buddhistische Chaitya Halle mit ihrem Tonnendach über langrechteckigem Grundriss und der Vihara, eine über Rechteck-oder Quadrat gebaute Mönchshalle. Beide Bauformen hatte man in Indien bereits über Jahrhunderte aus Holz errichtet.

Es ging dem König darum, festzustellen, welche der bekannten Vorgängerformen sich am besten vom Statischen, Optischen und Religiös/Kultischen her eignen könnte. So entstanden fünf Prototypen, quasi Mustertempel aus dem Stein heraus geschlagen. Daraus kristallisierten sich zwei Grundtypen heraus. Die Bezeichnung Ratha liegt am Sockel, auch wenn die Tempel keine Räder haben, so haben sie doch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Tempelwagen, dem Ratha.

Die fünf Rathas in Mahabalipuram

Der Draupadi Ratha ist klein und quadratisch. Es ist die Nachahmung eines einfachen, kubischen, südindischen, strohgedeckten Bauernhauses. Ähnlich den Häusern der Todas in den Nilgiri Bergen. Gleichzeitig ist auch die Ähnlichkeit mit einem Tempelwagen sehr groß. Es ist der Göttin Durga geweiht. Der Haupteingang ist von einem Makara-Torana eingerahmt. Davor eine Figur eines Elefanten (für Indra), eines Löwen (für Durga) und etwas enfernt, eines Bullen (Nandi). Vielleicht sind diese Steinplastiken unvollendet geblieben, vielleicht wollte man sie, als Reittier der jeweiligen Gottheit, vor den Tempel stellen.

Draupadi Ratha

Der Arjuna Ratha ist vermutlich Indra geweiht. Jedenfalls steht seine Statue in einer Nische an der Rückwand. Dieser Ratha ist eine Kopie eines buddhistischen Vihara. Er ist 9x10x12 Meter, also mit fast quadratischer Basis. Seine Grundform ist die nordindische Tempelarchitektur des Devanagara Stils. Schon bei den vedischen Aryas der 2.Jahrtausend vor Christus symbolisierte der Rundaltar die irdische Welt, der quadratische dagegen jene des Himmels. Das Quadrat stand für den Himmel, denn im Gegensatz zum Kreis lässt es sich nicht bewegen. Es ist eine endgültige und eindeutige Form. Im Hinduismus steht es für das perfekte Absolute. Im Bau wird es zur Manifestation des höchsten Prinzipes, der „Brahman“.

Das Quadrat wird zum magischen Diagramm (Mandala), in dessen Mitte die höchste Gottheit, in dessen Außenbezirken die niedrigen Götter und an dessen Außenwand die Welt der Menschen, Tiere, Gnome und Dämonen dargestellt werden. Arjuna Ratha und Dharmaraja Ratha werden daher zur wichtigsten südindischen Tempel-Grundform – dem Vimana. Aus ihnen ist die ganze spätere Entwicklung abzuleiten.

Der Bhima Ratha ist rechteckig, von länglich gestreckter Form auf einem Grundriss aus 2 Quadraten (16×8 Meter 9 Meter hoch). Das Dach hat eine Ähnlichkeit mit einer Wagenplane (vgl. Prozessionswagen) oder einem Elefantenrücken wahlweise auch einem umgestülpten Boot. Dieser Typus nimmt die zweitwichtigste südindische Bauform vorweg – jene des Vesara. Er ist in Grund-und Aufriss eine Kopie des basilikal gestreckten frühbuddhistischen Chaitya. Das gewaltige Tonnendach ruht auf Pfeilerschäften mit hockenden Löwen. Das Gewicht des Daches war vermutlich so groß, dass die Baumeister es nicht wagten den Kern auszuschlagen, daher sind die Pfeiler und der Innenraum unvollendet geblieben.

Die Vesara-Form war als Tempelmodell ungeeignet, da sie kein kultisches Zentrum besitzt. Der Dachtypus allerdings findet sich auf allen Gopurams. Auch im Profanbereich war das Elefantenrückendach weit verbreitet. Der Bhima Ratha ist nie fertig geworden und so kann man hier die Technik der Steinmetze gut ablesen. Zuerst wurden durch das Ausmeißeln tiefer Rinnen die großen Steinblöcke abgelöst, dann wurde die Grobform zurechtgehauen anschließend wurden die Einzelumrisse eingeritzt und erst dann kamen die Bildhauer und machten die Feinarbeiten.

Bhima Ratha Mahabalipuram

Der Dharmaraja Ratha ist im Prinzip ein vergrößerter Arjuna Ratha mit den gleichen Merkmalen wie dieser. Er ist ebenfalls das Urbild des dravidischen Stufen-oder Terrassentempels, des Vimana. Er steht für den ältesten der fünf Pandavas, Yudhishthira, den Sohn Yamas. Er ist der König der Gerechtigkeit – Dharmaraja. Wenn man die Baumform des Vimana (Hinduismus) und die Bauform des Caitya (Buddhismus) mit der abendländischen Kirche vergleicht, dann könnte man sagen Ostkirche versus Westkirche. Die Grundform des gleichschnekeligen griechischen Kreuzes in der ostkirchlichen Kreuzkuppelkirche, architektonischer Ausdruck der Erlösung per Taufe und die langgestreckten Kirchen der Westkirche, die den langen Weg bis zur Erlösung symbolisieren. Der Hindu findet seine Erlösung im Zentrum, im Allerheiligsten, der Buddhis muss einen langen Weg zurücklegen um zur Erlösung zu gelangen.

Mahabalipuram Rathas

Die Herabkunft der Ganga – das Relief

Am Weg von den Rathas zum großen Felsrelief, das den Namen „Arjunas Buße“ oder „Herabkunft der Ganga“ trägt, befindet sich ein unvollendetes Relief. Möglicherweise handelt es sich um eine Vorstudie zum Hauptrelief. Das Großrelief wurde in einem, ursprünglich zusammenhängenden, später durch herabfließendes Wasser gespaltenen, Granitblock gehauen. Das Steinbild hat eine Größe von 14 Meter Höhe und 32 Meter Breite. Das Relief stellt die Herabkunft der Ganga dar. Im Ramayana ließ König Bhagiratha den Ganges vom Himmel fließen, um die Seelen seiner Vorfahren zu reinigen. Aber die Dinge funktionierten nicht wie geplant. Der König bemerkte, dass der Fluss die ganze Erde überschwemmen würde. Er brauchte Hilfe. Daher tat er Buße mit dem Ziel, Hilfe von Shiva zu erhalten. Dieser stieg zur Erde hinab und bezwang den Ganges, indem er ihn durch sein Haar fließen ließ.

Der Spalt zwischen den beiden Felsen ist der schönste Teil des Flachreliefs. Im Spalt ist ein Nagakönig (Schlangenkönig) und eine Nagini dargestellt, vermutlich eine Verkörperung des damals aufkommenden Bhakti-Kultes. Links oben befindet sich Shiva, rechts neben ihm in Yoga Stellung auf einem Bein stehend König Bhagiratha der Shiva um Hilfe bittet. Im oberen Teil rechts vom Spalt sieht man den Mäzen des Reliefs, den Pallava König Mahendravarman der dieses Bild im 7.Jahrhundert in den Fels schlagen ließ. Die Yoga-Katze mit den tanzenden Mäusen steht für die indische Volksweisheit, dass man falschen Sadhus nicht vertrauen soll.

Die Herabkunft der Ganga 7.Jahrhundert
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