Tamil Nadu

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Tamil Nadu heißt soviel wie „tamilisches Land“ aber eigentlich müsste man es mit „Land der tamilischen Sprache“ übersetzen, da der Bundesstaat 1956 nach seinen Sprachgrenzen gebildet wurde. Bis 1969 wurde der 130.058 Km² große Bundesstaat noch Madras genannt. Heute hat das Territorium 72 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Chennai, das früher ebenfalls Madras hieß. Viele alte Pilgerstraßen durchziehen Tamil Nadu, das die längste und reichhaltigste Kulturgeschichte innerhalb der vier südlichen Bundesstaaten aufweist. Die Tamilen sagen, ihr Land liegt zwischen dem Kriegsgott Kumara, der in der Hügelstadt Tiruttani verehrt wird und der jungfräulichen Kumari, die am Kap Komorin ihren Tempel hat.

Das Klima variiert von heißen, teils tropisch-feuchten Gebieten bis zum kühlen Gebirgsklima der Kardamom-Berge, die mit fast 2.700m Höhe die höchste Erhebung des Dekkhans darstellen. Die Kaveri ist der größte Fluss, gemeinsam mit Palar, Pennar, Vaigai und Tambraparni gehört sie zu den fünf Flüssen Tamil Nadus an denen die meisten frühen Siedlungen des Bundesstaates liegen. Der bedeutendste Hafen ist Chennai (Madras), von hier wurde früher Sandelholz, Reis, Kardamom, Pfeffer, Turmerik aber auch Perlen und Elfenbein exportiert. Nur noch 18 Prozent der Fläche Tamil Nadus sind bewaldet. Die Tiefländer sind dicht besiedelt, daher gibt es größere, zusammenhängende Waldgebiete nur noch im Bergland. In den Lagen über 1500 Meter der Nilgiri-, Palani- und Kardamomberge erstrecken sich immergrüne tropische Stockwerkswälder.

Die Hauptsprache Tamil Nadus und alleinige Amtssprache des Bundesstaates ist das von knapp 90 Prozent der Bevölkerung gesprochene Tamil, nach dessen Sprachgrenzen der Bundesstaat 1956 gebildet wurde. Das Tamil gehört zur dravidischen Sprachfamilie und kann auf eine mindestens 2000-jährige Literaturgeschichte zurückblicken. Die große klassische Periode der frühen Tamilliteratur war das Sangam Zeitalter (3.jh.vC. bis 3.Jh.nC.). Damals soll Tamil ein Land gewesen sein wo „Milch und Honig flossen“. Die Bevölkerungsdichte war gering, der Boden fruchtbar, Fischfang und Handel brachten Wohlstand.

Das Cholaland um die Kaveri war die Kornkammer des Südens, das Pandyaland im Süden war der Fisch-und Perlenlieferant. Alte Geschichten und Legenden berichten von dieser glücklichen Frühzeit, von maßvoll regierenden Königen, die von Weisen gut beraten wurden. Musik, Tanz, Jagd, Spiel füllten die Zeit der Bessergestellten in einem dem europäischen Mittelalter vergleichbaren Lebensstil. Die Herrscher selbst, zum Beispiel die Pallavas, fanden Zeit genug sich mit Poesie und Philosophie zu befassen und eigene Werke zu schreiben.

Mit der Wiedergeburt des Hinduismus im 5./6.Jahrhundert zogen religiös hochmotivierte Shaivas, die Nayanars und ihr Konterpart, die Alvars der Vaishnavas, singend und dichtend durch die Lande und brachten so den Bhakti-Kult unter das Volk. Manche der Lieder, Schriften und Psalme sind noch erhalten, wie die Devaram der Shiva Fans oder die Sammlung der Prabandham der Vishnu Anhänger).

Die tamilische Herrscherdynastie der Cholas führt ihren Stammbaum auf das 1.Jahrhundert zurück. In der Zeit zwischen 850 und 1200 schufen sie großartige Architekur. Die profanen Bauten wurden durch die türkische Invasion zerstört aber die sakralen Baudenkmäler stehen noch. Der schönste aller Chola Tempel, der Bridhadishvara Tempel ist heute UNESCO Weltkulturerbe. Zu ihrer Zeit erlebte der südindische Bronzeguß seinen Höhepunkt. Damals breitete sich die Tamil-Sprache bis nach Südostasien aus. Heute noch werden zum Beispiel in Thailand uralte Tamillieder bei bestimmten Hofzeremonien gesungen. Das Reich der Cholas hat die Tempel der Khmer in Kambodscha geprägt

