Madurai liegt in einer Ebene auf etwa 140 Metern über dem Meeresspiegel am Vaigai Fluss, umgeben von einzelnen schroffen Bergen, besonders markant ist der Elefantenkopfberg in ihrem Nordwesten. Die Stadtgemeinde Madurai hat eine Fläche von 148 Quadratkilometern. Sie besteht aus zwei Teilen, der Altstadt am südlichen und die während der Kolonialzeit entstandene Neustadt am nördlichen Ufer des Vaigai. Der Minakshi Tempel bildet den Mittelpunkt der Altstadt: Der Grundriss der Altstadt besteht aus mehreren konzentrischen Ringstraßen und axialen Straßen, die auf die Gopurams des Tempels ausgerichtet sind. Die Ringstraßen (Chittrai, Avani Mula und Masi) sind nach den Monaten des tamilischen Kalenders benannt und dienen bei Festen als Prozessionswege. Die äußerste Ringstraße, die Veli Straße zeichnet die ehemalige Stadtmauer nach.



Madurai ist heute mit 1 Million Einwohner die drittgrößte Stadt Tamil Nadus und mit etwa 2.000 Jahren Geschichte eine der ältesten Städte Südindiens. Zuerst war es die Hauptstadt des Pandya Reiches (3.Jh.vC bis 4.Jh.nC.), dann Stadt der Cholas im 10.Jahrhundert um im 12.Jahrhundert noch einmal an die Pandyas zu fallen. Später war es die Residenz des kurzlebigen Sultanats von Madurai. Die letzte Blütezeit hatte Madurai als Residenz der Nayaks. Die Hauptattraktion Madurais ist der Minakshi Tempel mit seinen bunten hohen Gopurams (Tortürmen). Der im Wesentlichen während der Nayak-Zeit im 15. bis 17. Jahrhundert erbaute Tempel ist ein herausragendes Beispiel für die dravidische Tempelarchitektur.
Neben Madras (Chennai) ist Madurai das bedeutendste Zentrum der dravidischen Kultur. Baugeschichtlich ist es geprägt durch die Nayakas des 16/17,Jahrhunderts. Hier ist der formale Höhe-und Schlusspunkt in der manieristisch überfeinerten und barock überladenen Spätphase von Madurai. Der wichtigste Bauherr war Tirumala Nayaka (1623 bis 1659). Er baute Madurai zu einer prächtigen Residenz aus und errichtete zahlreiche weitere Tempel im umliegenden Reich. In seiner Zeit verdeckt die Plastik die eigentliche Architektur. Ein gutes Beispiel ist dafür die Raja Gopuram auf dem über 1.000 Figuren aus Stuck sitzen. Sie stellen „Maya“, die Scheinwelt dar. Im Inneren des Gopuram wurden Tempelschatz und Vorräte gelagert.

Von BishkekRocks – Eigenes Werk
Der Menakshi Tempel
Der volle Name der sakralen Stätte lautet: Sri-Minakshi-Sundareshwara Tempel. Er ist Minakshi, der lokalen Erscheinungsform der Göttin Parvati und Sundareshvara (Shiva als Bräutigam) geweiht. Madurai ist der Ort an dem laut Mythologie Parvati und Shiva geheiratet haben. Im Gegensatz zu anderen Shiva Tempeln wird in Madurai primär Minakshi verehrt. Die ältesten Teile des Minakshi Tempel stammen aus der späten Pandya Zeit (12./13.Jahrhundert) aber sein heutiges Aussehen erhielt er im Westenlichen während der Nayak-Zeit im 16./17.Jahrhundert.
Die Entstehungsmythe berichtet vom Gott Indra, der einen Brahmanen getötet hatte und anschließend von Reue zerfressen herumirrte. Als er an das Ufer der Vaigai kam, wo damals ein Hain von Kadamba Bäumen stand fühlte er sich plötzlich besser. Unter einem Kadamba Baum entdeckte er ein Linga (Manifestation Shivas). Indra betete und baute einen kleinen Schrein. Dann kam ein Kaufmann namens Dhanajaya an dem Ort und wollte in der Nähe des Schreins übernachten. So wurde er Zeuge wie hier die Götter das Linga anbeteten. Er berichtete das Gesehene dem Pandya König Kulasekara und so gründete der König Madurai und ließ den ersten Tempel um Shivas Lingam erbauen.

