Somnathpur – ein Höhepunkt der Hoysala Architektur
Somnathpur ist UNESCO Weltkulturerbe. Der Ort liegt auf 650m an einem ehemaligen Flussbett des Kaveri nicht weit von Mysore (35 Kliometer) entfernt. Um 1300 errichtete hier Soma, ein Minister und General des Hoysala Herrschers Narashima III. den Keshava Tempel. „Keshava“ ist einer der vielen Namen Vishnus und zwar in seinem Avatar Krishna. Keshava wird von Menschen angebetet, die Unglück oder ein schlechtes Omen abwenden wollen. Der Tempel ist der späteste und auch perfekteste Bau der Hoysala Architektur. Hier werden insgesamt drei Cella-Einheiten zu einem Dreifach-Sanktuarium vereint. Man nennt diese Form Trikutashala, bei der wie bei einem Kleeblatt drei Garbhagriha-Elemente von einer gemeinsamen Versammlungshalle abgehen, nur noch zusätzlich durch eine eigene Vorhalle abgetrennt. Die drei Garbhagrihas entsprechen den drei hier verehrten Gottheiten – Keshava in der Mitte, Janardana (der Belohnungen verteilende Krishna) und Venugopala (Krishna als Hirte mit Flöte).



Die Hoysala Dynastie und ihre Architektur
Der Ursprung der Hoysalas liegt in der Hügelregion im westlichen Grenzgebiet des Hassan-Distriktes und im südlichen Chikmagalur-Distrikt im Bundesstaat Karnataka. Die Blütezeit der Hoysala-Kultur war zwischen dem 11.-14Jahrhundert. Zu dieser Zeit war das von Sala gegründete Reich eine blühende Kultur rings um die alte Hauptstadt Mysore, in deren Nähe auch die berühmtesten Tempel liegen (Sonathpur, Halebid und Belur). Ihr Emblem ist ein Mann der einen Tiger tötet, es handelt sich hierbei um den Dynastiegründer Sala. Ursprünglich waren sie Jainas, konvertierten dann aber zum Hinduismus. Der Glaubenswechsel führte zu einer beispiellosen Bautätigkeit, Quellen sprechen von ca. 1500 Tempeln, die in der Zeit der Hoysala-Könige erbaut wurden.



Im Grunde ist der Hoysala-Stil, der auch Vesara-Stil genannt wird, ein Mischstil. Der Hoysala-Stil vereint Elemente des nördlichen Nagara-Stiles mit solchen des südlichen dravidischen Stiles. Und dennoch sind sie aufgrund typischer Merkmale gut von allen anderen Bauwerken anderer Stile zu unterscheiden. Typisch sind eine strenge Symmetrie in Grund- und Aufriss. Die geometrisch durchkomponierte Grundrisse basieren auf konzentrischen Quadraten und Kreuzstrukturen. Im Grundriss finden sich sternförmige Elemente. Die sternförmige Gestaltung kann aus mehreren Gründen erfolgt sein: Sie erlaubt die Vergrößerung der Oberfläche, man kann also mehr Reliefschmuck anbringen und der Stern verzahnt den umbauten Raum symbolisch mit allen Richtungen.



Das Mandapa (Halle) ist in der Frühzeit ganz offen, später wird sie mit durchbrochenem Steingitterwerk verkleidet. Das Garbhagriha (Allerheiligstes) ist extrem massiv gebaut, da es den Shikhara (Turmaufbau) tragen musste. Modulare Kombination von 1 (Belur), 2 (Halebid), oder 3 (Somnathpur) Cella-Einheiten zu Doppel- oder Dreifach-Heiligtümern. Bemühen um räumliche Einheit, die einzelnen Baueinheiten (Ardha-Mandapa, Mandapa, Shikhara) werden nicht mehr additiv aneinandergereiht, sondern verschmelzen zu einem kohärenten Baukörper. Der Hoysala-Stil ist charakterisiert durch das Streben nach architektonischer Geschlossenheit, nach Vereinheitlichung der gesamten Anlage und nach Beseitigung überflüssiger Zwischenelemente zwischen den Raumeinheiten.
Die Tempel der Hoysalas wirken eher gedrungen und sind geprägt von breit gelagerte Hallen und breiten Plattformen. Die breite Plattformen (Jagati) sind ein wichtiger Bestandteil des architektonischen Konzeptes und erlauben die Umwandlung, wobei die Form der Plattform die Form des Gebäudes nachzeichnet. Die Innenräume sind weitläufig. Die hohen Sockel besitzen tiefe horizontalen Hohlkehlen und Reliefbändern. Die Tempeltürme sind pyramidenförmig und betont horizontal geschichtet, aber nicht in unterscheidbare Stockwerke unterteilt. Falsche Gewölbe werden gebildet durch versetzt über Eck gelegte gelegte Steinstürze. Die Garbhagrihas selbst sind sehr dunkel, entsprechend dem Mysterium des Kultes, während die Versammlungshallen vom durch Gitterwerk gefilterten Licht erhellt werden.



Charakteristisch sind auch die „gedrechselten“ Steinsäulen und die sternförmig gezackte Säulen, reich dekoriert mit kräftig gezackte Kanneluren. Das verwendete Material beim Tempelbau der Hoysalas ist meist ein grünlich-grauer Chlorit-Schiefer, der im Laufe der Zeit speckig-dunkel wird. Die Bauplastik besticht durch reichen Skulpturenschmuck aus Speckstein (Steatit) von hoher Lebendigkeit und Perfektion. Die figürlichen Darstellungen sind dynamisch-expressiv. Es sind qualitativ hochwertige Arbeiten, so dass die Tempel wie geschnitzte Elfenbeinschreine im Großformat wirken. Die gesamten Außenflächen sind in einem unerhörten Motivreichtum plastisch durchgearbeitet.
Der Sockel ist horizontal profiliert durch viele schmale übereinanderliegende Friese (neun in Belur und Halebid) mit Reliefs. Meist handelt es sich um Prozessionsdarstellungen, Elefantenreihen, Kudu-Motiven, Löwen, Blatt- und Rankenwerk oder Szenen mit mythischer Gestalten. Diese Friese sind scharfkantig voneinander abgesetzt und ziehen sich um den gesamten Unterbau. Löwen repräsentieren die Macht der Dynastie der Hoysala-Könige. Makaras stehen für Wasser als reinigendes Element. Die Hamsa-Darstellungen (Gänse) symbolisieren die Seele, die bereit ist, dem Göttlichen zu begegnen. Schlingpflanzen und Ranken stehen für die Essenz des Lebens.



Ein stets wiederkehrendes Motiv, eine Art Identifikationssymbol ist folgendes ikonographisches Detail: Ein Krieger mit blanker Waffe kämpft gegen eine riesige Bestie, eine Art gehörnter Löwe, eine Anspielung auf eine legendäre Tat von Sala, dem ersten Hoysala-König. Entsprechend bedeutet „Hoy Sala!“ in etwa „Schlag zu, Sala!“, die Aufforderung, die Bestie zu erledigen.
