Der Tempel von Srirangam ist Vishnu geweiht. Verehrt wird neben Vishnu im Ranganathaswamy Tempel aber auch sein Shakti Lakshmi. Die beiden werden hier in ihrer Form des Ranganatha und der Ranganayaki angebetet. Flächenmäßig ist dieser Tempel der größte Indiens. Hier wird Vishnu in einer tamilischen Tradition verehrt, der Sri-Vaishnava Tradition, einer der vier großen „Sekten“ des Vishnuismus. Der Tempel ist ein wichtiger Pilgerort, denn er gehört zu den 108 heiligsten Orten (Diviya Desams), die von den Alvars in ihren Gedichten und Hymnen besungen wurden. Der Ranganathaswamy Tempel gilt auch als die Wiege der Bhakti-Bewegung in Indien.

Der Vishnuismus
Im Vishnuismus wird Vishnu als höchstes Allwesen angesehen, alle anderen Götter sind ihm untergeordnet. Neben dem Shivaismus und dem Shaktismus ist er eine der drei wichtigsten Strömungen des Hinduismus und mit 641 Millionen Anhängern ist er auch jene mit den meisten Followern. Im Vishnuismus gibt es ebenfalls drei wichtige Strömungen – Vishnu sowie seine Inkarnationen Krishna und Rama. Eng mit Vishnu verbunden ist die Avatara-Lehre – dieser zufolge kehrt Vishnu in zahllosen Inkarnationen auf die Erde zurück. Die Inkarnation in der er emaniert, ist immer seiner Aufgabe angepasst. Am bekanntesten sind die 10 Avatars: Matsya der Fisch, Kurma die Schildkröte, Varaha der Eber, Narasimha der Löwenmensch, Vamana der Zwerg, Parashurama, Rama, Krishna und Buddha, sowie Kalki aber der soll erst kommen.
Zu den wichtigesten Schriften gehören die Veden, die Upanishaden, die Bhagavad Gita, die Agama Texte usw. Die genaue Entstehung des Vishnuismus ist unklar, man vermutet aber dass die Verehrung von Krishna gegen Ende des 2.Jh.vC. bereits verbreitet war. Vishnu selbst wird bereits im Rigveda erwähnt. Man geht daher davon aus, dass sich ab dem 9.Jh.vC. eine monotheistische Theologie entwickelte. Der Vishnuismus hat neue Wege zur Erlösung gebracht. Pflichtbewusstes Handeln in der Gesellschaft (Karma Yoga) und die bedingungslose, liebende Hingabe (Bhakti). Bhakti löst das vedische Opfer ab und macht den Weg frei für die intellektuelle Suche nach erlösendem Wissen (Inana Yoga). Die traditionelle Kastenordnung hat im Vishnuismus wenig Bedeutung.



Die Sri Vaishnava Tradition, auch als „tamilischer Vishnuismus“ bezeichnet, ist eine der Sekten innerhalb des Vishnuismus. Sie beruft sich neben den Veden, Agamas und Puranas auch auf die Gedichte der Alvars. Der Theologe und Philosoph Ramanuja (1050–1137) hat diese Strömung geprägt. Die zwölf Vishnu Verehrer der Vorzeit, die Alvars (tamilische Dichter religiöser Verse) werden als die ersten Anhänger der Sri Vaishnava Tradition angesehen. Laut Tradition ist das Bindeglied zwischen den Alvars der Vorzeit und den mittelalterlichen Lehrern, Madurakavi Alvar. Er zeigte dem Weisen Nathamuni (9.Jahrhundert) wo die frühen Gedeichte der Alvars zu finden waren.
Die Sri-Vaishnava Tradition ist in Kooperation mit der indischen Regierung für den Tempel Betrieb in fast allen der 106 in Indien befindlichen Divya Desams, den Orten, die von den Alvars in ihren Gedichten besungen wurden, verantwortlich. Die Sri Vaishanava Tradition beschränkt sich nicht auf Indien, bedingt durch die indische Diaspora gibt es auch in Australien, den USA, Kanada, England und Deutschland Tempel.

Der Tempel
Mindestens seit der Sangam Periode, also seit 2000 Jahren gibt es hier einen Tempel. Damals war hier das Grenzgebiet der Pallavas (Norden) und der Pandyas (Süden). Jeder Herrscher hat hier gebaut oder renoviert. Die heutige Anlage geht auf die Chola Könige (9. bis 13.Jahrhundert) zurück. Allerdings wurde deren Tempel von den Truppen des Sultanats in Delhi im 14.Jahrhundert weitgehend zerstört. Aber er wurde anschließend wieder aufgebaut. Renovierungen muss es viele gegeben haben, aufgrund der Lage auf einer Insel im Kaveri, muss es viele Überschwemmungen gegeben haben. Die riesigen (bis 73m hohen) Gopurams wurden zwischen 16. und 20.Jahrhundert errichtet.
Viele erhaltene Inschriften aus der Zeit der jeweils regierenden Chola, Pandya, Hoysala und Vijayanagar weisen darauf hin, dass der Tempel nicht nur ein religiöses, sondern auch ein soziales und wirtschaftliches Zentrum war. In seiner Nähe befanden sich Pilgerküchen, Pilgerhospize und Krankenhäuser, außerdem gab es Schulen. Das wurde durch die Stiftungen reicher Bürger und die Spenden wohlhabender Pilger finanziert. Die Anlage umfasst 63 Hektar und besteht aus dem dreiteiligen Außenbezirk mit Wohn-und Geschäftshäusern, sowie aus vier kleiner werdenden ummauerten Bereichen mit insgesamt 20 Gopurams, 39 Pavillons, 80 Schreinen, mehreren Hallen und 9 Tempelteichen. Der Haupttempel wurde vom 14. bis zum 18.Jahrhundert gebaut.