Weiter südlich bis an die Südspitze des Kap Komorin lebte und wirkte das Geschlecht der Pandyas. Auch sie waren große Förderer von Religion, Wissenschaft und Kunst. Alle diese Reiche wurden durch den Vernichtungsangriff des Sultanats von Delhi zerstört. Vom 14.bis zum 18.Jahrhundert teilten die Hindus Südindiens das Schicksal ihrer Glaubensgenossen im Norden. Tod oder bei Überleben hohe Kopfsteuer oder der Übertritt zum Islam. Haidar Ali und Tipu Sultan haben noch im 18.Jahrhundert Schrecken über den Süden gebracht und mit ihren Steuereintreibern kam die Armut. Es gibt ein tamilisches Sprichwort: „Der Nabab von Arcot ist so arm wie der Tiger höflich“

Drei Dynastien prägten Tamil Nadu im Altertum. Die Chola, die ihr Kerngebiet im Kaveridelta hatten, die Chera, die über die westlichen Teile des heutigen Tamil Nadu und die Malabarküste dominierten und die Pandya im Süden. Die im 4. Jahrhundert vom Dekkhan her eindringenden Kalabra beendeten die Herrschaft der Chola und Pandya abrupt. Über ihre eigene Herrschaft ist allerdings nur wenig bekannt. Die Pallava, vermutlich frühere Vasallen der Shatavahana, besiegen die Kalabhra. Unter den Pallava war in Tamil Nadu nun erstmals ein starkes Regionalreich entstanden, das prägend für die frühe Kultur Tamil Nadus wurde. Die Pallava-Hauptstadt Kanchipuram war damals eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Südindiens.

Die Pallavas sind nicht wegzudenken aus der Kunstgeschichte Tamil Nadus. Nachdem sie gegen Ende des 6. Jahrhunderts die Kalabhra besiegt hatten, beherrschten sie Tamil Nadu. Die größte Bedrohung für die Pallava waren die Chalukya, die seit dem frühen 7. Jahrhundert einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung im Süden Indiens führten. Eingeleitet durch die Plünderung Kanchipurams im Jahr 740, begann im 8. Jahrhundert der Niedergang der Pallava-Dynastie, die noch bis ins späte 9. Jahrhundert herrschte. Ihr vielleicht größtes Vermächtnis sind die Rathas, die Prototypen für den späteren Tempelbau Südindiens. Die aus der Pallava-Epoche stammenden Felsentempel von Mahabalipuram, heute UNESCO Weltkulturerbe, sind nicht nur die Vorreiter der hinduistischen Tempelarchitektur Südindiens, sondern auch jener Südostasiens.

Nachfolger der Pallava wurden die Chola Könige, die bis Mitte des 9. Jahrhunderts als Vasallen gedient hatten. Um 850 erlangten sie ihre Unabhängigkeit zurück und machten Thanjavur im Kaveridelta zur Hauptstadt. König Aditya (871 bis 907) besiegte 897 die Pallava. Im 11.Jahrhunder wurden die Cholas zur mächtigsten Dynastie Südindiens. Zwei König sind hervorzuheben – Die Zeit der Chola-Könige Rajaraja I. und Rajendra I. gilt als Blütezeit Südindiens und somit auch Tamil Nadus. Die Cholas blieben bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts hinein die dominierende Dynastie Südindiens. 1279 besiegten die Pandyas von Madurai den letzten Chola-König Rajendra IV. und übernahmen die Macht im Süden Indiens.

1311 überfielen muslimische Truppen aus dem nordindischen Sultanat von Delhi unter dem Kommando des Generals Malik Kafut die Pandya-Hauptstadt Madurai, eroberten und plünderten sie. Erstmals stand Tamil Nadu unter muslimischer Herrschaft. Das 1334 aus einer Provinz des Delhi-Sultanats hervorgegangene Sultanat von Madurai, der südlichste muslimische Staat auf indischem Boden, war jedoch nur kurzlebig. Schon 1370 fiel der Sultan im Kampf gegen das hinduistische Vijayanagar Reich. Nach dem Zerfall Vijayanagars füllten die Militärstatthalter seiner Distrikte, die sogenannten Nayaks, das entstandene Machtvakuum in Tamil Nadu, und regierten selbstständig. Die mächtigsten von ihnen waren die Nayaks von Madurai und Thanjavur. Der Minakshi Tempel in Madurai ist das beste Beispiel ihrer Baukunst.

