Der Vaikom Tempel

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Die Hauptattraktion des Vaikom Mahadeva-Tempels ist der Shiva Lingam, der als einer der ältesten und heiligsten Lingams in Kerala gilt. Der Lingam ist 1,8 Meter hoch und besteht aus schwarzem Stein. Parasgurama persönlich soll es hier aufgestellt und dann den Tempel begründet haben. Der Vaikom ist einer der ältesten Tempel in Kerala und soll aus dem Treta Yuga stammen, dem zweiten Zeitalter des Hinduismus. Er ist Shiva geweiht und ist einer der wenigen Tempel in Kerala, die sowohl von Shaivas (Shiva Anhängern) als auch von Vaishnavas (Vishnu Anhängern verehrt werden. Der Vaikom wird in der Sangam-Literatur erwähnt. Er ist seit Jahrhunderten ein Zentrum religiöser und kultureller Aktivitäten und ein bedeutendes Pilgerziel für Hindus aus ganz Kerala und Indien. 1925 fand hier die Vaikom Satyagraha, ein gewaltloser Protest gegen Kastendiskriminierung, statt.

Der Tempel wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach renoviert und erweitert. Die heutige Struktur stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde von der königlichen Familie von Travancore erbaut. Der Tempel ist ein schönes Beispiel der Kerala-Tempelarchitektur. Vaikom war früher Teil des Königreiches (Stammesgebiet) namens Venmalanadu. Als dieses zerbrach wurde das Gebiet von Vaikom Teil des Reiches von Vadakkumkoor und von der gleichnamigen Dynastie verwaltet. Vadakkumkoor erstreckte sich entlang des Fluss Muvattupuzha. Zu dieser Zeit existierte ein wichtiger Hafen in Chemmanakary, nahe Vaikoms. Später im Jahr 1742 wurde es Teil von Travancore. Mit etwa 23.000 Einwohnern ist Vaikom klein aber aufgrund der Vaikom Satyagraha ist der Ort trotzdem in ganz Indien bekannt.

Vaikom Satyagraha

Das Vaikom Satyagraha im damaligen Fürstenstaat Travancore war eine gewaltfreie Bewegung die zum Ziel hatte auch den unteren Kasten zu erlauben die Umgebung des Vaikom Tempels betreten zu dürfen. Die friedlichen Proteste begannen am 30.März 2924 und dauerten bis zum 23.November 1925 an. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts hatte der Fürstenstaat Travancore ein starres und diskriminierendes Kastensystem. Die unteren Kasten wollten sich das nicht länger gefallen lassen.

Die meisten großen Tempel im Fürstenstaat Travancore hatten den niederen Kasten nicht nur den Zutritt zum Vaikom Tempel verboten sondern auch das Gehen zu Fuß auf den umliegenden Straßen untersagt. Dagegen rief der Ezhava (Palmweinkaste) Kongressführer T.K. Madhavan zum friedlichen Protest auf. Er forderte für die Ezhavas und die Unberührbaren das Recht die Straßen rund um den Vaikom Tempel zu benutzen. im März 1925 besuchte Mahatma Gandhi persönlich die Proteste. Die Regierung von Travancore lenkte ein. Man baute neue Straßen in der Nähe des Tempels, die auch von den unteren Kasten genutzt werden durften. Der Tempel selbst blieb allerdings weiterhin Verbotszone.

Es ist wohl Gandhi zu verdanken, dass man später noch einen Schritt weiterging. Er handelte mit dem Regenten von Travancore, Sethu Lakshmi Bayi, aus, dass alle Verhafteten frei gelassen und auch die alten öffentlichen Straßen im Norden, Süden und Westen geöffnet wurden. Es dauerte dann noch bis 1936, erst die Tempel Entry Proclamation gewährte schließlich den freien Zugang für all Kasten in das Innere des Vaikom Tempels. Das besondere am Vaikom Satyagraha ist, dass hier in Kerala zum ersten Mal die Methode der gewaltlosen öffentlichen Protestes angewendet wurde.

Die Legende und das Fest

Der Dämon Khara Asura war mächtig, er terrorisierte das Land, selbst die Götter hatten Angst vor ihm. Eines Tages beschloss Khara Asura die Götter herauszufordern. Er ging in den Himalaya und bat Shiva ihm drei Lingams zu geben. Shiva stimmte zu, warnte aber den Dämon, dass er verflucht sein, wenn er die Lingams nicht richtig verehren würde. Kara Asura nam die drei Lingas und machte sich auf die Welt zu erobern. Er trug in jeder Hand ein Lingam und das dritte im Mund. Auf seiner Reise machte er Pause in Vaikom, er legte die Lingas auf den Boden und schlief ein. Als der Dämon schnarchte, kam ein Weiser namens Vyaghrapada vorbei. Dieser war ein tief gläubiger Anhänger Shivas. Als er die Lingas sah begann er sofort zu beten. Das weckte Khara Asura auf.

Der Dämon war ziemlich sauer als er durch die Gebete Vyaghrapadas geweckt wurde und so wollte er den Störenfried erschlagen aber der weise Mann war durch Shivas Macht geschützt. Der Dämon erkannte, dass er den Kampf nicht gewinnen konnte und floh. Shiva war zufrieden mit Vyaghrapadas Hingabe und sagte ihm, dass er ab nun immer in Vaikom präsent sein würde um jenen zu helfen die ihn verehren. Der Weise blieb noch einige Zeit und setzte die Puja voller Hingabe fort. Monate und Jahre vergingen. Eines Tages kam Parashurama in Vaikom vorbei. Er sah einen Lingam, der in Wasser getaucht war und himmlische Strahlen verbreitete. Er erkannte, dass es der von Khara hier her gebrachte Lingam war. Er dachte sich, dass hier ein guter Zufluchtsort für die Gläubigen sein könnte, die Befreiung erlangen wollen.

Parashurama betete den Lingam an und weihte ihn, das gefiel Shiva, er statte Parashurama einen Besuch ab und erschien mit seiner Gemahlin Parvati vor Parashurama. Dieser baute dann hier einen Tempel und vertraute den einem edlen Brahmanen aus dem Dorf Taruna an. Er lehrte den Brahmanen, die heiligen Gesänge, Mantras, Prozeduren und Shlokas, die notwendig sind, um Shiva Puja durchzuführen, und weihte ihn als Oberpriester des Tempels ein. Parashurama spendete den gesamten Tempel dem Brahmanen und verschwand. Man sagt, dass hier noch heute das Puja nach den Regeln von Parashurama durchgeführt wird.

Man glaubt, dass Shiva, hier bekannt als Vyaghralayesha (der Herr von Vyaghrapadapurma), den Gläubigen in drei Inkarnationen oder Avataren seinen Segen gibt: morgens als Dakshinamurthi, nachmittags als Kiratamurthi und abends als Shakti Panchakshari.

Der Vaikom-Tempel ist berühmt für das Vaikom Ashtami (Vaikathashtami), eines seiner Hauptfeste, das von November bis Dezember stattfindet. Das genaue Datum des Festes wird durch den Malayam-Kalender bestimmt. Vaikathashtami wird am Tag von Krishna Ashtami im Malayalam-Monat Vrischikam gefeiert. Es erinnert an das Erscheinen Shivas vor Vyaghrapada.

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