Eine weitere Legende berichtet von Minakshi: Der Pandya-König Malayadhvaja war kinderlos und um das zu ändern vollzog er ein Opfer im Tempel. Die Götter erhörte ihn, Minakshi stieg in Form eines kleinen Mädchens mit drei Brüsten aus der Opferflamme. Eine Stimme aus dem Himmel verkündete dem König, dass dieses Mädchen die überzählige Brust verlieren würde, sobald sie ihren Bräutigam träfe. Als Minakshi erwachsen war, wurde sie zur Königin gekrönt. Sie zog mit einer Großen Armee los um die Welt zu erobern. Sie war immer siegreich. Schließlich erreichte sie den Kailash (die Wohnstätte der Götter) und forderte Shiva heraus. Als sie dem Gott gegenüberstand verlor sie ihre dritte Brust und erkannte, dass er ihr Bräutigam sei.
Shiva befahl Minakshi nach Madurai zurückzukehren. Kurz darauf folgte er ihr und heiratete sie in einer großen Hochzeitszeremonie. Sie herrschten nun gemeinsam über Madurai und vollbrachten viele Wunder. Dann wurde den beiden ein Sohn geboren, der unter dem Namen Ugra Pandya seinen Eltern auf den Thron folgte. Als er gekrönt wurde zogen sich Shiva und Minakshi in den Tempel zurück und verschwanden. Shiva kommt aber noch heute gelegentlich nach Madurai um Wunder zu vollbringen. So ist Shiva der wahre Herrscher der Stadt.



Der Minakshi-Tempel verfügt über zwölf Gopurams (Tortürme). Wie es für den Dravida-Stil typisch ist, nimmt ihre Größe von außen nach innen ab. Die vier Gopurams in der äußersten Umfassungsmauer erreichen Höhen von rund sechzig Metern und beherrschen weithin sichtbar das Stadtbild Madurais. Der Tempel selbst hat eine Grundfläche von etwa 6 Hektar. Die Umfassungsmauer ist 6 Meter hoch und hat in jeder der vier Himmelsrichtungen ein Eingangstor mit Gopuram (1-4). Das Innere des Tempelkomplex ist konzentrisch aufgebaut, durch die vielen ineinander übergehenden Bauteile wirkt er wie ein Labyrinth.
Es gibt 2 Hauptschreine, je einer für Minakshi (6) und einer für Sundareshvara (5). Vom Minakshi Schrein läuft eine Nebenachse zum Tor der acht Gottheiten (7) in der östlichen Mauer. Der Sundareshvara-und der Minakshi Schrein sind von je zwei konzentrischen Umfassungsmauern mit weiteren Gopurams umgeben. Neben den beiden Hauptschreinen gibt es in der Anlage noch einen separaten Schrein für Javandishvara, ein Avatar von Shiva (8), einen Tempelteich (9), drei große Säulenhallen (Mandapas) im östlichen Bereich: die 1000-Säulen Halle (10), das Viravasantaraya-Mandapa (11) und das Minakshi-Nayaka-Mandapa (12) sowie kleinere Mandapas, Korridore, Tempelverwaltung, Wirtschaftsgebäude und Stallungen.

Prinzipiell ist der Menakshi Tempel ein Shiva Tempel. Die Verehrung von Menakshi ist allerdings dominant. Der Mythos erzählt von der Heirat Sivas und Minakshis. Minakshi ist die lokale Erscheinungsform von Parvati und als solche ist sie auch die Schwester Vishnus. Das Erklärt warum im Relief Vishnu seine Schwester Minakshi zum Altar führt und Shiva in seiner Form als „schöner Bräutigam“ übergibt. Bei Prozessionen wird das Standbild von Minakshi, entgegen der üblichen Ordnung, zur Rechten (dominante Position) ihres Ehemannes positioniert. Daher gibt es die tamilische Redensart: Ist bei euch zu Hause Madurai oder Chidambaram“? In Madurai hat die Frau die Hosen an, in Chidambaram dagegen der Mann.