Das Erntedankfest – Pongal

Pongal bedeutet so viel wie „überkochen“, es wird zu Beginn des tamilischen Monat Tai gefeiert, das ist Mitte Jänner. Pongal bezeichnet auch das Reisgericht, das während des Festes gekocht wird, aber auch zu anderen Gelegenheiten gegessen werden kann.

Die Festlichkeiten dauern insgesamt vier Tage. Vor den Feiertagen wird das ganze Haus gereinigt. Am ersten Tag, Bhogi, verbrennt man, symbolisch für den Neuanfang, alte Kleidungsstücke sowie andere alte Dinge oder wirft sie fort. Vakisan Pongal, der eigentliche Pongal-Tag, fällt nach dem tamilischen Kalender auf den ersten Tag des tamilischen Monats Tai (meist ist das der 14. oder 15. Januar). Früh am Morgen kocht man das typische Gericht, das ebenfalls Pongal genannt wird. Es besteht aus Milch mit dem neuen Reis und Sirup aus dem Palmzucker der neuen Ernte. Nach alter Tradition soll es möglichst im offenen Hof in einem neuen Topf an einer neuen Feuerstelle gekocht werden. Große Stangen von Zuckerrohr stehen neben dem Pongal-Topf. Der Topf wird auf dem Holzfeuer so aufgesetzt, dass die Milch möglichst genau zum Sonnenaufgang zum Kochen hochkommt. Die Familie steht um den Topf und bricht bei dem Ereignis in Jubel aus. Dann wird der Reis und der Sirup hinzugefügt, manchmal auch Payaru, würzige, kleine grüne Linsen. Später beschenkt man die Nachbarn und tauscht Festtagsgrüße aus. Dieser Tag ist der wichtigste des Pongal-Festes.

Am dritten Tag, Mattu Pongal, dankt man den Kühen rituell für ihre Dienste. In manchen Gegenden von Tamil Nadu gibt es an diesem Tag eine Art Rodeo, Jallikattu, das bedeutet den Stier umarmen. Für die jungen Männer geht es darum, einen Bullen zu zähmen, was als ein Zeichen von Tapferkeit angesehen wird. Am letzten Feiertag, Kaanum Pongal, trifft man die Familie und die jüngere Generation ehrt an diesem Tag die ältere. Es gibt auch die Tradition, an diesem Tag Essen auf Bananenblättern außerhalb des Hauses für die Vögel herauszulegen.

Swami Vivekananda

Swami Vivekananda war ein berühmter Meister der den integralen Yoga im Westen bekannt machte. Er wurde am 13. Januar 1863 geboren und erhielt den Namen Naren. Swami Vivekananda kommt aus einer Familie von Juristen, sein Vater Vishwanath Dutta, sein Großvater Durganath Dutta und sein Urgroßvater Rammohan Dutta waren allesamt Juristen. Er selbst soll ein hochbegabtes Kind gewesen sein. Ursprünglich kommt die Familie aus Tamil Nadu. 1893 meditierte er in Kanniyakumari (Kap Komorin) und erhielt dort den intuitiven Auftrag zum Art Palace in Chicago zu fahren, wo eine religiöse Tagung stattfand. Finanziert wurde seine Reise durch den Raja von Ramnad.

In Chicago sollte er eine Rede halten. Nach einer Reihe großartiger Reden von den Vertretern der Hauptreligionen war Swami Vivekananda schließlich an der Reihe. Unvorbereitet und lampenfiebrig wie er war, hielt er eine Rede aus dem Stehgreif, die mit den Worten begann: „Schwester und Brüder von Amerika“. Donnernder Applaus war die Reaktion des Publikums. Er appellierte an die Weltreligionen. ihre kleinliche Exklusivität aufzugeben und sich im Sinne menschheitlicher Toleranz und „intra religiones“ zu verständigen und anzuerkennen, dass alle Wege zu Gott führen.

Er war der Schüler des verehrten Ramakrishna und bereiste nach seinem Erfolg die Städte Amerikas als Weltmissionar, um dem Abendland mit seiner hochentwickelten Technik und damit einhergehenden Materialisierung die uralte Weisheit Indiens in einem durch Ramakrishna und ihn geistig erneuerten Gewand entgegenzustellen. So wurde er der erste, der den indischen Weg – Yoga – dem Westen wies. In Bombay wurde ihm neben dem Gateway of India ein Standbild gewidmet. Auf dem Denkmal steht, dass Indiens Botschaft an die Welt der Frieden sei. Nach seiner Rückkehr gründete der Swami die Ramakrishna Mission in Madras (heute Chennai).

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