Nandi am Chamundi Hügel
Im Südosten der Stadt liegt der 1065 hohe Chamundi Hügel. Auf seinem Gipfel steht der Tempel mit einem siebenstöckigen, 40 m hohen Gopuram (Tempelturm). Auf den Hügel hinauf führt eine Straße mit zahlreichen Kehren oder wahlweise ein Treppenweg mit 1000 Stufen. Auf etwa halber Höhe steht die aus dem Felsen geschlagene, 5m hohe, monolithische Statue des Stieres Nandi. Er ist das Reittier Shivas. Die 1659 aus dem Felsen geschlagene Figur ist eine der größten ihrer Art in ganz Indien.



Wer ist Nandi?
Nandi ist mehr als nur ein „Rindvieh“, er ist der Sohn von Shilada, dem Weisen, der ihn von Shiva „geschenkt“ bekam. Die Liebe zu Shiva übertrug sich vom Vater auf den Sohn. Durch tiefe Hingabe an Shiva wurde Nandi ein Bulle und damit Shivas „Vahana“ (Reittier). Er ist mit Suyasha, der Tochter Vayus, verheiratet. Dieser wiederum steht für das Element Luft und symbolisiert den kosmischen Atem. Nandi ist kein Gott aber er ist das von Shiva geschenkte Kind, das als Jugendlicher statt zu sterben in Shivas Begleiter transformiert wurde. Nandi ist auch der Anführer der Ganas (Shivas Gefolge) und der Wächter und Schwellenhüter vor jedem Shiva-Lingam. In einigen Tempeln ist er sogar selbst verehrter Mittelpunkt. Daneben ist er auch der Schutzgott der vierbeinigen Tiere und der vier Ecken der Welt. Die Faustregel lautet: Wo Nandi davor ist, da ist Shiva drinnen.

Das Rind ist in Indien nicht heilig aber es genießt einen großen Schutz, Kühe und Stiere sind also nicht „heilig“ aber sie haben einen Sonderstatus, verbunden mit dem Tabu sie nicht zu töten. Immerhin werden Vater Himmel (Dyaus Pita) und Mutter Erde (Prithivi Mata), das älteste Götterpaar der Veden, in Form von Stier und Kuh gedacht. Der Stier ist in der hinduistischen Ikonographie das Begleittier mehrerer Gottheiten. Shiva oder Yama, der Richter und Herr des Todes, haben ihn. Auch Durga, die Büffeltöterin ist mit dem Stier verbunden, hier verkörpert er das durch sie überwundene Übel. Im Fall von Nandi hat der Bulle eine gegensätzliche Rolle, einerseits ist er der inbrünstige Verehrer Shivas und Verkörperung seiner schöpferischen Aspekte, andererseits verkörpert er – wie Shiva selbst – Vergänglichkeit und Zerstörung.



Die Kuh in Indien
Die „Gau Mata“, die Mutterkuh hat einen ganz besonderen Platz in der indischen Psyche. Lange bevor die Pharaonen ihre Pyramiden bauten, Hammurabi Gesetze verfasste oder die Chinesen das Papier erfanden hatten die Inder ihre nomadische Lebensweise aufgegeben und stattdessen eine landwirtschaftlich geprägte Zivilisation gegründet mit der Kuh als Zahlungsmittel. Als Münzen in Indien bereits bekannt waren wurden am Land noch immer Kühe gegen Waren und Dienstleistungen getauscht oder waren Mitgift bei Hochzeiten, ein reicher Mann hatte viele Kühe auf seinem Konto. Mit Kuhmilch wurden Steuern bezahlt oder monatliche Rechnungen beglichen. Sie war die Hauptnahrungsquelle der Landbevölkerung.
Inder, vor allem Hindus, sind meist Vegetarier und für sie ist es undenkbar Rindfleisch zu essen. Kühe enden daher selten am Teller. Inder sind allerdings auch Pragmatiker, wenn die Kuh keine Milch mehr gibt, dann landet sie auf der Straße. Ein weiterer Beweggrund die Kuh auszusetzen ist, dass Hindus glauben es bringe Unglück wenn die Kuh in ihrem Haus stirbt. Sie müssten dann eine Pilgerfahrt zu sämtlichen heiligen Stätten Indiens unternehmen und davon hat der Subkontinent nicht gerade wenig. Dazu kommt, nach der Rückkehr von dieser Pilgerfahrt muss man sämtliche Brahmanen des Ortes verköstigen. Es ist schlicht bequemer und kostengünstiger die Kuh auszusetzen.
Ausgesetzte Kühe müssen allerdings nicht hungern. Jedes Mal wenn in einem hinduistischen Haushalt gekocht wird, wird das erste Roti (ungesäuertes Brot) für die Kühe vor die Tür gelegt. Um die Götter milde zu stimmen empfiehlt es sich immer Kühe zu füttern. Selbst Vishnu, in seiner achten Inkarnation, hat als Gopal (Kuhhirte) Krishna den Kühen auf seiner Flöte Lieder zur Erbauung vorgespielt. Dieses göttliche Vorbild motiviert die meisten Inder dazu immer nett zu einem Rindvieh zu sein. Außerdem kann man nie wissen ob es sich bei besagten Paarhufer nicht um Kamdhenu handelt, die wunscherfüllende Kuh.



Durga die Büffeltöterin
Eine der bekanntesten Geschichten über Durga ist ihr Sieg über den Büffeldämon Mahishasura. Dieser hatte die Götter besiegt und anschließend die Erde terrorisiert. Um ihn zu besiegen schufen die Götter Durga, die mit Superkräften ausgestattet war. In einem epischen Kampf besiegt sie den Büffeldämon und stellt damit das Gleichgewicht wieder her. Diese Geschichte wird während des Durga Puja Festival gefeiert. Durga bedeutet „Die Unzugängliche“, sie verkörpert die weibliche Urkraft (Shakti). Dargestellt wird sie vielarmig, immer mit Schwert, Schild und Dreizack, auf einem Tiger reitend. Sie ist eine Form der Parvati und damit Shiva zugeordnet.
Bei Mysore wird Durga im Chamundeshwari-Tempel verehrt. Wie die Granitstatue Nandis befindet sich auch der hinduistischer Tempel auf dem Chamundi-Hügel, drei Kilometer Luftlinie südöstlich des Stadtzentrums. Der Tempel ist nach Chamunda, einer Form der Durga, benannt. Das Bauwerk wurde im 12. Jahrhundert errichtet, wahrscheinlich von den Herrschern des Hoysala-Reiches. Der Gopuram (Turm) des Gebäudes wurde im 17. Jahrhundert von den Königen des Vijayanagar-Reiches errichtet.



Das Haar der Sati Devi
Eine Legende macht den Ort an dem der Chamundeshwari-Tempel steht zu einem besonders heiligen Platz. Mata Sati heiratete gegen den Willen ihres Vaters, König Daksha, den Gott Shiva. Als ihr Vater ein Yajna (hinduistisches Opferritual mit Ursprung in den Veden) veranstaltete wurde sie nicht eingeladen. Gegen dem Rat von Shiva nahm sie trotzdem an der Zeremonie teil. Ihr Vater behandelte sie ohne jeden Respekt und Shiva beleidigte ihren Vater. Sie war so wütend darüber, dass sie sich selbst verbrannte. Shiva wiederum war so zornig über den Tod Satis, dass er ihren verbrannten Körper auf seine Schultern setzte und begann den Tandava (kosmischer Tanz der Zerstörung) zu tanzen.
Der kosmische Tanz der Zerstörung rief die anderen Götter auf den Plan und sie baten Vishnu das Schlimmste zu verhindern. Ihre Sorge war, dass Shiva in seinem Zorn das Universum zerstören könnte. Vishnu zerteilte Satis Körper in viele Stücke und legte diese an verschiedenen Orten ab. An jedem dieser Plätze wurden zuerst heilige Schreine, später Tempel errichtet. Sie werden als „Shaktipeethas“ bezeichnet. Der Chamundeshwari-Tempel ist einer der 18 Maha Shaktipeethas. Der Legende nach fiel hier ein Haar der Göttin Sati Devi herab, als Shiva, von Wut und Trauer erfüllt, ihren verkohlten Körper auf seine Schultern nahm.
